Politik

Ex-Präsident

Der Sockenfetischist George Bush senior

Andere US-Präsidenten bekommen ein Memorial, George Bush senior lässt sich auf seinen Socken verewigen. Auf seine alten Tage pflegt der einst mächtigste Mann der Welt das Image eines liebenswert verschrobenen Opas. Politische Statements setzt er optisch.

AP/ LBJ Foundation
Donnerstag, 05.12.2013   19:00 Uhr

Houston - George Bush senior lachte gleich dreimal in die Kamera. Einmal aus seinem eigenen Gesicht, zweimal von seinen beiden Socken. Vor einem rot-weißen Streifen prangte da das Konterfei des ehemaligen US-Präsidenten. Von dem Preis, den ihm die Lyndon-B.-Johnson-Stiftung am Mittwoch für sein politisches Lebenswerk verlieh, war später wenig zu lesen. Seine Fußbekleidung stahl mal wieder die Show.

Breite Streifen, grelle Farben, Kakteen und nun das eigene Konterfei: Wenn der 89-jährige Bush in der Öffentlichkeit auftritt, dann nur mit ausgefallenen Socken. Er selbst erklärte seinen Spleen in einem Fernsehinterview ganz simpel: "Ich bin eben ein Sockenmann", während die Kamera auf seine senffarbenen Rautenstrümpfe wandert.

Der Sockenmann war aber auch mal der mächtigste der Welt. Als US-Präsident setzte er die deutsche Wiedervereinigung durch und führte die USA in den Irak-Krieg. Während sein Nachfolger Bill Clinton das Wahlkämpfen nicht sein lassen kann, hat sich Bush ins Private zurückgezogen - und pflegt seine schräge Vorliebe.

"Je schrecklicher, desto besser"

Seine Frau Barbara nimmt Bushs Sockenfetisch mit Humor: "Ich habe einfach die Kontrolle über diesen Mann verloren", scherzte die ehemalige First Lady bei einem Auftritt im April. Stilberatung sei bei ihrem Mann hoffnungslos: "Je schrecklicher die Socken sind, desto besser."

Als ulkigen alten Opa sollte man Bush dennoch nicht abstempeln. Die Tagespolitik will er zwar nicht mehr kommentieren, doch Symbole zu setzen weiß er: Im September waren er und Barbara die Trauzeugen eines befreundeten lesbischen Paares - in der konservativen republikanischen Partei des Altpräsidenten ein Affront.

Nur wenige Wochen zuvor hatte Bush mit einem anderen Körperteil Aufsehen erregt: Aus Solidarität mit dem leukämiekranken Sohn seines Leibwächters ließ sich Bush eine Glatze scheren und posierte mit einem ganzen Team kahlrasierter Secret-Service-Agenten. Seine bunten Socken waren da nur eine Nebensache.

ade/cth

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP