Politik

Konflikt am Persischen Golf

In der Iran-Falle

Donald Trump hat sich mit seiner harten Linie gegenüber Teheran in eine schwierige Situation gebracht. Es gibt für ihn praktisch keinen einfachen Ausweg mehr.

Saul Loeb/ AFP

Eine Analyse von , Washington
Samstag, 15.06.2019   16:31 Uhr

Zu den typischen politischen Eigenschaften von Donald Trump zählt, dass er seinen Wählern vollkommen widersprüchliche Versprechungen macht.

Einerseits präsentiert er sich als eine Art Super-Isolationist, der Amerikas Truppen am liebsten aus allen Weltgegenden sofort abziehen würde. Frei nach dem Motto: "America First!".

Andererseits hat er versprochen, die großen außenpolitischen Probleme quasi im Handstreich zu lösen. Dazu hat er in seinen ersten beiden Amtsjahren Staaten wie Nordkorea oder Iran mit militärischen Drohungen überzogen.

Das passt vorne und hinten nicht zusammen. Diese Widersprüche holen Trump nun im Konflikt mit Iran ein - und werden für ihn zu einem ernsten politischen Problem.

Der Streit über das Atomwaffenprogramm mit Iran spitzt sich fast täglich dramatisch zu, Trump hat einseitig den Atomdeal aufgekündigt, die Amerikaner verschärfen die Sanktionen und schicken Kriegsschiffe. Im Golf von Oman brennen Tanker, die als Vergeltung für das Vorgehen der USA mutmaßlich von iranischen Angreifern attackiert worden sind. Es wird offensichtlich, dass der US-Präsident in einer Falle steckt, die er sich selbst gebaut hat.

Trumps Wähler wollen keine Waffengewalt gegen Iran

Trump glaubt, mit seiner Politik des "maximalen Drucks" Teheran seinen Willen aufzwingen zu können. Aber wenn Trump überhaupt eine Chance haben will, seine harte Linie durchzusetzen, muss er glaubhaft mit Amerikas militärischer Macht drohen. Mit anderen Worten: Er müsste im Ernstfall auch bereit sein, Waffengewalt gegen Iran einzusetzen.

Genau das wollen aber seine Wähler nicht: Die meisten Amerikaner (und gerade auch Trumps Wähler) haben von interventionistischen Kriegen der vergangenen Jahrzehnte die Nase voll. Wenn Trump bei seinen Auftritten an der Basis bislang versprach, die Truppen aus Irak, Syrien oder Afghanistan zurückzuholen, erhielt er stets den meisten Applaus. Wie soll er vor diesem Hintergrund einen Krieg mit Iran anfangen?

Hinzu kommt, dass Trump, aber auch die US-Regierung insgesamt, ein Glaubwürdigkeitsproblem hat. Um einen möglichen Waffengang gegen Iran zu rechtfertigen, müsste der Präsident harte Beweise gegen Iran vorlegen. Er müsste die öffentliche Meinung klar zu seinen Gunsten drehen. Und das heißt: Er müsste noch mehr Menschen von der Notwendigkeit eines militärischen Konflikts überzeugen als nur seine Basis.

Öltanker-Angriff - geschickter Schachzug Irans?

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Aber: Glaubt man Trump überhaupt noch, einem Mann, der in seiner Amtszeit einen Rekord an nachweisbaren Lügen aufgestellt hat? Die Antwort lautet wohl eher: nein. Amerikas Öffentlichkeit ist spätestens seit dem Irakkrieg, der von der Regierung von George W. Bush mit fadenscheinigen Begründungen begonnen wurde, misstrauisch, wenn angebliche Beweise für Vergehen anderer Staaten vorgelegt werden. Dass jetzt auch noch in Trumps Regierung Sicherheitsberater John Bolton, einer der Verantwortlichen für das Irak-Desaster, mit dabei ist, macht die Sache nicht besser.

All diese Widersprüche und Schwächen in der Trump-Politik kennen natürlich auch die Iraner. Sie versuchen, daraus politisches Kapital zu schlagen. Sollten sie tatsächlich hinter den Angriffen am Golf von Oman stecken, wäre dies ein zynischer, aber geschickter Schachzug. So wird den USA und Trump der Preis eines Krieges vor Augen geführt. Schon jetzt steigt durch die Krise der Ölpreis an, was automatisch auch auf die amerikanischen Verbraucher zurückschlägt.

Wie geht es jetzt weiter? Trump hat sich in eine Situation manövriert, in der ihm nicht viele Optionen bleiben, wenn er irgendwie sein Gesicht wahren will. Das macht die Sache so schwierig für ihn - und so gefährlich für die ganze Region.

Trump spielt auf Zeit

Bei einer weiteren Eskalation könnte Trump von seinen Beratern wie Bolton dazu getrieben werden, militärische Macht einzusetzen, etwa mit einem Vergeltungsschlag gegen iranische Kräfte am Golf. Das dürfte automatisch einen Gegenschlag der Iraner auslösen und die Sache könnte ganz schnell in einen großen Konflikt ausarten.

Offenkundig setzt Trump darauf, dass er sein übliches Spiel spielen kann: So wie schon im Fall von Nordkorea könnte er auch mit der Regierung in Teheran ein großes Verhandlungsspektakel inszenieren, bei dem er kein Problem löst, das er seiner Basis aber trotzdem als Erfolg verkaufen kann. Er sei offen für Verhandlungen, erklärte Trump gerade erst wieder. "Ich bin bereit, wenn sie es sind."

Der große Friedensgipfel wäre natürlich für Trump ein bequemer Ausweg aus seinem Dilemma. Deshalb spielt er nun auf Zeit, laviert. Die große Frage lautet nur, ob Iran ihm diesen Gefallen tut. Auf einen Gipfel ohne echte Gegenleistungen der Amerikaner wird sich Teheran kaum einlassen.

Denn auch für Teheran gibt es einen eventuellen Exit. Die Mullahs müssten nur noch bis zum kommenden Jahr durchhalten. Es wäre Trumps mögliche Abwahl.

insgesamt 192 Beiträge
uherm_ 15.06.2019
1. Gute Analyse
Danke!
Danke!
GutenTagZusammen 15.06.2019
2. Ein Teil der iranischen Bevölkerung findet Trump gut...
... denn sie gehen davon aus, dass dadurch das Regime bald zusammenbrechen wird. Sie geben auch der Führung in Teheran die Schuld an den steigenden Preisen, nicht Trump. Meine Bekannten, deren Eltern im Iran leben, gehen davon [...]
... denn sie gehen davon aus, dass dadurch das Regime bald zusammenbrechen wird. Sie geben auch der Führung in Teheran die Schuld an den steigenden Preisen, nicht Trump. Meine Bekannten, deren Eltern im Iran leben, gehen davon aus, dass es nur noch eine Frage von Monaten ist bis das Regime weg ist. Damit wäre das ein großer Erfolg für Trump, wenn er es ohne Waffen schafft, was alle Präsidenten vor ihm nicht geschafft haben. Deswegen auch die Nervosität in Teheran und die Last-Minute-Versuche in Israel noch schnell einen Krieg vom Zaun zu brechen. Wenn Israel der Feind wegbricht, wird das auch den Druck auf diese erhöhen Frieden zu schließen.
Hörbört 15.06.2019
3. Menschenleere Baustellen
Von einer unvollendeten Baustelle zur nächsten: Der größte Bauherr aller Zeiten reiht einen Baustopp an den anderen. Es begann mit der Gesundheitsreform, setzte sich mit der Mauer zu Mexiko fort, zeitigte den Stillstand der [...]
Von einer unvollendeten Baustelle zur nächsten: Der größte Bauherr aller Zeiten reiht einen Baustopp an den anderen. Es begann mit der Gesundheitsreform, setzte sich mit der Mauer zu Mexiko fort, zeitigte den Stillstand der Gespräche mit Nordkorea und geriet bei der Errichtung der Regierung des venezolanischen Gegenpräsidenten zum Fiasko. Nirgendwo hat das stabile Genie seinem Fanclub das verheißene 'tired of winning' geliefert. Er kann es nicht.
Schöneberg 15.06.2019
4. Jemand glaubt aber ganz fest an Trump
"Aber: Glaubt man Trump überhaupt noch, einem Mann, der in seiner Amtszeit einen Rekord an nachweisbaren Lügen aufgestellt hat?" Christoph Sydow hat uns gestern erst im Video erklärt, dass Trump seinen Wählern [...]
"Aber: Glaubt man Trump überhaupt noch, einem Mann, der in seiner Amtszeit einen Rekord an nachweisbaren Lügen aufgestellt hat?" Christoph Sydow hat uns gestern erst im Video erklärt, dass Trump seinen Wählern versprochen hat, alle Soldaten nach Hause zu holen. Bolton arbeitet seit Jahrzenten gegen den Iran, hält offen Reden zum Umsturz und ist bei weitem nicht der einzige Falke an Trumps Seite. Weil Trump es seinen Wählern aber versprochen hat, können wir gleich ausschließen, dass die USA ein Interesse am Krieg hätten. Allen Säbeltänzen zum trotz. Das die Iraner hingegen ein vollbesetztes Boot zum manuellen abmontieren einer scharfen, jedoch nicht explodierten, Haftmine schicken, das glauben wir sofort! Macht weiter so, ich schaue mir derweil Sydows Klassiker an, das Grillvideo aus Mossul.
neutralfanw 15.06.2019
5. Der Boomerang fliegt
Trump sollte aufpassen. Die größte Gefahr besteht, wenn man seinen Gegner unterschätzt. Trump hat Kim NK, México, Kanada, China, die FED und politischen Gegner nicht richtig eingeschätzt bzw. Ihnen gegenüber ungeschickt [...]
Trump sollte aufpassen. Die größte Gefahr besteht, wenn man seinen Gegner unterschätzt. Trump hat Kim NK, México, Kanada, China, die FED und politischen Gegner nicht richtig eingeschätzt bzw. Ihnen gegenüber ungeschickt taktiert. Jetzt kämpft er verzweifelt an allen Fronten und Bereichen. Seine Anhänger haben mittlerweile ein Problem, sie möchten nicht auf der Seite eines Verlierers stehen. Die Zeit drängt, es müssen sichtbare Erfolge her.
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