Politik

Überfüllte Lager

Griechenland verlegt 600 Flüchtlinge ans Festland

Griechenland beginnt damit, die überfüllten Flüchtlingslager auf den Ägäisinseln zu entlasten. Der Grund: Die Ankunft Hunderter neuer Migranten aus der Türkei.

STRATIS BALASKAS/ EPA-EFE/ REX

Migranten gehen im Hafen von Mytilene an Bord der Caldera Vista, als Teil eines Transfers von 1500 Flüchtlingen und Migranten nach Thessaloniki

Montag, 02.09.2019   13:22 Uhr

Die griechische Regierung hat mehr als 600 Flüchtlinge aus dem berüchtigten Lager Moria aufs Festland verlegt.

Die 635 Afghanen drängten sich am Vormittag vor dem seit Jahren überfüllten Flüchtlingslager auf der Ägäis-Insel Lesbos in die wartenden Busse der Polizei. Am Hafen von Mytilini bestiegen sie dann ein Schiff, das sie in die nordgriechische Küstenstadt Thessaloniki bringen sollte.

Am Montagnachmittag sollte ihnen eine zweite Gruppe von 700 Afghanen auf demselben Weg aufs Festland folgen, wo sie in dem Flüchtlingslager Nea Kavala untergebracht werden sollen.

Angelos Tzortzinis/ AFP

Zwischen den Lagern: Eine Migrantin trägt am 1. September ein Kind auf der Insel Lesbos eine Straße entlang

Die griechische Regierung hatte am Samstag die Entscheidung zur Verlegung der Flüchtlinge getroffen, nachdem vergangene Woche 13 Boote mit 540 neuen Flüchtlingen aus der Türkei eingetroffen waren, darunter 240 Kinder.

Das Lager von Moria steht seit Jahren in der Kritik, da es chronisch überfüllt ist. Derzeit leben knapp 11.000 Menschen in dem Lager, das laut dem Uno-Flüchtlingshilfswerk eigentlich für ein Viertel dieser Menge ausgelegt ist.

Nach der Ankunft von 3000 neuen Flüchtlingen im August hat sich die ohnehin schwierige hygienische Situation in dem inmitten von Olivenhainen außerhalb von Mytilini gelegenen Zeltlager weiter verschlechtert.

Viele Flüchtlinge leben seit Monaten in Moria, da sich ihre Asylverfahren in die Länge ziehen. Die neue konservative Regierung in Athen hat nun entschieden, Minderjährige und besonders verletzliche Flüchtlinge aufs Festland zu bringen, wo die Möglichkeiten zu ihrer Unterbringung besser sind.

Die Zunahme der Überfahrten aus der Türkei steht vor dem Hintergrund der Eskalation in der syrischen Rebellenbastion Idlib. Zudem hat die türkische Regierung in den vergangenen Monaten ihr Vorgehen gegen syrische Flüchtlinge und andere Migranten ohne gültige Papiere verschärft. Wegen der Wirtschaftskrise in der Türkei hat sich in der Bevölkerung zuletzt die Stimmung zunehmend gegen die Flüchtlinge gedreht.

cht/AFP

insgesamt 2 Beiträge
mhuz 02.09.2019
1.
Das heißt, wir haben bald 600 Flüchtlinge mehr in Deutschland - in Griechenland, werden sie nicht bleiben wollen und die Griechen, werden sie nicht behalten wollen.
Das heißt, wir haben bald 600 Flüchtlinge mehr in Deutschland - in Griechenland, werden sie nicht bleiben wollen und die Griechen, werden sie nicht behalten wollen.
antsch 02.09.2019
2.
Das heißt, dass 600 Asylbewerber ihr Menschenrecht in Anspruch nehmen und aufgrund einer menschenunwürdigen Politik in einem sich zivilisiert nennenden Europa zum abschreckenden Spielball und zur Verschiebemasse gemacht werden.
Das heißt, dass 600 Asylbewerber ihr Menschenrecht in Anspruch nehmen und aufgrund einer menschenunwürdigen Politik in einem sich zivilisiert nennenden Europa zum abschreckenden Spielball und zur Verschiebemasse gemacht werden.

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