Politik

Neue Details in Strache-Affäre

Ibiza war kein Ausrutscher

Die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus beteuerten, nach der Ibiza-Sause keinen Kontakt mehr zu einer vermeintlichen russischen Investorin gehabt zu haben. Das stimmt nur halb - wie Mitschnitte belegen, die dem SPIEGEL vorliegen.

DPA

Johann Gudenus, Heinz-Christian Strache: Pikante Mitschnitte

Von und
Sonntag, 19.05.2019   18:13 Uhr

Als Heinz-Christian Strache (FPÖ) am Samstag vom Amt des österreichischen Vizekanzlers zurücktrat, klang der Abend vor zwei Jahren auf Ibiza nach einem einmaligen Ausrutscher unter Alkoholeinfluss. "Es war eine b'soffene G'schichte", sagte Strache, er habe "mit lockerer Zunge über alles und jedes" polemisiert. Nüchtern gesehen seien ihm seine Äußerungen "ausgesprochen peinlich".

Die vermeintliche russische Oligarchennichte, mit der er dort über dubiose Deals gesprochen hatte, habe er nur "einmal an diesem besagten privaten Abendessen in meinem Urlaub getroffen, danach nie wieder einen Kontakt zu ihr gehabt".

Am Freitagabend hatten SPIEGEL und "Süddeutsche Zeitung" Ausschnitte eines Videos veröffentlicht, die ein mehr als sechs Stunden langes Treffen aus dem Juli 2017 dokumentieren: In einem Ferienhaus auf Ibiza kamen Strache und sein Vertrauter Johann Gudenus mit einer angeblichen russischen Investorin zusammen und stellten ihr Staatsaufträge in Aussicht - sollte diese zuvor den Freiheitlichen im Wahlkampf zum Erfolg verhelfen. Das Treffen war ganz offensichtlich eine Falle. Wer sie eingefädelt hat, ist unklar.

Foto: DER SPIEGEL

Auch Straches rechte Hand, Johann "Joschi" Gudenus, hatte vergangene Woche beteuert, er habe nach dem Treffen keinen Kontakt zu der Frau mehr gehabt. Dies mag der Wahrheit entsprechen - zum Umfeld der Frau gab es aber offenkundig durchaus noch Kontakt.

Weitere Treffen mit einem "Vertrauten" der vermeintlichen Investorin

Wie Tonaufnahmen belegen, die der SPIEGEL und die "Süddeutsche Zeitung" gemeinsam auswerten konnten, traf er sich sowohl vor als auch nach dem Ibiza-Abend mit einem Mann, der als Vertrauter der vermeintlichen Investorin aus Russland auftrat und auf Ibiza auf Deutsch und Englisch parlierte.

Pikant sind die Mitschnitte eines Treffens von Gudenus im damaligen Wahlkampf Ende August 2017 und dem angeblichen Vertrauten der Frau, das offenbar in Wien aufgenommen wurde. Demnach ging es erneut um mögliche zweifelhafte Deals zwischen den beiden Seiten. Der mutmaßliche Lockvogel sagte, die investitionswillige Frau wolle, dass die FPÖ-Politiker ihr "Zuversicht geben hinsichtlich dieser Strabag-Geschichte, was da auf Ibiza diskutiert wurde".

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Heinz-Christian Strache: Aufstieg und Absturz der FPÖ-Führungsfigur

Auf Ibiza hatte Strache konkret öffentliche Aufträge im Straßenbau in Aussicht gestellt - auf Kosten des Baukonzerns Strabag: "Dann soll sie eine Firma wie die Strabag gründen. Alle staatlichen Aufträge, die jetzt die Strabag kriegt, kriegt sie dann." Weiter sagte er: "Das Erste in einer Regierungsbeteiligung, was ich heute zusagen kann: Der Haselsteiner kriegt keine Aufträge mehr!" Gemeint ist Hans Peter Haselsteiner, der langjährige Vorstandsvorsitzende und Miteigentümer des Baukonzerns Strabag.

"Geste des guten Willens"

Bei dem mitgeschnittenen Treffen Ende August bekräftigte der mutmaßliche Lockvogel, man wolle versuchen bei der Wahl "euch nach Möglichkeit auf Platz eins zu pushen, um dann halt nachher die besten Freunde zu haben, die man haben kann". Bei dem Treffen wurde sogar die Möglichkeit einer weiteren Zusammenkunft mit der Frau diskutiert. "In Moskau oder London oder so", sagte Gudenus, das sei "kein Problem". Dazu kam es letztendlich offenbar nicht.

Als Zusicherung, dass es zwischen den beiden Seiten weitergehe, verlangte der Lockvogel bei dem Treffen im August 2017 eine "Geste des guten Willens". Konkret verabredeten die beiden ein kurioses Vorgehen: Die FPÖ solle am Montag nach dem Treffen eine Pressemitteilung über den Dienst OTS herausgeben. Darin soll die Partei den Baukonzern Strabag und dessen langjährigen Vorstandsvorsitzenden Haselsteiner angreifen und noch andere Schlagworte in der Meldung unterbringen.

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Österreich: Pressestimmen zur Ibiza-Affäre

Tatsächlich erschien an dem Tag eine solche Pressemitteilung der FPÖ. Gudenus schickte sie nach Informationen von SPIEGEL und "Süddeutscher Zeitung" von seiner offiziellen Parteiadresse an den Vertrauten der vermeintlichen Russin. Gudenus beantwortete bislang eine Anfrage von SPIEGEL und "Süddeutscher Zeitung" zu den weiteren Treffen nicht.

Vergangene Woche hatten Strache und Gudenus fast wortgleich mitgeteilt, sie hätten bei dem Treffen auf Ibiza "auf die Notwendigkeit der Einhaltung der österreichischen Rechtsordnung" hingewiesen, "bei allen Themen mehrmals". Sie oder die FPÖ hätten "niemals irgendwelche Vorteile" von diesen Personen erhalten oder gewährt.

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insgesamt 358 Beiträge
q2069056 19.05.2019
1. Der eigentliche Skandal heißt Spiegel und Süddeutsche Zeitung
Der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung sollten einmal ihre eigenen journalistischen Standards hinterfragen. Die erfolgreichste Regierung seit 20 Jahren kurz vor einer Wahl mit kriminellen Methoden zu sprengen ist sicher kein [...]
Der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung sollten einmal ihre eigenen journalistischen Standards hinterfragen. Die erfolgreichste Regierung seit 20 Jahren kurz vor einer Wahl mit kriminellen Methoden zu sprengen ist sicher kein investigativer Journalismus und auch nicht Aufgabe der Medien. Das ist purer Gesinnungsjournalismus. Warum wird nicht endlich die Quelle des Videos offengelegt? Und was kommt als nächstes? Verwanzen Spiegel und Süddeutsche demnächst die Privatwohnungen von AfD-Politikern und nennen das "investigativ"??
xfactor 19.05.2019
2. was haben alle nur?
DAS ist die Kehrseite der Medaille des gesamten Westens. Über die Ostblock Länder sind wir uns bestimmt einige, ne. Aber auch der weise Westen ist korrupt nicht nur der Rest der Welt! ..also
DAS ist die Kehrseite der Medaille des gesamten Westens. Über die Ostblock Länder sind wir uns bestimmt einige, ne. Aber auch der weise Westen ist korrupt nicht nur der Rest der Welt! ..also
BoMo_UAE 19.05.2019
3. Sag ich doch
Ich hatte schon in einem anderen Beitrag (der leider zensiert wurde) gesagt, dass das Duo noch heute glaubt, die Russin sei echt. Die wollen immer noch nicht glauben, dass sie einem Coup aufgesessen sind. Wahrscheinlich waren [...]
Ich hatte schon in einem anderen Beitrag (der leider zensiert wurde) gesagt, dass das Duo noch heute glaubt, die Russin sei echt. Die wollen immer noch nicht glauben, dass sie einem Coup aufgesessen sind. Wahrscheinlich waren solcherlei Treffen fuer sie total normal.
wauz 19.05.2019
4. Das Schöne daran
ist, dass jetzt auch in den Kreisen des Kapitals einige Grund haben, die ÖVP nicht mehr zu mögen. Vielleicht unterstützen die dann weniger rechtsgestrickte Politiker...
ist, dass jetzt auch in den Kreisen des Kapitals einige Grund haben, die ÖVP nicht mehr zu mögen. Vielleicht unterstützen die dann weniger rechtsgestrickte Politiker...
palerider78 19.05.2019
5. So langsam
wird es strafrechtlich richtig relevant! Bin gespannt wie dünn die weitere Verteidigungslinie der Anhänger sein wird...
wird es strafrechtlich richtig relevant! Bin gespannt wie dünn die weitere Verteidigungslinie der Anhänger sein wird...

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