Politik

US-Wahlkampf

Trump verbittet sich Faktencheck beim TV-Duell

Donald Trump beschimpft andere gern als Lügner, geht selbst mit der Wahrheit aber locker um. Bei dem TV-Duell mit Hillary Clinton solle der Moderator auf einen Faktencheck verzichten, fordert der Republikaner.

REUTERS

Donald Trump

Freitag, 23.09.2016   17:49 Uhr

China sei ein Teil des Handelsabkommens TTIP, Präsident Barack Obama der Gründer des "Islamischen Staats", Belgien sei "eine wunderbare Stadt" und wer weiß schon alle Details zu Nuklearwaffen: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat in früheren Debatten schon häufiger Wissenslücken offenbart und Lügen verbreitet. Von kritischen Medien werden seine Reden und Behauptungen seit Wochen immer wieder auf solche Ungereimtheiten abgeklopft - manche kommen auf eine Unwahrheitsrate von über 50 Prozent.

Wenn es nach Trump geht, will er zumindest beim anstehenden TV-Duell mit seiner Kontrahentin Hillary Clinton nicht auch noch mit Faktenchecks behelligt werden. Die Kandidaten sollten sich gegenseitig auf falsche Behauptungen aufmerksam machen, sagte Trump in einem Telefoninterview mit dem US-Sender Fox. Das sei nicht Aufgabe des Moderators Lestor Holt. Clinton und er würden das selbst ausdiskutieren.

Am kommenden Montag werden die Demokratin und der republikanische Kandidat 90 Minuten lang in der Hoftra Universität auf Long Island miteinander debattieren, der TV-Sender NBC wird die Veranstaltung ausstrahlen. Für beide ist es ein enorm wichtiger Termin: Clinton schwächelt in den landesweiten Umfragen; ihre vorherige deutliche Führung hat sie inzwischen nahezu eingebüßt.

Der Ghostwriter als Whistleblower

Die Demokratin hat keine guten Wochen hinter sich. Dass sie die Hälfte von Trumps Anhängerschaft als "erbärmlichen Haufen" abtat, wurde ihr als schwerer Fehler angelastet. Zudem wird ihr Geheimniskrämerei vorgeworfen; da half es wenig, dass ihr Wahlkampfteam ihre Lungenentzündung erst als Hitzekoller bezeichnete und so die eigentliche Erkrankung offenbar vertuschen wollte.

Das Clinton-Lager bereitet sich nun intensiv auf das TV-Duell vor, das wieder für bessere Zahlen sorgen soll. Etliche Stunden habe die Demokratin schon in Probedebatten geübt, schreibt die "New York Times". Ihr Team engagierte demnach Trumps Ghostwriter Tony Schwartz, um Einblick in die Angriffspunkte des 70-Jährigen zu bekommen.

Der Milliardär musste sich im Vorwahlkampf bislang nie in einem direkten Duell einem Rivalen stellen; selbst bei der letzten TV-Debatte der Republikaner standen noch drei weitere Bewerber auf der Bühne.

Die Nachrichtenseite vox.com hat Trumps Verhältnis zu Lüge und Wahrheit in diesem Video analysiert (englisch).

vks/Reuters/dpa

insgesamt 20 Beiträge
freekmason 22.09.2016
1.
"Trump verbittet sich Faktencheck beim TV-Duell" ach was? gäbe es einen faktencheck, könnte man das duell ja auch ohne ton verfolgen.
"Trump verbittet sich Faktencheck beim TV-Duell" ach was? gäbe es einen faktencheck, könnte man das duell ja auch ohne ton verfolgen.
n.strohm 22.09.2016
2. Fakten
sollen vom Moderator - also einem Unabhängigen, den er besser im Duell nicht abkanzeln sollte - also nicht geprüft und oder beanstandet/korrigiert werden. Ist ja logisch, Trump akzeptiert sowieso nur seine eigenen Wahrheiten, [...]
sollen vom Moderator - also einem Unabhängigen, den er besser im Duell nicht abkanzeln sollte - also nicht geprüft und oder beanstandet/korrigiert werden. Ist ja logisch, Trump akzeptiert sowieso nur seine eigenen Wahrheiten, da stören Fakten nur. Ahnung hat er - oder eher seine Anwälte - von der Welt nur insoweit, wie sie für seine Geschäfte notwendig sind. Nach seiner Wahl wird man sehr schnell kapieren, dass das Meiste nur substanzloses, populistisches Geschwätz ist. Bin auch gespannt, ob er der erste Präsident sein wird, der die Veröffentlichung seiner Steuererklärung mit dem Hinweis, dass es da ein schwebendes Verfahren gibt, verweigern kann.
at.engel 22.09.2016
3. Zählen tun nur Zahlen
Was heißt schon "Faktenchek"... da gibt es so etwas wie Kultur, Allgemeinwissen, aber auch spezifisch politisches Wissen - und davon kann ein Präsidentschaftskandidat eigentlich nicht genug haben... und dann gibt es [...]
Was heißt schon "Faktenchek"... da gibt es so etwas wie Kultur, Allgemeinwissen, aber auch spezifisch politisches Wissen - und davon kann ein Präsidentschaftskandidat eigentlich nicht genug haben... und dann gibt es Zahlen, Zahlen über Zahlen, Statistiken und Prozentsätze... und jede Zahlenreihe ist nichtssagender als die vorhergehende. Da nimmt die Kaufkraft zu... aber es gibt immer mehr Arme! Da gibt es immer weniger "Arbeitslose"... aber immer mehr Menschen, die eine Arbeit suchen...?! Und leider beziehen sich ein Großteil aller "Faktenchecks" nur auf Zahlen... und eigentlich ist es mir langsam egal, wenn jedes Jahr aufs neue behauptet wird... ,dass ich wieder "reicher" bin... Das Problem sind anscheinend nicht die Zahlen sondern ich. Zählen tun nur die Zahlen. Was diese wirklich - faktisch - bedeuten, ist den Journalisten dann meistens egal... Und insofern sind mir die Zahlen inzwischen auch egal. Die Faktenchecks auch... Und ich kann mir vorstellen, dass es vielen Amerikanern genauso geht.
karljosef 22.09.2016
4. Ob dieser Herr eigentlich seine Steuererklärung endlich veröffentlicht,
wie es sonst üblich ist? Oder ob hier auch ein Faktencheck zu einer reinen Blamage führen würde?
wie es sonst üblich ist? Oder ob hier auch ein Faktencheck zu einer reinen Blamage führen würde?
karljosef 22.09.2016
5. Kann es etwa sein, dass die Amis genau so belogen werden wie die Deutschen
Bsp. Unermässlicher Reichtum, aber nur wenn man die obersten 1% sieht Immer wenige Arbeitslose, aber nur wenn man daran ganz fest glaubt? Gleiche Chancen für alle, aber nur, wenn der finanzielle Hintergrund stimmt? [...]
Zitat von at.engelWas heißt schon "Faktenchek"... da gibt es so etwas wie Kultur, Allgemeinwissen, aber auch spezifisch politisches Wissen - und davon kann ein Präsidentschaftskandidat eigentlich nicht genug haben... und dann gibt es Zahlen, Zahlen über Zahlen, Statistiken und Prozentsätze... und jede Zahlenreihe ist nichtssagender als die vorhergehende. Da nimmt die Kaufkraft zu... aber es gibt immer mehr Arme! Da gibt es immer weniger "Arbeitslose"... aber immer mehr Menschen, die eine Arbeit suchen...?! Und leider beziehen sich ein Großteil aller "Faktenchecks" nur auf Zahlen... und eigentlich ist es mir langsam egal, wenn jedes Jahr aufs neue behauptet wird... ,dass ich wieder "reicher" bin... Das Problem sind anscheinend nicht die Zahlen sondern ich. Zählen tun nur die Zahlen. Was diese wirklich - faktisch - bedeuten, ist den Journalisten dann meistens egal... Und insofern sind mir die Zahlen inzwischen auch egal. Die Faktenchecks auch... Und ich kann mir vorstellen, dass es vielen Amerikanern genauso geht.
Bsp. Unermässlicher Reichtum, aber nur wenn man die obersten 1% sieht Immer wenige Arbeitslose, aber nur wenn man daran ganz fest glaubt? Gleiche Chancen für alle, aber nur, wenn der finanzielle Hintergrund stimmt? Steuergerechtigkeit für alle, vor allem für die, die in Steueroasen eine Briefkastenfirma haben. Ehrlichkeit, Fairness, ethisches Bewusstsein der Politiker, wenn auch nicht gegenüber der Mehrheit des Volkes. All men are created equal, oder wie steht es in der USA-Verfassung "but some animals are more equal than others" stammt jetzt nicht aus der Verfassung sondern von George Orwell
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