Politik

Brennende Tanker im Golf von Oman

Angriff bei voller Fahrt

Binnen weniger Wochen sind zum zweiten Mal Tanker vor der iranischen Küste attackiert worden. Was ist bisher über die Angriffe im Golf von Oman bekannt? Der Überblick.

Foto: REUTERS/ ISNA
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Donnerstag, 13.06.2019   17:14 Uhr

Am Donnerstagmorgen gingen bei der in Bahrain stationierten Fünften Flotte der US-Marine zwei Notrufe ein. Zuerst meldete sich um 6.12 Uhr Ortszeit der Tanker "Front Altair". Um 7 Uhr signalisierte der Tanker "Kokuka Courageous" ein Problem. Auf beiden Schiffen ereigneten sich Explosionen, ausgelöst durch Angriffe von außen. Zum Zeitpunkt der Detonationen befanden sich beide Schiffe ungefähr 50 Kilometer voneinander entfernt im Golf von Oman - in internationalen Gewässern zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Iran.

Die "Front Altair" fährt unter der Flagge der Marshallinseln, gehört aber zur Flotte der norwegischen Reederei Frontline. Das Schiff ist beladen mit 75.000 Tonnen Naphtha, einem raffinierten Erdöl. Der Tanker war auf dem Weg von Abu Dhabi nach Kaohsiung in Taiwan. An Bord befanden sich 23 Besatzungsmitglieder. Das Schiff "Hyundai Dubai", das in der Nähe war, nahm sie an Bord und brachte sie in Sicherheit. Inzwischen befindet sich die Besatzung - elf Russen, elf Filipinos und ein Georgier - im iranischen Hafen Bandar Abbas.

Die "Kokuka Courageous" fährt unter der Flagge Panamas und gehört zur Flotte der deutschen Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM). Das Schiff ist mit Methanol beladen. Der Tanker war auf dem Weg von Dschubail in Saudi-Arabien nach Singapur. An Bord befanden sich 21 Besatzungsmitglieder, die vom Schiff "Coastal Ace" gerettet wurden.

Die Reedereien beider Schiffe versichern, keine Ladung sei aus den havarierten Schiffen ausgetreten. Daher seien keine Umweltschäden zu befürchten.

Bislang ist unklar, womit die Schiffe angegriffen wurden. Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg meldet unter Berufung auf eine Person, die Funksprüche im Golf von Oman abgehört haben will, ein Torpedo habe die "Front Altair" getroffen.

Die Explosion am Rumpf der "Kokuka Courageous" ereignete sich nach Angaben der Reederei oberhalb der Wasserlinie. Das lässt einen Torpedo-Angriff in diesem Fall unwahrscheinlich erscheinen. Die Detonation ereignete sich auf der Steuerbordseite. Sie zeigte zu dem Zeitpunkt nicht zur iranischen Küste, sondern in Richtung der internationalen Gewässer.

Es ist der zweite Angriff auf Handelsschiffe in der Region binnen wenigen Wochen. Am 12. Mai hatten drei Tanker und ein weiteres Schiff im Golf von Oman Havarien gemeldet. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sprachen von Sabotageangriffen. In einer gemeinsamen Erklärung der VAE, Saudi-Arabiens und Norwegens an den Uno-Sicherheitsrats war die Rede von Seeminen, die die Explosionen ausgelöst haben sollen. Diese seien höchstwahrscheinlich von Tauchern an den Schiffsrümpfen angebracht worden. Die Erklärung nannte keinen Verdächtigen für die Angriffe.

Angriffe in politisch angespannter Lage

Im Unterschied zu den Attacken vom vergangenen Monat ereigneten sich die aktuellen Angriffe in internationalen Gewässern. Und anders als im Mai wurden diesmal keine Schiffe attackiert, die vor Anker lagen, sondern Tanker in voller Fahrt.

Bislang hat sich niemand zu den Angriffen vom 12. Mai und den Anschlägen vom 13. Juni bekannt. Die Taten fallen in eine Zeit größter Spannungen zwischen Iran auf der einen sowie den USA und den arabischen Golfstaaten auf der anderen Seite. John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, hatte Iran nach den ersten Vorfällen im Mai beschuldigt, hinter den Sabotageakten zu stecken. Das Regime in Teheran wies diese Anschuldigungen zurück und bezeichnete Bolton als Kriegstreiber.

Auch jetzt beeilt sich Iran, jede Verantwortung von sich zu weisen. Außenminister Mohammad Javad Zarif verwies darauf, dass sich die Angriffe genau während der Gespräche zwischen Japans Premierminister Shinzo Abe und Irans Oberstem Führer Ali Khamenei ereigneten. Abe bemühte sich um Vermittlung im Konflikt zwischen Washington und Teheran.

Das iranische Regime hatte in den vergangenen Jahren mehrfach mit einer Blockade der Straße von Hormus gedroht, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet und durch die rund ein Viertel des weltweiten Ölbedarfs transportiert wird. Schiffsversicherer bewerten die Durchfahrt dieses Seegebiets schon jetzt als so riskant wie zuletzt 2005. Während des sogenannten Tankerkriegs während des Ersten Golfkriegs in den Achtzigerjahren wurden insgesamt mehr als 450 Angriffe auf Handelsschiffe in der Region registriert. Schließlich sah sich die US-Armee gezwungen, eine 14-monatige Militäroperation zu starten, um Öltanker vor iranischen Angriffen zu schützen.

Heute würde eine vergleichbare Operation die Kosten von Trumps Iran-Politik drastisch in die Höhe treiben.

insgesamt 111 Beiträge
bebau 13.06.2019
1. Aktion unter falscher Flagge
Saudi-Arabien wünscht sich nichts mehr, als dass der Iran vernichtet wird. Vielleicht stecken ja die dahinter?
Saudi-Arabien wünscht sich nichts mehr, als dass der Iran vernichtet wird. Vielleicht stecken ja die dahinter?
Thorkh@n 13.06.2019
2. Falls die Anschläge vom ...
... Iran ausgehen, ist das eine selten dämliche Vorgehensweise. Meine Vermutung: da versucht jemand durch Zündeln, den Iran in Misskredit zu bringen. Ein casus belli lässt sich auch inszenieren, sei er vom Trump geplant, von [...]
... Iran ausgehen, ist das eine selten dämliche Vorgehensweise. Meine Vermutung: da versucht jemand durch Zündeln, den Iran in Misskredit zu bringen. Ein casus belli lässt sich auch inszenieren, sei er vom Trump geplant, von Saudi-Arabien gewünscht oder sonstjemandem, der einfach nur stänkern will (China? Russland?). Ich glaube nicht, dass die Weltöffentlichkeit sobald die Wahrheit erfährt, wer da Schiffe versenken spielt.
PeaceNow 13.06.2019
3. @Herr Sydow
Sie bezeichnen den Iran als Regime? Warum aber keines der anderen Länder am Golf, vorneweg Saudiarabien, das mehr als alle anderen ein Regime ist? Dagegen gibt es im Iran Ansätze von Demokratie und Wahlen, sowie weitgehenden [...]
Sie bezeichnen den Iran als Regime? Warum aber keines der anderen Länder am Golf, vorneweg Saudiarabien, das mehr als alle anderen ein Regime ist? Dagegen gibt es im Iran Ansätze von Demokratie und Wahlen, sowie weitgehenden Frauenrechte. Zum Artikel. Diese Aussage im Artikel ist hoch brisant: "Die Detonation ereignete sich auf der Steuerbordseite. Sie zeigte zu dem Zeitpunkt nicht zur iranischen Küste, sondern in Richtung der internationalen Gewässer." Oberhalb der Wasserlinie somit warscheinlich eine Antischiffsrakete, die in der Flugendphase immer nur knapp über dem Wasser fliegt. Laut o.g. Aussage somit vom Süden/Südosten kommend. Und jetzt wirds interresant, der US Flugzeugträgerverband befindet sich nur ca. 25-30Km südlich/südöstlich der beiden Anschlagsorte und eines von dessen Schiffen, vom Süden kommend, war neben einem iranischen Küstenwachschiff, das vom Norden kam, an der Evakuierung der Mannschaften beteiligt. Dies beweisen Positionsdaten der Trägergruppe und die Positionsdaten der Schiffe bei ihren SOS Meldungen. Eins der getroffenen Schiffe soll inzwischen gesunken sein, das zweite brennt derzeit aus. Was sagt die US Regierung nun dazu? Und da die Radarabtastung des US Flugzeugträgers sowie dessen Begleitschiffe hunderte Kilometer weit reicht, müssen sie es auf dem Radar gehabt haben wohe die rakete kommt.
taglöhner 13.06.2019
4.
Vielleicht war's aber auch Iran, weil sowieso alle denken es waren die Saudis, weil sie den Iran...Cui bono... uswusw..
Zitat von bebauSaudi-Arabien wünscht sich nichts mehr, als dass der Iran vernichtet wird. Vielleicht stecken ja die dahinter?
Vielleicht war's aber auch Iran, weil sowieso alle denken es waren die Saudis, weil sie den Iran...Cui bono... uswusw..
taglöhner 13.06.2019
5.
1. Haftladung geht auch über der Wasserlinie. 2. Jeder hätte von beiden Seiten feuern können.
Zitat von PeaceNowSie bezeichnen den Iran als Regime? Warum aber keines der anderen Länder am Golf, vorneweg Saudiarabien, das mehr als alle anderen ein Regime ist? Dagegen gibt es im Iran Ansätze von Demokratie und Wahlen, sowie weitgehenden Frauenrechte. Zum Artikel. Diese Aussage im Artikel ist hoch brisant: "Die Detonation ereignete sich auf der Steuerbordseite. Sie zeigte zu dem Zeitpunkt nicht zur iranischen Küste, sondern in Richtung der internationalen Gewässer." Oberhalb der Wasserlinie somit warscheinlich eine Antischiffsrakete, die in der Flugendphase immer nur knapp über dem Wasser fliegt. Laut o.g. Aussage somit vom Süden/Südosten kommend. Und jetzt wirds interresant, der US Flugzeugträgerverband befindet sich nur ca. 25-30Km südlich/südöstlich der beiden Anschlagsorte und eines von dessen Schiffen, vom Süden kommend, war neben einem iranischen Küstenwachschiff, das vom Norden kam, an der Evakuierung der Mannschaften beteiligt. Dies beweisen Positionsdaten der Trägergruppe und die Positionsdaten der Schiffe bei ihren SOS Meldungen. Eins der getroffenen Schiffe soll inzwischen gesunken sein, das zweite brennt derzeit aus. Was sagt die US Regierung nun dazu? Und da die Radarabtastung des US Flugzeugträgers sowie dessen Begleitschiffe hunderte Kilometer weit reicht, müssen sie es auf dem Radar gehabt haben wohe die rakete kommt.
1. Haftladung geht auch über der Wasserlinie. 2. Jeder hätte von beiden Seiten feuern können.
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