Politik

Österreichs Präsidentenkandidat Hofer

Der Mann mit der Knarre

Am Sonntag könnte Norbert Hofer als neuer Bundespräsident Österreichs in die Wiener Hofburg einziehen. Er gibt sich jovial, volksnah. Doch der FPÖ-Politiker hat auch eine andere Seite.

imago/ Eibner Europa
Von und
Freitag, 20.05.2016   16:59 Uhr

Norbert Hofer trägt gut sitzende Anzüge, Einstecktuch, Manschettenknöpfe zum Hemd - und zur Sicherheit manchmal eine Pistole mit sich. Eine Glock 26, made in Austria.

Die Pistole würde er nicht mit in die Wiener Hofburg nehmen, ließ der 45-jährige Sportschütze und Politiker der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) unlängst wissen, wie der "Standard" berichtete. In der Hofburg sind die Amtsräume des österreichischen Bundespräsidenten, und Hofer hat an diesem Sonntag gute Chancen, Nachfolger des scheidenden Amtsinhabers Heinz Fischer (SPÖ) zu werden.

Es wäre der größte Erfolg in der Geschichte der FPÖ, die unter dem verstorbenen Jörg Haider groß wurde, sich später zunächst zerstritt und jetzt so stark ist wie nie zuvor. Ein Freiheitlicher als Bundespräsident? Nach einer Serie von Landtagswahlerfolgen würde es den "Blauen", die auch von der Eroberung des Kanzleramts träumen, weiteren Auftrieb verschaffen.

Im Wahlkampf gegen seinen Kontrahenten, den früheren Grünen-Chef Alexander Van der Bellen, versucht sich Hofer als Mann des Volkes zu inszenieren. "Sie sind ein Kandidat der Schickeria", spottete er im TV-Duell über Van der Bellen, der unter anderem von Künstlern und Schauspielern unterstützt wird. Er selbst dagegen sei "ein Kandidat der Menschen". Gern betont er, dass er bescheiden lebt und zu Hause den Rasen mäht.

"Jetzt braucht man einen, der eingreift"

Der freundliche Herr von nebenan also. Nur dass er das von ihm angestrebte Amt ganz anders definieren würde als die bisherigen Bundespräsidenten, die vor allem moderierend und zurückhaltend auftraten. Der gelernte Flugtechniker hat mehrfach deutlich gemacht, dass er als Staatsoberhaupt eine besonders aktive Rolle einnehmen wolle. Mit Österreich gehe es derzeit "den Bach hinunter", der Präsident habe deshalb auch die Aufgabe, das Land in Ordnung zu bringen, sagte er etwa. Oder: "Jetzt braucht man einen, der eingreift."

Training am Schießstand

Ein von Norbert Hofer (@norbert_hofer) gepostetes Foto am

In Österreich hat das Staatsoberhaupt viel weitreichendere Kompetenzen als etwa der deutsche Bundespräsident. Er ist Oberbefehlshaber des Bundesheeres. Er kann zudem die Regierung entlassen, einen neuen Kanzler ernennen und das Parlament auflösen: Befugnisse, von denen die bisherigen Bundespräsidenten keinen Gebrauch machten.

Wäre Hofer der erste, der davon Gebrauch machen würde? Der die Balance zwischen Bundeskanzler, Parlament und Bundespräsident ins Wanken bringt? Das fragen sich derzeit viele Österreicher. Spätestens seit der vierfache Vater in einer TV-Kandidatenrunde wie beiläufig sagte: "Sie werden sich wundern, was alles gehen wird." In einem Interview mit den "Vorarlberger Nachrichten" wurde Hofer Anfang März noch deutlicher. Bleibe die Regierung etwa in der Flüchtlingspolitik oder in Wirtschaftsfragen bei ihrem Kurs, würde er als Staatsoberhaupt ein Gespräch mit ihr führen: "Wenn das nicht taugt, steht am Ende die Entlassung an."

Hofers Partei müsste sich vor diesem Szenario nicht fürchten, im Gegenteil: In Umfragen liegt die FPÖ weit vor den beiden schwächelnden Volksparteien SPÖ und ÖVP, sie hätte derzeit im Fall von Neuwahlen gute Chancen, den Kanzler zu stellen.

Hofer agierte lange im Hintergrund der FPÖ

Anders als Parteichef Heinz-Christian Strache, der das Bild der FPÖ nach außen hin prägt, agierte Hofer lange Zeit im Hintergrund und war der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt. Der Parteivize, der 2006 in den Nationalrat gewählt wurde und seit 2013 auch der dritte Nationalratspräsident ist, steht aber ebenso für einen harten Rechtsaußen-Kurs wie Strache.

Deutlich zu erkennen ist das unter anderem im "Handbuch freiheitlicher Politik", das 2013 in einer neuen Auflage erschien. Hofer war damals maßgeblich für den FPÖ-Duktus in dem Buch verantwortlich. Im Vorwort lobt ihn Strache dafür, dass er ein weiteres Mal eine Neuauflage federführend initiiert und redigiert habe.

In dem Leitfaden für Mandatsträger und Funktionäre der FPÖ finden sich Sätze wie diese: "Bis auf weiteres lehnt die FPÖ auf Grund der Migrationswellen der jüngsten Vergangenheit jegliche Zuwanderung ab." Vielmehr müsse es darum gehen, "nach dem Prinzip der 'Minus-Zuwanderung' in Österreich aufhältige Ausländer wieder in ihre Heimat zurückzuführen".

Harte Töne gab es von dem Ehrenmitglied der deutschnationalen Burschenschaft Marko-Germania zu Pinkafeld auch in den vergangenen Wochen: Flüchtlinge bezeichnete er als "Invasoren" und warnte davor, dass nicht nur freundliche Menschen über die Grenze kommen würden - sondern angeblich auch solche, "die bereit sind, einem anderen den Kopf abzuschneiden".

Schwerer Unfall beim Paragleiten

Geblieben ist für die meisten Fernsehzuschauer aber das Bild eines Kandidaten, der in Interviews und Diskussionsrunden gewinnend und freundlich auftritt; der auch dann lächelt, wenn ihn Kontrahenten attackieren; der sich vehement gegen das geplante EU-Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) ausspricht, das in Österreich besonders umstritten ist; der offen über seine Behinderung redet - Hofer verunglückte 2003 beim Paragleiten, erlitt eine inkomplette Querschnittslähmung und hat bis heute Schwierigkeiten beim Gehen.

Für die Stichwahl am Sonntag wird ein knappes Ergebnis erwartet, auch wenn Hofer im ersten Wahlgang mit insgesamt sechs Kandidaten rund 14 Punkte vor Van der Bellen lag. Der Ex-Grünen-Chef muss jetzt allerdings auch Wähler aus dem konservativen Milieu für sich gewinnen, um Hofer zu schlagen.

Unter einem Präsidenten Hofer drohe der Weg in eine autoritäre Republik, hatte Van der Bellen in einem Schlagabtausch mit seinem Gegner gesagt. Angstmache sei das, erwiderte Hofer.

Die große Koalition in Wien sollte nicht damit rechnen, dass Hofer als Bundespräsident noch ein Freund von ihr wird. Auf seiner Homepage erklärt er, was ihn zur Verzweiflung treibt: "Dass die aktuell an der Macht befindlichen Politiker innerhalb von wenigen Monaten alles verspielen, was unsere Eltern und Großeltern aufgebaut haben."

insgesamt 95 Beiträge
five-oceans-buccaneer 20.05.2016
1. Anbräunung der Presse
Dermassen braun ist die FPÖ nicht wie sie dermassen von der EU Presse dargestellt wird. Sie ist eine alte Partei und hat viele male ihre Grenzen vorgezeigt bekommen. Aufpassen, diese Partei ikann man nicht mit AfD und Pegida [...]
Dermassen braun ist die FPÖ nicht wie sie dermassen von der EU Presse dargestellt wird. Sie ist eine alte Partei und hat viele male ihre Grenzen vorgezeigt bekommen. Aufpassen, diese Partei ikann man nicht mit AfD und Pegida vergleichen oder PiS aus Polen. In jedem Fall bleibt den Österreichern nichts anderes übrig, als die einzige Alternative zu wählen im Moment, d.h. die berühmte Watschn, die längst überfällig ist...
Bondurant 20.05.2016
2. Eigentlich unwählbar
aber mit dieser Unterstützung http://www.faz.net/oesterreichs-prominente-gegen-norbert-hofer-als-bundespraesident-14243336.html]Intellektuelle für van der Bellen schafft er es wahrscheinlich.
aber mit dieser Unterstützung http://www.faz.net/oesterreichs-prominente-gegen-norbert-hofer-als-bundespraesident-14243336.html]Intellektuelle für van der Bellen schafft er es wahrscheinlich.
albertaugustin 20.05.2016
3. SPON hat mit
dem österreichischen Bundespräsidenten-Kandidaten das gleiche Problem wie mit der AfD, "man" versucht den Kandidaten schlecht zu schreiben um so dem "dummen Volk" die Wahlrichtung vorzugeben. Die [...]
dem österreichischen Bundespräsidenten-Kandidaten das gleiche Problem wie mit der AfD, "man" versucht den Kandidaten schlecht zu schreiben um so dem "dummen Volk" die Wahlrichtung vorzugeben. Die Österreicher werden am Sonntag wohl den Richtigen wählen, auch, wenn das in Hamburg nicht goutiert wird. Als Ausländer hoffe ich auch, dass Norbert Hofer gewinnt !
steviespeedy 20.05.2016
4. Mal sehen,
was der so drauf hat. Gebt ihm doch mal ne Chance.
was der so drauf hat. Gebt ihm doch mal ne Chance.
tailspin 20.05.2016
5. Supertyp
"Erst gibt es Gespraeche an. Wenn das nichts taugt, stehen Entlassungen an." My kind of president.
"Erst gibt es Gespraeche an. Wenn das nichts taugt, stehen Entlassungen an." My kind of president.
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