Politik

Rechtspopulisten in Österreich

Die Rückkehr des Heinz-Christian Strache

Nicht mal einen Monat nach seinem Sturz über die Ibiza-Affäre startet der österreichische Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache sein politisches Comeback. Eine wichtige Rolle kommt seiner Ehefrau zu.

Georg Hochmuth/APA/DPA

Heinz-Christian und Philippa Strache (Archiv): "Lange Gespräche mit meiner Frau"

Von , Wien
Montag, 17.06.2019   17:08 Uhr

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Verzicht: Heinz-Christian Strache, bekannt als "HC Strache", der am 18. Mai nach Bekanntwerden des Ibiza-Videos seinen Rücktritt als Vizekanzler von Österreich und als Chef der rechtspopulistischen Partei FPÖ bekannt gab, will nicht ins Europaparlament gehen.

Ursprünglich hatte er noch angekündigt, EU-Abgeordneter werden zu wollen. Durch 45.000 sogenannte Vorzugsstimmen würde ihm ein Mandat zustehen, denn anders als in Deutschland konnten Wähler in Österreich zusätzlich zur Wahl einer Partei auch einen bestimmten Kandidaten unterstützen.

Strache veröffentlichte am Montag auf seiner Facebookseite ein knapp zehn Minuten dauerndes Video, in dem er erklärt, dass er "nach reiflichen Überlegungen, langen Gesprächen mit meiner Frau und der Familie sowie eng vertrauten Wegbegleitern" die Entscheidung getroffen habe, das EU-Mandat nicht anzunehmen.

"Damit schlage ich nicht euer Vertrauen und euren Auftrag aus, sondern tue das Richtige zum richtigen Zeitpunkt", sagt er seinen Wählern. Er dankt jenen 45.000 Menschen, die ihm "ohne Aufruf und ohne Werbung" ihre Vorzugsstimmen gegeben hätten.

"Ich werde mich nicht zurückziehen, mich auch nicht verstecken"

Das sind bemerkenswert viele Stimmen für jemanden, der zwei Wochen vor der Europawahl darüber gestürzt war, dass er 2017 in einer Villa auf Ibiza einer vermeintlichen russischen Milliardärsnichte im Gegenzug für millionenschwere Wahlkampfhilfe Staatsaufträge in Aussicht gestellt hatte. Das Gespräch, eine Falle, war heimlich aufgenommen worden. SPIEGEL und "Süddeutsche Zeitung" hatten Ausschnitte aus dem insgesamt siebenstündigen Material veröffentlicht.

Strache machte am Montag auch klar, wie er sich seine Zukunft vorstellt: "Meine persönliche Präferenz galt nie Brüssel als Wirkstätte meiner politischen Arbeit, sondern immer Österreich und meiner Heimatstadt Wien, wo ich im Interesse der österreichischen Bevölkerung aktiv politisch arbeiten und gestalten möchte", sagte er in dem Video. "Ich werde mich nicht zurückziehen, mich auch nicht verstecken." Vielmehr werde er seinen Nachfolger als Parteichef, Norbert Hofer, "als einfaches Parteimitglied der FPÖ" unterstützen.

Das allerdings dürfte Koketterie sein, denn Strache hat die Rechtspopulisten in den vergangenen Jahren in Österreich stark gemacht:

Für den Zusammenbruch der Regierung macht sie Sebastian Kurz verantwortlich. Strache selbst sagt, nachdem er seinen Rücktritt erklärt habe, habe Kurz ihm die Fortsetzung der Regierungskoalition zugesagt. "An diese Zusage hielt er sich leider nicht, kündigte enttäuschender Weise die Koalition einseitig auf und zahlte hierfür einen hohen Preis. Das Parlament sprach ihm das Misstrauen aus, er verlor sein Amt."

DPA

Österreichs Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Bundespräsident Alexander Van der Bellen (Archiv)

Strache sieht sich weiterhin in erster Linie als Opfer eines "politischen Attentats". Das Video sei illegal aufgenommen und das gezeigte Filmmaterial zeige nur "völlig aus dem inhaltlichen Gesamtzusammenhang entrissene Bruchstücke". Strache sagt auch, eine Rückkehr in die aktive Politik solle erst erfolgen, nachdem die Hintergründe des Videos "weitestgehend aufgeklärt sind".

Philippa Strache will ins österreichische Parlament

Gleichwohl erklärte er in einem Interview, er sei "noch zu jung für den Ruhestand". Er werde sich zunächst im Wahlkampf für seine Frau Philippa engagieren. Philippa Strache hatte erst vergangene Woche angekündigt, dass sie für den Nationalrat, das österreichische Parlament, kandidiert. Die Neuwahl findet im Herbst statt, Strache kandidiert auf dem dritten Listenplatz der Wiener FPÖ.

Parteichef Hofer habe sie vergangene Woche angesprochen und gefragt, ob sie Interesse habe. Derzeit ist Philippa Strache Tierschutzbeauftragte der FPÖ. Sie betonte, es habe keinerlei "Deal" gegeben, wonach sie für das österreichische Parlament kandidieren dürfe, wenn ihr Mann auf das EU-Mandat verzichtet.

Ebenso äußerte sie sich nicht zu Meldungen, wonach Strache im Herbst 2020 bei der Wiener Gemeinderatswahl als Spitzenkandidat antreten wolle. Aus der FPÖ sind unterschiedliche Stimmen zu all den Vorgängen zu hören.

So mancher äußert sich verärgert über die Kandidatur Philippa Straches, "weil HC Strache auf der politischen Bühne bleibt, obwohl er der Partei zuletzt sehr geschadet hat". Andere wiederum äußern, Philippa Strache dürfe als eigenständige Person tun, was sie wolle, mit ihrem Mann habe das "rein gar nichts zu tun".

insgesamt 27 Beiträge
BettyB. 17.06.2019
1. The dealmaker
Nachdem das Schein-Geschäft mit der Russen ja geplatzt ist, jetzt im gleichen Stil auf kleiner Flamme den Familiendeal mit der FPÖ. Wiener Geschäfte...
Nachdem das Schein-Geschäft mit der Russen ja geplatzt ist, jetzt im gleichen Stil auf kleiner Flamme den Familiendeal mit der FPÖ. Wiener Geschäfte...
Neophyte 17.06.2019
2. Die schlechten Politiker erkennt man daran
das sie immer an der Macht kleben und nie merken wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist ganz zu gehen. Überhaupt scheint eine Zeit angebrochen zu sein wo man einfach immer alles aussitzen kann, egal welche schwerwiegenden [...]
das sie immer an der Macht kleben und nie merken wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist ganz zu gehen. Überhaupt scheint eine Zeit angebrochen zu sein wo man einfach immer alles aussitzen kann, egal welche schwerwiegenden Fehler man auch fabriziert hat und es scheint immer genügend Menschen zu geben, die einem trotzdem wieder Ihre Stimme geben..
raoul2 17.06.2019
3. Wer sich dazu hinreißen läßt,
den Typen oder seine Frau zu wählen, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen. Merkwürdig, daß diese Partei sich nicht von ihm und der "Tierschützerin" getrennt hat. Aber das kann ja noch kommen.
den Typen oder seine Frau zu wählen, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen. Merkwürdig, daß diese Partei sich nicht von ihm und der "Tierschützerin" getrennt hat. Aber das kann ja noch kommen.
karottenjoe 17.06.2019
4. Unglaublich
Mit der Nummer kommt der tatsächlich durch? Weiß gar nicht wie alt das Lied ist, aber.... Reinhard Fändrich sang vor vielen Jahren ein Lied: Tango Korrupti.... Passt eigentlich schon wieder....
Mit der Nummer kommt der tatsächlich durch? Weiß gar nicht wie alt das Lied ist, aber.... Reinhard Fändrich sang vor vielen Jahren ein Lied: Tango Korrupti.... Passt eigentlich schon wieder....
hietzinger 17.06.2019
5. mit ihrem Mann habe das "rein gar nichts zu tun"
natürlich hätte fr. strache diesen job auch bekommen, wenn sie den hr. strache nicht geheiratet hätte. ironie off.
natürlich hätte fr. strache diesen job auch bekommen, wenn sie den hr. strache nicht geheiratet hätte. ironie off.

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