Politik

Druck auf Iran in Öltanker-Krise

"Wir glauben nicht, dass jemand anderes das getan haben könnte"

Nach den Vorfällen im Golf von Oman beschuldigen sich verschiedene Länder gegenseitig, die zwei Tanker angegriffen zu haben. Die Briten beharren auf ihrer Sicht, dass Teheran schuldig ist - liefern aber keine Beweise.

Uncredited/Tasnim News Agency/AP/DPA

Ein iranisches Marineboot spritzt Wasser im Golf von Oman, um ein Feuer auf dem Öltanker "Front Altair" zu löschen

Sonntag, 16.06.2019   14:45 Uhr

Der britische Außenminister Jeremy Hunt hat seine Vorwürfe bekräftigt: Iran stecke hinter dem Angriff auf zwei Tanker im Golf von Oman. Er sei sich dessen "fast sicher". Die Geheimdienste hätten den Vorgang geprüft. "Wir glauben nicht, dass jemand anderes das getan haben könnte."

Zwei Tanker waren am Donnerstagmorgen bei Angriffen im Golf von Oman beschädigt worden. Die "Front Altair" einer norwegischen Reederei brannte nach einer Explosion. Der japanische Betreiber der "Kokuka Courageous" berichtete von zwei Detonationen.

Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani behauptete, die USA steckten hinter den Explosionen. Sie seien eine Reaktion auf die Wirtschaftssanktionen der USA gegen Iran, sagte er laut den iranischen Nachrichtenagenturen Irna und Isna vor dem Parlament in Teheran. Er lieferte keine Belege für seine Aussage.

Hannah Mckay/REUTERS

Der britische Außenminister Jeremy Hunt in London: "Fast sicher"

Die USA machen Iran für die Attacke verantwortlich - allerdings ohne klare Beweise vorzulegen. Bisher gibt nur Hinweise, etwa ein Video des US-Verteidigungsministeriums. Es soll ein iranisches Patrouillenboot zeigen, das an einem der Tanker festmacht, um eine nicht explodierte Haftmine vom Rumpf zu entfernen. Eine mögliche Erklärung wäre demnach, dass der Sprengstoff geborgen werden sollte, um Spuren zu beseitigen.

Davon will die US-Regierung nun auch internationale Partner überzeugen. US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Sonntag in mehreren Interviews, es gebe keinen Zweifel, dass Iran für die Attacken verantwortlich sei. Er habe zu dieser Frage am Wochenende mit diversen Kollegen telefoniert und sei zuversichtlich, dass auch andere die Bedrohung durch Teheran verstehen werden. "Die Welt muss sich vereinen gegen die Bedrohung durch die Islamische Republik Iran", mahnte er.

Videoanalyse zum Iran-Konflikt: "Die Gefahr wächst"

Foto: SPIEGEL ONLINE

Großbritannien schloss sich der Einschätzung der USA an. Daraufhin meldete die iranische Nachrichtenagentur INSA, der britische Botschafter sei einbestellt worden. Das hat Rob Macaire nun auf Twitter zurückgewiesen. Er selbst habe um ein dringendes Treffen im Außenministerium nachgesucht, das ihm auch gewährt worden sei. "Keine 'Vorladung'", schrieb der Diplomat.

Auch Saudi-Arabien beschuldigte Iran. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman sagte, die Regierung habe den Besuch des japanischen Regierungschefs Shinzo Abe nicht respektiert und während dessen Anwesenheit die Schiffe angegriffen. Das sunnitische Saudi-Arabien sieht in dem schiitischen Nachbarn einen Erzfeind.

Sein Land wolle keinen Krieg, sagte der saudische Thronfolger. Zugleich betonte er: "Wir werden nicht zögern, jeder Bedrohung für unser Volk, unsere Souveränität und unsere lebenswichtigen Interessen zu begegnen." Das Problem liege allein in Teheran.

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Die beiden Tanker hatten kurz vor den Angriffen die Straße von Hormus passiert. Die Meerenge zwischen Iran und Oman ist einer der wichtigsten Transportwege für internationale Erdöllieferungen.

Die Besatzung des Tankers "Front Altair" ist nach Angaben der norwegischen Reederei Frontline am Samstag in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) eingetroffen. Die Seeleute seien demnach vom iranischen Bandar Abbas nach Dubai geflogen worden. Nach früheren Äußerungen der Reederei handelt es sich um elf Russen, einen Georgier und elf Philippiner.

Die Vorfälle ereigneten sich einen Monat nach "Sabotageakten" gegen vier Schiffe vor der Küste der Emirate. Auch in diesen Fällen machten die USA sowie Saudi-Arabien Iran verantwortlich. Teheran hatte die Vorwürfe auch damals zurückgewiesen.

jpz/Reuters/dpa

insgesamt 173 Beiträge
vollewindel 16.06.2019
1. ...die Macht der Gedanken
Alleine durch Ihre 24 Stunden präsente Berichterstattung über eine 'mögliche ernstzunehmende Kriegsgefahr' zwischen dem Iran und den USA, implantieren die Medien dieses negative Denkszenario in das Gehirn des menschlichen [...]
Alleine durch Ihre 24 Stunden präsente Berichterstattung über eine 'mögliche ernstzunehmende Kriegsgefahr' zwischen dem Iran und den USA, implantieren die Medien dieses negative Denkszenario in das Gehirn des menschlichen Kollektivs und derer, welche die Verantwortung für die mögliche Umsetzung einer kriegerischen Absicht mit tragen. Und das alleine kann bereits die potentielle Gefahr für eine gewaltbereite Auseinandersetzung befeuern. Weil übergreifende Energien hierfür in kollektiver Gedankenform geschaffen werden. Deren subtile aber dennoch wirksame Zugriff auf das menschliche Bewusstsein wird leider nach wie vor unterschätzt. Wie heisst es so schön : zunächst sind es Gedanken... aus Gedanken werden Worte... aus Worten folgen Handlungen...
lautlos 16.06.2019
2. Beweise?
Der Schuldige ist derart offensichtlich, dass man sich schon fragt, warum das hier nicht thematisiert wird. Ich habe mehrere Jahre auf einer Fregatte gedient in der Ortung. Wer glaubt, dass der Iran an dieser Stelle Angriffe [...]
Der Schuldige ist derart offensichtlich, dass man sich schon fragt, warum das hier nicht thematisiert wird. Ich habe mehrere Jahre auf einer Fregatte gedient in der Ortung. Wer glaubt, dass der Iran an dieser Stelle Angriffe fremder Mächte auf diese Schiffe nicht bemerkt hätte, der ist deppert. Aktive und passive Sensoren, ganz zu schweigen von Luftüberwachung analog der Amerikaner stellt eine lückenlose Überwachung dar. Wenn es eine fremde Macht gewesen wäre außer dem Iran, niemals an dieser Stelle............
schmetterling76 16.06.2019
3. Im Zweifel für den Unschuldigen gilt nicht mehr
Das man vorab - vor jeder Untersuchung - gleich schon lautstark den Schuldigen benennt, scheint schon eine sonderbare Entwicklung zu sein. Im Zweifel für den Angeklagten oder "solange die Schuld nicht bewiesen wurde, sollte [...]
Das man vorab - vor jeder Untersuchung - gleich schon lautstark den Schuldigen benennt, scheint schon eine sonderbare Entwicklung zu sein. Im Zweifel für den Angeklagten oder "solange die Schuld nicht bewiesen wurde, sollte man von der Unschuld ausgehen" gelten nicht. Das man sich nicht gemeinsam aufmacht und untersucht wer dafür verantwortlich ist, wurde mit Schuldzuweisungen ja zu nichte gemacht. Man weiß es gibt Terroristen die Unruhe stiften wollen von IS oder Al quaida bis hin zu weiß nicht noch wem. Mandra -artig wird ständig der Schuldige genannt, so als ob ein Ohrwurm bei den Leuten entstehen soll und sie irgendwann nicht mehr anders können als "Gehirnwäsche" artig zu denken : "Iran - Schuld". Die Methode erinnert einen doch irgendwie an den "der stürmer" und seine Methoden.
kohlon 16.06.2019
4.
Ich glaube man darf sicher sein, dass der Iran alle Schiffsbewegungen in der Straße von Hormus und der anliegenden Gewässer lückenlos überwacht und aufzeichnet. Daher sollte es für den Iran ein leichtes sein, verdächtige [...]
Ich glaube man darf sicher sein, dass der Iran alle Schiffsbewegungen in der Straße von Hormus und der anliegenden Gewässer lückenlos überwacht und aufzeichnet. Daher sollte es für den Iran ein leichtes sein, verdächtige Schiffsbewegungen von Dritten zum Zeitpunkt der beiden Tankerangriffe zu belegen. Da kommt aber nichts - warum?
Ruhrsteiner 16.06.2019
5. Glauben heisst eben nicht wissen.
Eine Untersuchungskommission aus internationalen Marineexperten muss die Steuerbordschäden an beiden Tankern sofort sachverständig - wenn man so will "forensisch" - untersuchen um fest zu stellen, was für [...]
Eine Untersuchungskommission aus internationalen Marineexperten muss die Steuerbordschäden an beiden Tankern sofort sachverständig - wenn man so will "forensisch" - untersuchen um fest zu stellen, was für Explosivwaffen gegen die Kokuka Courageous und die MT Front Altair eingesetzt wurden (Lenkwaffen? Minen? Nahbereichswaffen?), um so auch belastbare Rückschlüsse auf den/die Verantwortlichen zu finden. Der UN-Generalsekretär hat Recht - ein militärischer oder paramilitärischer Angriff (von "Unbekannt"?) auf die internationale Handelsschifffahrt ist nicht hin zu nehmen, das fällt in die Zuständigkeit des UN-Sicherheitsrates.
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