Politik

Aufregung um Clintons E-Mails

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Ein ganz und gar besonderer Auftritt: Hillary Clinton veranstaltet eine kleine Privat-Pressekonferenz im Gebäude der Vereinten Nationen - auf dass der Streit um ihr E-Mail-Konto ein Ende habe. Kann das gutgehen?

Von , Washington
Mittwoch, 11.03.2015   09:37 Uhr

Das Uno-Hauptquartier in New York ist einer der exotischsten Orte, den man sich für solch eine Pressekonferenz aussuchen kann. Gerade haben sie noch die Fahnen der Sicherheitsratsmitglieder beiseite räumen lassen, dann stellt sich Hillary Clinton vor eine blaue Wand, auf der "Security Council" steht.

Und Hillary Clinton redet über ihren E-Mail-Account.

Aber halt, nicht so schnell. Denn erst einmal berichtet sie von einer Uno-Frauenkonferenz, vor der sie gerade eine Rede in Sachen Gleichberechtigung gehalten hat. Deshalb ist sie ja hier.

Dann - Themensprung - knöpft sie sich jene 47 Republikaner-Senatoren vor, die Obamas Atom-Diplomatie zu sabotieren suchen. Und schließlich sagt sie, ach, sie würde gern noch länger über Iran reden, diese wichtige Angelegenheit. Aber hilft ja nichts. Es gebe da "Fragen bezüglich meiner E-Mails".

Zugegeben, das ist ein genialer Einstieg. Hier die große Weltpolitik, das Uno-Hauptquartier, die blaue Wand, die Ex-Außenministerin und Präsidentschaftsbewerberin in spe. Und auf der anderen Seite diese Sache mit der E-Mail-Adresse. Hillary Clinton hat sich, davon können wir ausgehen, diesen Ort und dieses Setting bewusst ausgesucht: Um zu zeigen, wie mickrig und bieder dieser seit einer Woche währende Streit eigentlich ist (Lesen Sie hier die Hintergründe).

REUTERS

Clinton vor der blauen Wand: Schadet ihr die Diskussion um ihre Mails?

Aber stimmt das denn auch? Alles nur die üblichen Washingtoner Politspielchen?

Nein, so ist es nicht. Wenn Hillary Clinton Präsidentin werden will, dann spielt es durchaus eine Rolle, wie sie es mit der Transparenz hält - und wie sie mit Kritik an ihrem Vorgehen umgeht. Man sollte sich nicht der optischen Täuschung von New York hingeben und das für kleinkariert halten.

Seit einer Woche stellen sich insbesondere zwei Fragen:

Clinton muss nun darauf eingehen, will sie nicht dabei zusehen, wie die Causa Clintonemail zur Belastung einer künftigen Präsidentschaftsbewerbung wird. Längst attackieren die Republikaner heftig, wärmen das Narrativ von Clinton als vermeintlich notorischer Geheimniskrämerin auf.

Fotostrecke

Clintons E-Mails: Eiserne Lady in der Uno-Zentrale
Hinzu kommt die von den Gegnern befeuerte Debatte um Spenden ausländischer Regierungen an ihre Familienstiftung. Es geht um Millionengaben von Saudi-Arabien, Katar und Co. - Staaten also, in denen es zum Beispiel um die Frauenrechte ganz und gar nicht gut steht.

Clinton vor der blauen Wand sagt nun, im Rückblick wäre es wohl besser gewesen, zwei getrennte E-Mail-Accounts gehabt zu haben, einen privaten, einen dienstlichen. Gegen gültige Regeln allerdings habe sie zu keiner Zeit verstoßen. Ihre Rechtfertigung geht so:

Hat Clinton tatsächlich ihre als privat deklarierten Mails gelöscht, dann ist das natürlich ihr gutes Recht. Diese Aktion wird aber die Kritiker nicht verstummen lassen. Denn dass der Inhalt harmlos und keineswegs dienstlich war, kann sie jetzt nicht mehr belegen. Clinton beteuert, dass sie keine dienstliche E-Mail gelöscht habe. Zugriff auf ihren Privatserver will sie aber nicht gewähren, man müsse ihr vertrauen: Es sei ihr Recht und ihre Verantwortung gewesen, die Mails zu sortieren. Und Geheimmaterial? Habe sie nie versendet.

Vor blauem Uno-Setting gibt Clinton die eiserne Lady: Ihr Ton ist entschieden, die entscheidenden Aussagen liest sie vom Blatt ab, Fehler gesteht sie de facto nicht ein, der Server bleibt tabu. Zwanzig Minuten und zehn Fragen währt der skurrile Auftritt. Die Reportermeute ruft ihr noch viele Fragen hinterher.

Clinton winkt und lächelt und verschwindet langsam in den Gängen der Uno. Die Debatte hat sie mit diesem Auftritt vermutlich nicht beendet.

insgesamt 15 Beiträge
Celestine 11.03.2015
1. Warum?
Diese Meldung wurde u.a. von der Washington Post am 25.2.15 veröffentlicht: Foreign governments gave millions to foundation while Clinton was at State Dept. Also wurden Millionen Spendengelder von ausländischen Regierungen an [...]
Diese Meldung wurde u.a. von der Washington Post am 25.2.15 veröffentlicht: Foreign governments gave millions to foundation while Clinton was at State Dept. Also wurden Millionen Spendengelder von ausländischen Regierungen an die Clinton Foundation gezahlt, während Hillary Clinton Secretary of State war. Kosher ist so etwas nicht. Bad news for Hillary.
LustigerLumpi 11.03.2015
2.
Da sieht man mal wie man der Überwachung entgeht, man braucht nur seinen eigenen Server. Ob dabei brisantes rauskommen würde, die Republikaner und Geheimdienste schmeckt wahrscheinlich nicht sich da jemand frech der [...]
Da sieht man mal wie man der Überwachung entgeht, man braucht nur seinen eigenen Server. Ob dabei brisantes rauskommen würde, die Republikaner und Geheimdienste schmeckt wahrscheinlich nicht sich da jemand frech der Überwachung widersetzt und damit vielleicht auch weniger Material für die Präsidentschaftsschlammschlacht bietet. Da sieht man mal wohin uns dieser Überwachungsstaat gebracht hat, man zählt als Verdächtig wenn man sich entzieht, nach dem Motto wenn sie nichts zu verbergen hätte, warum dann kein Dienstserver. Da kann man nur hoffen das die Welt keinen Republikaner vorgesetzt wird, auch wenn mir Hillary Clinton nicht sympathisch.
frenchie3 11.03.2015
3. Was wäre wenn
Hillary von einem geschäftlichen Anschluß eine private Mail geschickt hätte? Bereicherung auf Kosten der Steuerzahler?!! Schickt Mücken nach Amerika, die Reps machen damit was gegen das Elefantensterben
Hillary von einem geschäftlichen Anschluß eine private Mail geschickt hätte? Bereicherung auf Kosten der Steuerzahler?!! Schickt Mücken nach Amerika, die Reps machen damit was gegen das Elefantensterben
Teddi 11.03.2015
4. Nicht ganz klar
Da man sich doch gerade in Deutschland seit Snowdon sehr um die Privatsphäre sorgt, finde ich die Kritik an Clintons Verhalten von deutscher Seite her nicht ganz verständlich. Dass ihr der Konkurrent "Republikaner" [...]
Da man sich doch gerade in Deutschland seit Snowdon sehr um die Privatsphäre sorgt, finde ich die Kritik an Clintons Verhalten von deutscher Seite her nicht ganz verständlich. Dass ihr der Konkurrent "Republikaner" gern ins Nähkästchen schauen möchte, und jede Gelegenheit zur Hinterfragung nicht auslässt, ist ja klar, sie möchten gern das Ruder wieder in die Hand bekommen, aber wenn man das in Deutschland ungewöhnlich findet, dann emfinde ich das wieder eher als ungewöhnlich.
hugahuga 11.03.2015
5. Die Dame dürfte ihre Chance vertan haben -
und das ist auch gut so. Nicht, dass die Kandidaten der GOP irgendwie besser wären, das sicher nicht. Aber wenn die Demokraten diese ,Lady' aktivieren sollten, dann dürfte ihre Chance, die Wahl zu gewinnen, gleich null sein. [...]
und das ist auch gut so. Nicht, dass die Kandidaten der GOP irgendwie besser wären, das sicher nicht. Aber wenn die Demokraten diese ,Lady' aktivieren sollten, dann dürfte ihre Chance, die Wahl zu gewinnen, gleich null sein. Dafür ist die Dame in zu viele dubiose Affairen verstrickt.

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