Politik

Kommentar zur Aufregung um Clinton

Es geht nicht ohne Hillary

Wollen die Demokraten das Weiße Haus auch nach Barack Obama halten, dann müssen sie auf die Ex-Außenministerin setzen. Und Hillary Clinton muss schleunigst Schluss machen mit taktischen Spielchen.

REUTERS

Hillary Clinton: Sie steht sich derzeit selbst im Weg

Von , Washington
Donnerstag, 12.03.2015   05:06 Uhr

Schon mal was von Martin O'Malley gehört? Oder von Brian Schweitzer? Jim Webb auch nicht? Die drei Herren aus der demokratischen Partei wären mögliche Präsidentschaftskandidaten - sollte Hillary Clinton nicht antreten.

Gewiss, die eigentlichen Wahlen sind noch gut 20 Monate entfernt, und vielleicht rockt Marylands Ex-Gouverneur O'Malley bis dahin das politische Amerika. Oder vielleicht wandelt sich Elizabeth Warren, Wall-Street-kritische Senatorin und Liebling der Linken, von der Nischenpolitikerin zur Integrationsfigur. Alles möglich.

Doch ist ein anderes Szenario viel wahrscheinlicher: Wenn die Demokraten im November 2016 eine echte Chance haben wollen, dann müssen sie mit Clinton antreten.

Einem demokratischen Präsidenten nach acht Jahren einen neuerlichen Demokraten folgen zu lassen, das ist eine echte Herausforderung. Eine derart lange demokratische Regentschaft gab es zuletzt mit Franklin Roosevelt und Harry Truman. Das ist nun auch schon ein paar Jahre her.

Und Clintons Voraussetzungen sind gut: Einer neuen NBC-Umfrage zufolge können sich 86 Prozent der Demokraten vorstellen, in den Vorwahlen für sie zu stimmen; 44 Prozent aller Befragten haben einen positiven Eindruck von ihr; 21 Prozent darunter sehen sie sehr positiv. Jeb Bush als möglicher republikanischer Gegenkandidat kommt auf insgesamt 23 Prozent, und nur vier Prozent sagen "sehr positiv". Das ist interessant und am Ende für die Mobilisierung wichtig: Clinton mag sich in all den Jahren entschiedene Gegner zugelegt haben, aber sie hat eben auch sehr entschiedene Anhänger.

Falscher Umgang mit Kritik

Im Gesamtranking der Organisationen und Personen, die die Amerikaner weniger negativ denn positiv bewerten, belegt Clinton den dritten Platz - hinter ihrem Mann und der Zentralbank. Ein starkes Ergebnis.

Clinton muss es jetzt nur auch nutzen. Und damit tut sie sich ganz offensichtlich schwer. Die gegenwärtige Aufregung um ihr E-Mail-Konto ist bezeichnend. Dabei ist das Problem letztlich nicht, dass sie ihren privaten Account für ihre dienstlichen Belange als Außenministerin genutzt hat. Das Problem ist die Art, wie sie mit der Kritik daran umgeht: defensiv, taktierend und von oben herab. Der Ton macht die Musik: Dass sie einen Privatserver (!) im eigenen Haus hat? Geht keinen was an. Das ist ihre Botschaft.

Es ist die falsche Botschaft. Wenn sie Präsidentin werden will, dann geht jeden alles an. So ist das nun mal. Clinton steht sich derzeit selbst im Weg und gibt ihren Gegnern Futter.

Schleunigst sollte sie offiziell ihre Bewerbung für die demokratische Kandidatur erklären. Dann könnte sie den Ärger um ihr E-Mail-Konto, die Kritik an Spenden von umstrittenen ausländischen Regierungen, zum Beispiel Saudi-Arabien, an ihre Familienstiftung und all die noch zwangsläufig kommenden Affären und Skandälchen mit offenem Visier und professionell angehen. Und professionell würde bedeuten: in Teamaufstellung.

Das Herauszögern ihrer Bewerbung ist ein rein taktisches: Die Dinge liefen bisher in ihre Richtung, sie mochte sich nicht zu früh raus aufs Glatteis wagen. Zwischenzeitlich hieß es, sie wolle gar erst im Sommer an die Öffentlichkeit gehen, mittlerweile sieht es nach April aus.

Für sie selbst und die Demokraten gilt nun: Je früher, desto besser.

insgesamt 9 Beiträge
bifiwi.70 12.03.2015
1. Wer auch sonst?
Sie hat sich seit den letzten Vorwahlen und mit ihrer Amtszeit als Aussenministerin auf die Präsidentschaftskandidatur vorbereitet, jetzt muss sie diesen Schritt mit aller Macht gehen. Wer sollte die Demokraten auch sonst [...]
Sie hat sich seit den letzten Vorwahlen und mit ihrer Amtszeit als Aussenministerin auf die Präsidentschaftskandidatur vorbereitet, jetzt muss sie diesen Schritt mit aller Macht gehen. Wer sollte die Demokraten auch sonst vertreten? Wenn man die Macht nicht an unkontrollierbare Republikaner, die im Moment so kriegslüstern wie selten zuvor sind, abgeben will, dann muss Clinton jetzt in den Ring steigen.
Astir01 12.03.2015
2. Einen Hund zum Jagen tragen
Warum sollte Fr. Clinton überhaupt Präsidentin werden wollen? Sie hat doch nun wirklich aus allernächster Nähe miterlebt, wie ganz Amerika einen Präsidenten buchstäblich in der Luft in allerkleinste Stücke zerreißt, [...]
Warum sollte Fr. Clinton überhaupt Präsidentin werden wollen? Sie hat doch nun wirklich aus allernächster Nähe miterlebt, wie ganz Amerika einen Präsidenten buchstäblich in der Luft in allerkleinste Stücke zerreißt, wenn er sich auch nur die kleinste Verfehlung zuschulden kommen läßt. Nicht einmal der Papst ist so päpstlich wie die Klatschpresse und die Opposition. Sie saß mit am Kabinettstisch und konnte aus der ersten Reihe dabei zuschauen, wie Obama mit jeder Wahl weiter an Rückhalt und Macht verlor, wie Dinge, die eigentlich gut oder zumindest gut gemeint sind, durch den Dreck gezogen werden aus Prinzip. Sie muss doch befürchten, dass sie während ihrer gesamten Regierungszeit einer republikansichen Mehrheit in beiden Kammern ausgesetzt ist, die ihr politisch nicht das kleinste Bisschen Luft zum atmen lassen werden. Typen wie Netanjahu werden sich in Washington eine Wohnung zulegen, so oft werden sie ihr vor die Nase gesetzt. Während die USA im Innern in eine Reihe von Parallelgesellschaften zerfallen haben sie es sich auf der ganzen Welt mit fast allen ihren Verbündeten gründlich verschissen. Dazu haben George W. mit seiner Dummheit ebenso beigetragen wie Barak H. mit seiner Wankelmütigkeit. Zu beiden Problemkreisen hatte Fr. Clinton weder als Senatorin noch als Ministerin ein eigenständiges, tragfähiges Konzept. Wo sollte sie als Präsidentin eines her nehmen?
Luna-lucia 12.03.2015
3. dann muss Clinton jetzt in den Ring steigen
ja, die Frau währe vielleicht noch ein akzeptabler "Segen" für das Amiland. Mennno, die Dame hatte doch so Recht, ihre Mails, so wie sie es eben gemacht hat, zu versenden. Wer hat oder hätte damit gerechnet? Wer [...]
ja, die Frau währe vielleicht noch ein akzeptabler "Segen" für das Amiland. Mennno, die Dame hatte doch so Recht, ihre Mails, so wie sie es eben gemacht hat, zu versenden. Wer hat oder hätte damit gerechnet? Wer wusste davon? Aber schon voll blöd für die, die da extrem gerne mitgelesen hätten! Die Frau hat's eben > vielen Männern, ja auch anderen Frauen gezeigt ;-)!
specialsymbol 12.03.2015
4. Clinton? Bloß nicht.
Die Frau ist kurzsichtig und gefährlich. Sie findet extralegale Tötungen gut, kämpft gegen die Freiheit des einzelnen und ignoriert die Bedürfnisse des Volks, während sie einzig für die Elite arbeitet. Wenn die Demokraten [...]
Die Frau ist kurzsichtig und gefährlich. Sie findet extralegale Tötungen gut, kämpft gegen die Freiheit des einzelnen und ignoriert die Bedürfnisse des Volks, während sie einzig für die Elite arbeitet. Wenn die Demokraten Erfolg haben wollen müssen sie mit Bernie Sanders antreten.
ray4912 12.03.2015
5.
Finde ich auch! Nur noch zur Ergänzung: die unkontrollierbaren Republikaner von heute sind nicht nur äusserst kriegslüstern, sondern auch viel raffinierter als ihre Vorgänger. Sie lassen (zum grossen Teil mit ihren Waffen, [...]
Zitat von bifiwi.70Sie hat sich seit den letzten Vorwahlen und mit ihrer Amtszeit als Aussenministerin auf die Präsidentschaftskandidatur vorbereitet, jetzt muss sie diesen Schritt mit aller Macht gehen. Wer sollte die Demokraten auch sonst vertreten? Wenn man die Macht nicht an unkontrollierbare Republikaner, die im Moment so kriegslüstern wie selten zuvor sind, abgeben will, dann muss Clinton jetzt in den Ring steigen.
Finde ich auch! Nur noch zur Ergänzung: die unkontrollierbaren Republikaner von heute sind nicht nur äusserst kriegslüstern, sondern auch viel raffinierter als ihre Vorgänger. Sie lassen (zum grossen Teil mit ihren Waffen, Drohnen u.a.) nur noch andere, in genügender Distanz zu ihrem Kontinent, kriegen. Die Soldaten und vor allem auch die Zivilbevölkerung der betroffenen Gebiete sind ihnen egal, die eigenen umso heiliger. Das könnte mittelfristig auch für Europa gelten; zuerst die an Russland direkt grenzenden, dann später eventuell auch die mittel- und westeuropäischen "Verbündeten". Clinton könnte zumindest etwas Hoffnung aufkommen lassen. Wir jedenfalls haben, in doppeltem Wortsinne, nicht die Wahl:(

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP