Politik

Trump gegen Clinton

Die Patzer

Trump verhedderte sich bei seinen Steuern und beim Klimawandel, Clinton kam beim Freihandel und ihren E-Mails ins Schwimmen: Hier sind die Themen, bei denen die Kandidaten im TV-Duell patzten.

DPA
Von Jiffer Bourguignon, Washington
Dienstag, 27.09.2016   12:10 Uhr

90 Minuten lang haben sich Hillary Clinton und Donald Trump duelliert - vor geschätzt 100 Millionen amerikanischen Wählern und den Augen der Weltöffentlichkeit. Sie sprachen über Rassismus, Welthandel, Außen- und Wirtschaftspolitik. Beide Kandidaten versuchten in der TV-Debatte in Hempstead (New York), ihrem ersten direkten Schlagabtausch, vor allem die Glaubwürdigkeit des Konkurrenten zu erschüttern. Wem ist das besser gelungen? Der Faktencheck:

+++ Donald Trumps Patzer +++

1. Steuern

Clinton warf ihrem Widersacher im TV-Duell erneut vor, seine Steuererklärung nicht zu veröffentlichen. Trumps Argument, dass noch eine Steuerprüfung laufe und eine Offenlegung deshalb nicht legal wäre, sei nur vorgeschoben und solle in Wahrheit verschleiern, dass er keine Einkommensteuer zahle. "Das würde nur beweisen, dass ich schlau bin", schoss Trump zurück. Dann machte er eine Bemerkung, die fast wie ein Eingeständnis klang, dass Clinton recht hat: "Die Regierung würde mein Steuergeld ja sowieso nur verplempern." Tatsächlich konnte Trump keinen überzeugenden Grund nennen, weshalb er seine Steuererklärung nicht offenlegt. Seine sarkastischen Bonmots dürften unentschlossene Wähler kaum davon überzeugen, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Foto: REUTERS

2. Die Debatte um Obamas Geburtsort

Trump wurde von Moderator Lester Holt direkt gefragt, weshalb er behauptet habe, Präsident Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen - ein Vorwurf, den besonders viele Afroamerikaner als rassistisch und verletzend empfinden.

Trump entgegnete zunächst, diese Behauptung sei zuerst 2008 vom Clinton-Team aufgestellt worden, als sich Clinton und Obama als Konkurrenten um die Präsidentschaftskandidatur für die Demokraten bewarben. Es sei ein Vertrauter Clintons gewesen, Sidney Blumenthal, der damals einen Reporter nach Kenia geschickt habe, um das prüfen zu lassen.

Trump konnte jedoch nicht bestreiten, dass er diesen Vorwurf auch selbst verbreitet hat, und versuchte, dies sogar als Verdienst herauszustreichen: Er sei der Erste gewesen, der eine Kopie der Geburtsurkunde des Präsidenten gefordert und auch bekommen habe. So habe er das Thema "beendet".

Clinton hörte sich das mit mokantem Lächeln an und sagte: "Haben Sie das eben gehört?" Trump sei nur allzu bekannt für rassistisches Verhalten, so Clinton, die darauf hinwies, dass es in der Vergangenheit ein Gerichtsverfahren gab, weil eine von Trumps Immobilienfirmen nicht an Schwarze vermieten wollte. Eine starke Szene für Clinton.

Foto: REUTERS

3. Klimawandel

Clinton warf Trump vor, er streite den Klimawandel ab und behaupte, dieser sei nur ein Märchen, das von China verbreitet werde. "Das hab ich nicht gesagt", erwiderte Trump. Clinton forderte alle Fakten-Checker auf, gründlich nachzusehen - und tatsächlich: Es gibt einen Trump-Tweet aus dem Jahr 2012, der lautet: "Der Klimawandel wurde von und für die Chinesen erfunden, weil sie die US-Firmen aus dem Rennen werfen wollen."

Ob er noch immer dieser Meinung ist, ist unklar, aber er hat wiederholt vor Anhängern gesagt, dass er nicht an einen - wissenschaftlich nachgewiesenen - von Menschen verursachten Klimawandel glaube. Hier wirkt Trump wenig glaubwürdig.

Foto: REUTERS

+++ Hillary Clintons Patzer +++

1. Freihandel

Seine stärksten Momente hatte Trump zu Beginn der Debatte, als er den Freihandel und insbesondere das Nafta-Abkommen als Ursache für die Schwächen der US-Wirtschaft geißelte. Er warf Clinton vor, sich nachdrücklich für Freihandelsabkommen wie Nafta und TTP eingesetzt zu haben, die amerikanische Jobs gefährdeten. Trump hat recht: Clinton äußerte sich mehr als 40 Mal positiv über TTP, hat das aber deutlich zurückgefahren, seit ihre Präsidentschaftskampagne begann.

Foto: REUTERS

2. Russische Hacker

Als kürzlich bekannt wurde, dass es eine massive Cyber-Attacke gegen die US-Regierung gab, wurde sofort spekuliert, dass Russland dahinter stecken könnte. Trump ermunterte den russischen Präsidenten Putin daraufhin, Clintons E-Mail-Server zu hacken, um ihre verlorengegangenen E-Mails zu finden. Ein Scherz, wie er sagt. Einige Sicherheitsexperten werteten diesen Spruch als Hochverrat. Allerdings hat die US-Regierung niemals explizit Russland beschuldigt - aber Clinton hat in der Debatte genau das getan. Womit sie das begründet, sagte sie nicht.

Foto: REUTERS

3. Authentizität

Clinton war wie erwartet sehr gut auf die Debatte vorbereitet. Sie hatte eine klare Strategie: Sie wollte Trump zu unüberlegten Reaktionen provozieren. Sie hatte ein Programm: Ihre Antworten waren durchdacht, sie nutzte jede Gelegenheit, alle ihre wichtigen Themen zu platzieren.

Nachteil dieser minutiösen Vorbereitung ist allerdings, dass ihre Antworten zuweilen gekünstelt und einstudiert wirkten. Ein Handicap, das sie nicht nur in diesem Wahlkampf verfolgt, sondern quasi ihre gesamte politische Karriere hindurch. Trumps beste Bonmots zielten genau darauf ab: Sie rede wie "ein typischer Politiker" und ein "Washington-Insider".

Clinton reagierte wie in dem Sprichwort "Ein Lächeln ist manchmal die eleganteste Art, einem Gegner die Zähne zu zeigen". Doch auch das wirkte aufgesetzt, als verberge sie ihre spontane Reaktion - etwas, was ihrem Widersacher sicher nie passieren wird.

Foto: REUTERS

Video: Die wichtigsten Szenen des TV-Duells:

Clinton vs. Trump - Wer liegt in den Umfragen vorn?

insgesamt 83 Beiträge
GoaSkin 27.09.2016
1.
Traurig, dass die Amerikaner nicht in der Lage sind, anderen Parteien eine Chance zu geben, wenn das Zweiparteien-System versagt.
Traurig, dass die Amerikaner nicht in der Lage sind, anderen Parteien eine Chance zu geben, wenn das Zweiparteien-System versagt.
t dog 27.09.2016
2. Viel brauchte es nicht
Clinton unterstützte den Einzug der Army in den Irak. Clinton unterstützte das Freihandelsabkommen NAFTA und die Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation. Somit ist sie direkt mitverantwortlich für den Verlust von 30 [...]
Clinton unterstützte den Einzug der Army in den Irak. Clinton unterstützte das Freihandelsabkommen NAFTA und die Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation. Somit ist sie direkt mitverantwortlich für den Verlust von 30 Prozent alles Jobs im produzierenden Gewerbe und für gesunkene Löhne. Sie hatte 30 Jahre lang Chancen sich zu beweisen und hat versagt. Sie hat nur einer kleinen Anzahl an Finanzprofiteueren gedient und nicht der Bevölkerung. Trump hingegen hat die letzten 30 Jahre bewiesen, was gewinnen heißt. Das einzige was den USA derzeit fehlt, ist die richtige politische Führung. Klar kann man jetzt noch nicht wissen, ob Trump die westliche Welt wieder zu alter Stärke führen kann. Sicher ist jedoch, das Clinton das auf keinen Fall schaffen kann.
Karl Hungus 27.09.2016
3. tja na ja
die sind wohl beide nicht besonders geeignet. Aber andererseits hat die Welt auch schon schlimmere US-Präsis überlebt.
die sind wohl beide nicht besonders geeignet. Aber andererseits hat die Welt auch schon schlimmere US-Präsis überlebt.
dieter 4711 27.09.2016
4. Trump darf nicht Präsident werden
Trotz allem, Trump darf nicht Präsident werden.
Trotz allem, Trump darf nicht Präsident werden.
christa.hans 27.09.2016
5. Emotionen gegen kühle Berechnung
Donald Trump zeigte Emotionen und war nicht immer Perfekt aber Mensch. Hillary Clinten zeigte ein einstudiertes Gesicht, eine perfekte Politikerin.
Donald Trump zeigte Emotionen und war nicht immer Perfekt aber Mensch. Hillary Clinten zeigte ein einstudiertes Gesicht, eine perfekte Politikerin.

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