Politik

Irankonflikt

Bundesaußenminister sieht Kriegsgefahr am Golf nicht gebannt

US-Präsident Trump will angeblich keinen Krieg mit Iran. Aber Bundesaußenminister Heiko Maas warnt dennoch vor den Gefahren einer Eskalation des Konflikts am Golf.

Kamran Jebreili/ AP

US-Patrouillenboot am Golf

Mittwoch, 19.06.2019   15:23 Uhr

Bundesaußenminister Heiko Maas hat in Paris vor einer Zuspitzung der Irankrise gewarnt. "Die Lage ist nach wie vor ernst. Die Kriegsgefahr am Golf ist nicht gebannt", sagte der SPD-Politiker nach der Teilnahme an einer französischen Kabinettssitzung am Mittwoch im Élysée-Palast.

Maas betonte an der Seite seines französischen Amtskollegen Jean-Yves Le Drian, es gebe eine gemeinsame deutsch-französische Haltung. Es werde mit allen Seiten gesprochen, auch mit den Amerikanern. Es gelte der Grundsatz "Diplomacy first" ("Diplomatie zuerst"). "Wir sind beunruhigt", sagte auch Le Drian. "Es gibt noch Zeit", fügte er aber auch hinzu.

Nach den mysteriösen Angriffen auf zwei Tanker im Golf von Oman hatten die USA den Druck auf Iran erhöht. Dem amtierenden US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan zufolge sollen zu "Verteidigungszwecken" rund 1000 weitere Soldaten in den Nahen Osten entsandt werden. Die USA werfen Iran vor, für die ungeklärten Zwischenfälle am Golf verantwortlich zu sein.

JULIEN WARNAND/EPA-EFE/REX

Bundesaußenminister Heiko Maas

US-Außenminister Mike Pompeo betonte dennoch, die Vereinigten Staaten wollten keine militärische Eskalation im Konflikt mit Iran. "Präsident Trump will keinen Krieg", sagte Pompeo in Tampa (Florida) nach Gesprächen mit Vertretern des US-Zentralkommandos Centcom, das die amerikanischen Truppen im Nahen Osten führt.

Pompeo kündigte an, die US-Regierung wollten weitere Belege für ihre Anschuldigungen vorlegen. Er mahnte aber, nicht nur die Attacken auf die beiden Tanker zu betrachten, sondern diverse andere Zwischenfälle in der Region, hinter denen Iran stecke. Es gehe nicht nur um das Verhalten der iranischen Führung in den vergangenen Tagen, sondern in den vergangenen 40 Jahren, die zu diesem Punkt geführt hätten.

Die Haftmine, die am Golf von Oman nach US-Angaben ein Loch in den Öltanker "Kokuka Courageous" gerissen haben soll, ähnelt nach Angaben der US-Marine iranischen Minen. Die Mine habe "verblüffende Ähnlichkeit" mit iranischen Fabrikaten, sagte der Kommandeur der 5. Flotte, Sean Kido, zu dem Vorfall.

Ermittler der US-Marine hätten die Seite des japanischen Frachters untersucht und dort Finger- und Handabdrücke entdeckt, sagte Kido. Die entstandenen Schäden deckten sich auch nicht mit der These, dass ein Flugkörper - etwa eine Rakete - das Schiff getroffen habe.

als/AFP/dpa

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