Politik

Schiitische Milizen im Irak

Teherans trojanisches Pferd

Der Irak gliedert die proiranischen Milizen in den Sicherheitsapparat ein. Entmachtet sind die von Teheran kontrollierten Kämpfer dadurch allerdings nicht - im Gegenteil. Die Entscheidung düpiert die USA.

Uncredited/AP/dpa

Ein Kämpfer der Volksmobilisierungseinheiten im Nordirak (2017): "Schritt in die richtige Richtung"

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Mittwoch, 03.07.2019   16:15 Uhr

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) ist besiegt. Aber die Milizen, die das maßgeblich geschafft haben, sind immer noch da. Und das ist für den Irak ein Problem.

Fünf Tage nachdem der IS im Sommer 2014 die zweitgrößte irakische Stadt Mossul nahezu kampflos von der Armee erobert hatte, verkündete die Regierung in Bagdad die Bildung der sogenannten Volksmobilisierungseinheiten (PMU). Unter diesem Dach schlossen sich mehrere schiitische Milizen zusammen, die meisten von ihnen wurden direkt von Iran finanziert und trainiert.

Es gelang den Volksmobilisierungseinheiten in einem jahrelangen, verlustreichen Kampf, den IS im Irak militärisch zu besiegen. Die schiitischen Milizen-Trupps gingen grausam vor: Bei ihrem Vormarsch verübten sie zahlreiche Kriegsverbrechen an der mehrheitlich sunnitischen Zivilbevölkerung in den eroberten Städten.

Die Milizen müssen ihre sogenannten Wirtschaftsbüros schließen

Zwei Jahre nach der Rückeroberung Mossuls haben die PMU noch immer rund 150.000 Mann unter Waffen. Zugleich sind sie ein wichtiger politischer Faktor. Bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr wurde die "Eroberungsallianz", die als politischer Arm der Volksmobilisierungseinheiten gilt, zweitstärkste Kraft - hinter dem Bündnis des schiitischen Predigers Muqtada al-Sadr, der ebenfalls Zehntausende Männer in einer eigenen Miliz namens "Friedensbrigaden" befehligt.

Sadr und der Chef der "Eroberungsallianz" Hadi al-Amiri hatten nach der Wahl den schiitischen Politiker Adil Abdul-Mahdi zum Ministerpräsidenten gekürt. Umso überraschender wirkt auf den ersten Blick die Entscheidung, die der Premier zu Wochenbeginn verkündete: "Alle Volksmobilisierungskräfte operieren als untrennbarer Teil der Streitkräfte und werden denselben Regularien unterworfen."

REUTERS

Muqtada al- Sadr (l.) und Hadi al-Amiri: Sie begrüßen das Dekret des Premiers

Die Milizen sollen also den staatlichen Sicherheitskräften angegliedert werden - und zwar schon bis zum 31. Juli. Sie müssen bis dahin ihre militärischen Zentren, Checkpoints und die sogenannten Wirtschaftsbüros schließen. Diese Büros kontrollieren in manchen Landesteilen ganze Unternehmen und Wirtschaftszweige. Damit sind sie eine wichtige Einnahmequelle der Milizen.

Obwohl sich Abdul-Mahdis Dekret auf dem Papier wie eine Entmachtung der PMU liest, begrüßen die schiitischen Milizenführer die Entscheidung: "Wir haben heute die 'Friedensbrigaden' aufgelöst und sie sind nun losgelöst von Muqtada al-Sadr", teilte der Sprecher der Sadr-Milizen mit. "Von heute an sind wir unter den Namen Brigade 313, 314 und 315 bekannt. Wir geben den Namen 'Friedensbrigaden' auf - auch wenn wir den Namen lieben", sagte der Sprecher. Und versicherte, die Kämpfer würden künftig den Anweisungen der Regierung folgen.

Das Vorbild ist die Hisbollah im Libanon

Auch der schiitische Milizenführer Qais al-Khazali bezeichnete den Beschluss als "Schritt in die richtige Richtung". Die Kataib Hisbollah, irakischer Ableger der in den Achtzigern von Iran gegründeten libanesischen Hisbollah-Miliz, teilten mit, sie wollten der Anordnung Folge leisten - mit einer Einschränkung: Ihre Kämpfer im Ausland würden sich nicht an das Dekret halten. Das bezieht sich offenbar auf die Milizionäre der Kataib Hisbollah, die derzeit an der Seite des Assad-Regimes in Syrien kämpfen.

REUTERS/Ako Rasheed

PMU-Parade im Nordirak: Eingliederung in staatliche Strukturen

Dass sämtliche Milizen aber die Entscheidung des Regierungschefs im Grundsatz gutheißen, hat einen guten Grund: Sie genießen damit künftig staatlichen Schutz. Und dass, obwohl etwa die Kataib Hisbollah seit Jahren auf der US-Terrorliste stehen. Im Mai sagte US-Außenminister Mike Pompeo einen Berlin-Besuch kurzfristig ab und eilte eigens nach Bagdad um dort vor den Gefahren der proiranischen Milizen zu warnen.

Zwei Monate später gliedert die irakische Regierung nun eben jene Milizen in ihren staatlichen Sicherheitsapparat ein. Sollte die US-Regierung künftig militärisch gegen Verbündete der iranischen Revolutionswächter im Irak vorgehen, würde sie damit staatliche irakische Einheiten angreifen müssen. Und daran, dass die Milizen auch nach ihrer formalen Eingliederung in die staatlichen Sicherheitskräfte von Teheran gesteuert werden, besteht kein Zweifel.

Sie schlagen damit den Weg der ältesten und mächtigsten proiranischen Miliz im Nahen Osten ein: Die Hisbollah im Libanon ist inzwischen die stärkste militärische Macht im Land, hat sich seit Jahren im Parlament etabliert und sitzt mit mehreren Ministern im Kabinett.

insgesamt 28 Beiträge
Snozzlebert 03.07.2019
1. Vorbild ist die Hisbollah im Libanon???
Also der Teil des Artikels macht mal so überhaupt keinen Sinn. Die Hisbollah ist und wurde doch eben gerade nie in die regulären Streitkräfte des Libanons integriert.
Also der Teil des Artikels macht mal so überhaupt keinen Sinn. Die Hisbollah ist und wurde doch eben gerade nie in die regulären Streitkräfte des Libanons integriert.
cyananeo 03.07.2019
2. Iran Bashing!
Die USA besitzen weltweit ca. 800 Militärbasen: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Militärbasen_der_Vereinigten_Staaten_im_Ausland Sie dürfen das, da sie die "Guten" sind! Eine militante Organisation im Irak [...]
Die USA besitzen weltweit ca. 800 Militärbasen: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Militärbasen_der_Vereinigten_Staaten_im_Ausland Sie dürfen das, da sie die "Guten" sind! Eine militante Organisation im Irak kooperiert mit Iran! Gefahr! Wektuntergang! Die transatlantischen Qualitätsmedien bereiten die Öffentlichkeit manipulativ und unterschwellig für Aggressionen gegen den Iran. Nach Afghanistan, Iraq, Libyen und Syrien ist nun der Iran daran! Der Plan, der US-General Wesley Clark 2007 enthüllte, geht voran: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wesley_Clark Na, dann prost!
Beat Adler 03.07.2019
3. Libanon 1/3 der Einwohner sind Shiiten, im Irak: 3/4
Libanon 1/3 der Einwohner sind Shiiten, im Irak: 3/4 Die 2/3 der Libanesen, die Christen, Suniten, und Atheisten sind, erlauben keine Eingliederung der Hizb Allah in die regulaeren Streitkraefte. Im Irak ist das die [...]
Zitat von SnozzlebertAlso der Teil des Artikels macht mal so überhaupt keinen Sinn. Die Hisbollah ist und wurde doch eben gerade nie in die regulären Streitkräfte des Libanons integriert.
Libanon 1/3 der Einwohner sind Shiiten, im Irak: 3/4 Die 2/3 der Libanesen, die Christen, Suniten, und Atheisten sind, erlauben keine Eingliederung der Hizb Allah in die regulaeren Streitkraefte. Im Irak ist das die logische Folge der shiitischen Regierung, des vorwiegend shiitischen Parlamentes und der zu 74% Shiiten in der Bevoelkerung. Ob Befehle aus Teheran im Irak von den nun integrierten Streitkraeften genauso befolgt werden, wie bei der Hizb Allah im Libanon, der Houthis im Jemen, ist allerdings nicht unbedingt sicher. Es kann sein, muss aber nicht. mfG Beat
Thomas McKean 03.07.2019
4. USA Bashing
Die USA hat weltweit unzählige Basen weil die USA Weltweit unzählige Freunde hat. 18 alleine in Deutschland. Nur der USA haben Sie es überhaupt zu verdanken das Sie solch "subversive" Kommentare überhaupt [...]
Zitat von cyananeoDie USA besitzen weltweit ca. 800 Militärbasen: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Militärbasen_der_Vereinigten_Staaten_im_Ausland Sie dürfen das, da sie die "Guten" sind! Eine militante Organisation im Irak kooperiert mit Iran! Gefahr! Wektuntergang! Die transatlantischen Qualitätsmedien bereiten die Öffentlichkeit manipulativ und unterschwellig für Aggressionen gegen den Iran. Nach Afghanistan, Iraq, Libyen und Syrien ist nun der Iran daran! Der Plan, der US-General Wesley Clark 2007 enthüllte, geht voran: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wesley_Clark Na, dann prost!
Die USA hat weltweit unzählige Basen weil die USA Weltweit unzählige Freunde hat. 18 alleine in Deutschland. Nur der USA haben Sie es überhaupt zu verdanken das Sie solch "subversive" Kommentare überhaupt schreiben können ohne im Lager oder Gulag zu landen. ..und ja, ein entlassener General kannte die super geheimen Pläne der Vor-Vorgäger Regierung die so toll sind das sie noch heute umgesetzt werden..
Roxxi 03.07.2019
5. Ein richtiger Schritt.
Das hat die Regierung der USA zu verschulden,da Sanktionen überhaupt noch nie irgendwas bewirkt haben.Sie haben immer nur das bewirkt,was jetzt Fakt ist und zwar völlig unbezwingbare b3ssete Strukturen des Wiederstandes.Der Oran [...]
Das hat die Regierung der USA zu verschulden,da Sanktionen überhaupt noch nie irgendwas bewirkt haben.Sie haben immer nur das bewirkt,was jetzt Fakt ist und zwar völlig unbezwingbare b3ssete Strukturen des Wiederstandes.Der Oran zählt zu drei großen der Golfregion und seine Stärke verbessert!Dieses Einheiten dtamden immer unzer drr Führung des Iran,aber jetzt ist die Lage wrsentlich besser umd ein stärkes,einflußreichets ,Machtbümdel wird weiter in der Region geschnürt.Die USA hätten den Iran nie bezwingen können,konventionell ist dort nicht viel zu erreichen,die Vorbereitungen sind im Land 100 % abgeschlossen und perfektioniert.Die modernen russischen Flugabwehrsyteme sind über das ganze Land verteilt und gut getarnt,davor heißt es ganz enormen Respekt zu haben.Aber die stärkste Waffe für Iran kommt erst noch,dazu im eigenen Land und diesem Klima,daß sind die Meister des Guirillakrieges!Wenn ein Iraner getötet wird unter der Verantwortung der USA ,gerät diese Region außer Kontrolle,im Jemen die Huthi Rebellen und der Iran blockieren 30% des Rohöls weltweit beider Wasserstraßen und die USA wäre kurzer Hand gezwungen in einen Bodenkrieg,mit allen verbündeten der Region des Iran zu ziehen.Was das bedeuten würde für die USA,daß weiß jeder richtige Fachmann der Region!Ein Fehler der USA in dieser Richtung,es wäre erst mal der Letzte,diesen Bodenkämpfern mit enormer Kriegserfahrung,sind sie um Welten unterlegen.Keiner kann diesen Krieg gewinnen,aber was wird in den USA passieren,wie wird die Bevölkerung und die Angehörigen der massenhaften Toten reagieren!Alles wird teurer werden ,auch hier in Europa,die Region wird praktisch zum erliegen kommen,auch in Israel wird der Teufel los sein.Der Hass und das Blut werden kochen,die Lebensqualität wird über lange Zeit sehr leiden.

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