Politik

Atomdeal vor dem Aus

Iran kündigt höhere Anreicherung von Uran an

300 Kilogramm angereichertes Uran binnen zehn Tagen: Iran droht, schon bald gegen das internationale Atomabkommen zu verstoßen - und erhöht damit den Druck auf die EU.

BBC PERSIAN TV/ VOA PERSIAN NEWS NETWORK WEBSITES/ REUTERS

Zentrifugen zur Urananreicherung auf Bildern des iranischen Staatsfernsehens (2012)

Montag, 17.06.2019   14:56 Uhr

Iran wird nach eigenen Angaben die zulässige Menge von angereichertem Uran noch im Juni überschreiten.

Voraussichtlich am 27. Juni werde das Land die Menge von 300 Kilogramm angereichertem Uran erreicht haben, sagte der Sprecher der iranischen Atomenergiebehörde, Behrus Kamalwandi. Laut dem internationalen Atomabkommen (JCPOA) von 2015 darf Iran diese Menge eigentlich 15 Jahre lang nicht überschreiten.

Dabei soll es sich zunächst um Uran von einem Reinheitsgrad von 3,67 Prozent handeln, seit die Kapazitäten zur Herstellung vervierfacht wurde, sagte Kamalwandi weiter. Es sei auch möglich, später höher angereichertes Uran herzustellen. Dafür gebe es zwei Szenarien, darunter eines zur Anreicherung auf fünf Prozent und eines zur Anreicherung auf 20 Prozent für unterschiedliche Reaktoren Irans.

Kamalwandi betonte jedoch, die europäischen Vertragspartner - Deutschland, Frankreich und Großbritannien - hätten noch immer Zeit, das JCPOA zu retten.

Irans Präsident Hassan Rohani hatte am 8. Mai, dem ersten Jahrestag des Ausstiegs der USA aus dem Vertrag, angekündigt, dass sich Iran nicht mehr an die Mengenbegrenzung bei angereichertem Uran und schwerem Wasser halten werde. Die Ankündigung erfolgte, nachdem die USA zuvor gewährte Ausnahmebestimmungen aufgehoben hatten, die Teheran trotz der US-Sanktionen erlaubten, angereichertes Uran ins Ausland auszuführen.

Rohani hatte zugleich gedroht, dass Iran weitere Maßnahmen ergreifen werde, wenn die verbliebenen Vertragspartner Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China ihm nicht binnen 60 Tagen entgegenkommen.

Die Mitunterzeichnerstaaten wollen zwar an dem Abkommen festhalten. Doch haben sie nicht verhindern können, dass sich die meisten ihrer Firmen aus Angst vor den US-Sanktionen aus Iran zurückgezogen haben.

cht/syd/AFP

insgesamt 61 Beiträge
espressotime 17.06.2019
1.
Die restlichen Partner aus dem Atomabkommen sollten Stellung beziehen und sich mit Iran zur Aktualisierung des Atomabkommens treffen. Trump ist bald weg und es wäre ein Trauma, wenn wegen so einen Rüpel ein Krieg angezettelt [...]
Die restlichen Partner aus dem Atomabkommen sollten Stellung beziehen und sich mit Iran zur Aktualisierung des Atomabkommens treffen. Trump ist bald weg und es wäre ein Trauma, wenn wegen so einen Rüpel ein Krieg angezettelt wird. In paar Jahren sieht es wieder anders aus und ein gutes Verhältnis zum Iran ist genauso wichtig wie zu anderen Ländern. Hier ist langfristige Politik angesagt.
blauclaude 17.06.2019
2. Deutschland?
Wie soll Deutschland das internationale Atomabkommen (JCPOA) retten? Leidet der Iran an einer falschen Vorstellung, wer die Spielregeln definiert? Das ist sicherlich nicht D oder gar unser Bundesaußenminister Maas! Wenn der [...]
Wie soll Deutschland das internationale Atomabkommen (JCPOA) retten? Leidet der Iran an einer falschen Vorstellung, wer die Spielregeln definiert? Das ist sicherlich nicht D oder gar unser Bundesaußenminister Maas! Wenn der Iran sich so verschätzt, besteht das Risiko, dass sein spalterisches Spiel nicht aufgeht. Dann werden die USA die Entscheidung mit allen Konsequenzen leider herbeiführen.
hermann_huber 17.06.2019
3. na prima
da sehen die Iran verliebte Antiamerikaner im Forum mal die gelebte Strategie des Iran. Ein Ultimatum von 60 Tagen auf 40 Tage zu verkürzen und dabei noch mitteilen dass es die Vereinbarung bereits seit Tagen vom Iran [...]
da sehen die Iran verliebte Antiamerikaner im Forum mal die gelebte Strategie des Iran. Ein Ultimatum von 60 Tagen auf 40 Tage zu verkürzen und dabei noch mitteilen dass es die Vereinbarung bereits seit Tagen vom Iran gebrochen wurde. Tja. Sind die Iran Mullas vielleicht doch gar nicht die supergute ? Und wer nun sagt das auch die A Bomben haben dürfen wird erleben wie die Israelis darüber denken und Handeln. Wer glaubt das der Iran A Kraftwerke benötigt kann mir ja mal gelegentlich erklären warum? Gas und Öl is billiger und reichlich da.
interessierter10 17.06.2019
4. Wenn ich recht informiert bin, haben bislang nur die USA
gegen das Atomabkommen verstoßen. Was soll uns also diese Zeile sagen? "Iran droht, schon bald gegen das internationale Atomabkommen zu verstoßen." So macht man Stimmung für einen Krieg!
gegen das Atomabkommen verstoßen. Was soll uns also diese Zeile sagen? "Iran droht, schon bald gegen das internationale Atomabkommen zu verstoßen." So macht man Stimmung für einen Krieg!
syracusa 17.06.2019
5.
Das ist mir eine zu einseitige, zu wenig wertegebundene Haltung! Krieg ist nach Möglichkeit zu verhindern, aber das betrifft natürlich auch die Kriege, an denen der Iran schon als Aggressor beteiligt ist. Und unsere [...]
Zitat von espressotimeDie restlichen Partner aus dem Atomabkommen sollten Stellung beziehen und sich mit Iran zur Aktualisierung des Atomabkommens treffen. Trump ist bald weg und es wäre ein Trauma, wenn wegen so einen Rüpel ein Krieg angezettelt wird. In paar Jahren sieht es wieder anders aus und ein gutes Verhältnis zum Iran ist genauso wichtig wie zu anderen Ländern. Hier ist langfristige Politik angesagt.
Das ist mir eine zu einseitige, zu wenig wertegebundene Haltung! Krieg ist nach Möglichkeit zu verhindern, aber das betrifft natürlich auch die Kriege, an denen der Iran schon als Aggressor beteiligt ist. Und unsere langfristige Politik gegenüber dem Iran muss natürlich auf Abschaffung des klerikalfaschistischen Regimes gerichtet sein. Unsere wichtigen Ansprechpartner im Iran sind die Opposition, und nicht die Machthaber. Unsere Iran-Politik muss unseren Werten folgen. Das bedeutet speziell für uns Deutsche auch, der extrem gegen Israels Existenz gerichteten Politik des iranischen Regimes entgegen zu treten, wo immer diese zutage tritt. Im Iran wächst eine starke bürgerliche Opposition zum Regime heran. Ich glaube nicht, dass die Klerikalfaschisten dort in freien Wahlen mehr als 30% der Stimmen auf sich vereinen könnten. Unser Ziel muss es sein, die regimekritischen Stimmen im Iran zu stärken und zu vereinen. Ich habe bislang leider noch nicht erfahren, wie die Stimmungslage der bürgerlichen Opposition im Iran ist. Die Exil-Iraner bei uns scheinen wohl mehrheitlich einer sehr harten Haltung gegenüber dem Regime anzuhängen. Aber das hat nicht viel zu sagen, denn die haben dadurch nichts zu verlieren, aber sehr viel zu gewinnen. Es kommt auf die Bürger im Iran an.
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