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Trumps wundersame Geldvermehrung

Hat Donald Trump den Wert von Immobilien falsch deklariert und so Banken ausgetrickst? Der Fall eines luxuriösen Trump-Anwesens im Bundesstaat New York wirft einige Fragen auf.

Shutterstock/ EPA/ REX/ Justin Lane

Donald Trump, hier im Trump Tower in New York

Von , Washington
Donnerstag, 14.03.2019   16:55 Uhr

Es gibt inzwischen viele Untersuchungen von Staatsanwälten und Kongressausschüssen zu möglicherweise illegalen Geschäftspraktiken von US-Präsident Donald Trump, doch zwei Themen rücken immer mehr in den Fokus der Ermittler: Die Geschäftsbeziehungen zwischen Trump und der Deutschen Bank sowie die tatsächlichen Vermögensverhältnisse des Präsidenten.

Zu beiden Komplexen hat Trumps früherer Anwalt Michael Cohen bei seiner Anhörung vor dem Kongress zahlreiche Hinweise geliefert. Zwar sind die Aussagen des überführten Lügners Cohen weiterhin mit Vorsicht zu genießen. Gleichwohl ist es möglich, dass sowohl die zuständigen Staatsanwälte in New York als auch die Kongressausschüsse in Washington in den kommenden Wochen und Monaten Belege finden, die Cohens Aussagen stützen.

Unterlagen werden bei der Bank angefordert

Bereits kurz nach Cohens Aussage hat die Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus, die Demokratin Maxine Waters, angekündigt, bei der Deutschen Bank alle Unterlagen anzufordern, die für eine Untersuchung notwendig seien. Das Geldinstitut hat demnach Kooperation zugesagt.

Anfang dieser Woche verkündete zudem die Generalstaatsanwältin von New York, Letitia James, man habe die Deutsche Bank zur Herausgabe von Dokumenten aufgefordert, die die Finanzierung mehrerer Projekte der Trump Organisation betreffen, darunter Golfclubs und Hotels. Die Deutsche Bank hat Trump über Jahre mehrere Hundert Millionen Dollar an Krediten gewährt.

Laut Michael Cohen soll Trump während seiner Zeit als Geschäftsmann in New York seine tatsächlichen Vermögensverhältnisse je nach Bedarf entweder "übertrieben" oder "untertrieben" haben. Die Vermögensaufstellungen seien dann zum Beispiel an die Deutsche Bank gegangen, um so bei der Beantragung neuer Kredite Trumps solide Bonität zu untermauern. Wenn das stimmt, wäre das ein Problem: Werden gegenüber einer Bank wissentlich falsche Angaben gemacht, kann das nach US-Recht als Bankbetrug gewertet werden.

Das Rätsel um das Seven Springs Mansion

Wie der Immobilienmagnat vorgegangen sein soll, ist aus mutmaßlichen Vermögensaufstellungen von Trump ersichtlich, die Cohen bei seinem Auftritt präsentierte und die nun im Kongress genauer ausgewertet werden. Ein geradezu kurioses Beispiel ist demnach der Fall von Trumps Villa Seven Springs Mansion im feinen Westchester County in der Nähe von New York City.

Trump hatte das stattliche Herrenhaus mit großem Grundstück in den Neunzigerjahren für schätzungsweise 7,5 Millionen Dollar gekauft.

AP

Seven Springs Mansion

Zunächst plante er dort ein Golfresort, was jedoch an den Protesten von Anwohnern gescheitert sein soll. Dann dachte Trump offenbar an den Bau einiger luxuriöser Villen, die er in einzelnen Portionen verkaufen wollte. Im Jahr 2014 schätzte das Magazin Forbes das Anwesen auf 19 bis 29 Millionen US-Dollar. Nach seiner Wahl zum Präsidenten gab Trump den Wert für 2017 mit 25 bis 50 Millionen Dollar an.

Laut den von Cohen präsentierten Dokumenten kam es beim Wert des Hauses über die Jahre zu seltsamen Schwankungen. Demnach soll es von Trump selbst im Jahr 2012 in einer Vermögensaufstellung mit dem sagenhaften Wert von 291 Millionen Dollar angegeben worden sein. Etwas später soll Trump dann - laut Cohen - unter anderem mit dieser Aufstellung bei der Deutschen Bank einen Kredit zum Kauf des Footballteams "Buffalo Bills" beantragt haben. Das Papier sollte Trump dabei vermögender erscheinen lassen als er wirklich war.

Der Deal kam nie zustande, gleichwohl stellt sich die Frage, ob Trump solche Verfahren systematisch angewandt haben könnte, um Finanzierungen für seine zahlreichen Projekte zu erhalten. In seiner Anhörung wurde Cohen von demokratischen Abgeordneten gefragt, wer aus dem Trump-Kosmos seine Angaben zu Trumps Vermögensaufstellungen bestätigen könne. Cohen nannte daraufhin die Namen von drei Trump-Mitarbeitern, darunter Trumps Finanzchef Allen Weisselberg. Sie sollen nun vor dem Kongress ebenfalls zu Trumps Geschäften aussagen.

Gab es Geldwäsche?

Eine weitere Frage, der vor allem die Demokraten in Washington nachgehen, ist, ob Trump oder sein Umfeld möglicherweise in Geldwäsche mit Russland verwickelt sein könnten. Neben dem Finanzausschuss untersucht auch der ebenfalls von den Demokraten beherrschte Geheimdienstausschuss diesen Verdacht. Gerüchte und Spekulationen dazu gibt es schon lange. Bislang wurden jedoch noch nie konkrete Beweise präsentiert. Das macht die Vorwürfe - zumindest vorerst - nicht besonders glaubwürdig. Trump selbst hat etwaige Verdächtigungen dazu bislang stets energisch zurückgewiesen.

Die Demokratin Maxine Waters, eine erklärte Trump-Gegnerin, deutete in einem Interview mit dem Sender CNBC nun an, man habe in ihrem Ausschuss einen "gewissen Hinweis", dass es Geldwäscheaktivitäten gegeben haben könnte, in die Trumps früherer Wahlkampfmanager Paul Manafort und Mitglieder aus dessen Familie verwickelt sein sollen. Nähere Angaben, um welchen Vorgang es sich handeln soll, machte sie allerdings nicht.

insgesamt 54 Beiträge
rst2010 14.03.2019
1. also kann man der commerzbank nur raten:
finger weg von der deutschen bank, das risiko ist nicht kalkulierbar.
finger weg von der deutschen bank, das risiko ist nicht kalkulierbar.
Onkel.d. 14.03.2019
2. Hoffentlich kommt der Bericht von Herrn Muller bald
Ist Donald Trump ein Ehrenmann der aus politischen Gründen unter Beschuss gekommen ist, oder ein Krimineller? Die Spekulationen nerven und ich hoffe, dass Herr Muller bald Tatsachen auf den Tisch legen wird.
Ist Donald Trump ein Ehrenmann der aus politischen Gründen unter Beschuss gekommen ist, oder ein Krimineller? Die Spekulationen nerven und ich hoffe, dass Herr Muller bald Tatsachen auf den Tisch legen wird.
bigroyaleddi 14.03.2019
3. Ergebnisse werden wir wohl so schnell nicht haben
Aber ich habe schon vor längerer Zeit vermutet, dass dieser Trump überhaupt kein Milliardär ist. Alles nur Schall und Rauch. Aber damit kommt man ja in den Staaten offensichtlich immer am besten voran. Armes Amerika.
Aber ich habe schon vor längerer Zeit vermutet, dass dieser Trump überhaupt kein Milliardär ist. Alles nur Schall und Rauch. Aber damit kommt man ja in den Staaten offensichtlich immer am besten voran. Armes Amerika.
viviane 14.03.2019
4. Lächerlich
Hat die Bank sich beschwert und werden die Kredite zurück bezahlt? Staatsanwälte finden einfach so die Kreditanfragen seien nicht richtig dabei überprüfen Banken schon die Angaben.Dieser Trick wurde schon bei Manafort [...]
Hat die Bank sich beschwert und werden die Kredite zurück bezahlt? Staatsanwälte finden einfach so die Kreditanfragen seien nicht richtig dabei überprüfen Banken schon die Angaben.Dieser Trick wurde schon bei Manafort angewandt.Bankbetrug obschon keine Bank Klage führte.Steuerbetrug obschon die Steuerbehörde nie klagte.
HerrPeterlein 14.03.2019
5. Wieso sehen die Banken nicht mal hin
Bei jedem kleinen Eurobetrag den man als Kredit will, muss alles bis ins Kleinste dokumentiert werden und verifiziert um überhaupt eine Chance zu haben. Geht es aber um Summen weit über einer Million, reicht es scheinbar locker [...]
Bei jedem kleinen Eurobetrag den man als Kredit will, muss alles bis ins Kleinste dokumentiert werden und verifiziert um überhaupt eine Chance zu haben. Geht es aber um Summen weit über einer Million, reicht es scheinbar locker aus einfach mal irgendeine Immobilie oder sonstiges mit den 10 fachen Wert anzugeben und es geht durch. 10 Min bei google suchen, schon wüsste man das diese Werte völlig unrealistisch sind. Aber irgendein Mitarbeiter bekommt bei so einem Geschäft sein Boni und schon wird alles geglaubt.

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