Politik

Nach umstrittenem Einreiseverbot

Israel erlaubt US-Abgeordneter Besuch im Westjordanland

Die US-Parlamentarierin Rashida Tlaib darf zu ihrer Familie ins Westjordanland reisen. Israel hatte dies zunächst verboten, dann doch erlaubt. Nur: Die Demokratin will nun nicht mehr.

Rebecca Cook/REUTERS

Rashida Tlaib: Dies sei möglicherweise die letzte Gelegenheit, ihre Großmutter zu besuchen

Freitag, 16.08.2019   12:06 Uhr

Nach einem israelischen Einreiseverbot für die US-Demokratinnen Rashida Tlaib und Ilhan Omar hat Tlaib einen Besuchsantrag für ihre Familie im besetzten Westjordanland gestellt. Diesem Antrag wurde nun stattgegeben. Innenminister Arie Deri habe Tlaib die Einreise für einen "humanitären Besuch ihrer 90-jährigen Großmutter genehmigt", hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums.

Nur: die Demokratin will nun gar nicht mehr nach Israel fahren. "Ich habe entschieden, dass ein Besuch bei meiner Großmutter unter diesen repressiven Bedingungen allem widerspricht, an was ich glaube - dem Kampf gegen Rassismus, Unterdrückung und Ungerechtigkeit", schrieb die Demokratin auf Twitter. Ihre Großmutter wolle nicht, dass sie zum Schweigen gebracht und wie eine Kriminelle behandelt werde. "Es würde etwas in mir zerstören."

Noch am Freitag hatte die israelische Regierung Tlaib und Omar die Einreise verweigert. Daraufhin hatte Tlaib sich in einem Brief an Innenminister Deri gewandt. Sie wolle die Einreise nach Israel beantragen, um ihre Verwandten - und insbesondere ihre Großmutter - zu besuchen, schrieb Tlaib dem Innenministerium zufolge. Ihre Großmutter sei über 90 Jahre alt und lebe in Beit Ur al-Fauka. Nun hat das Ministerium zugunsten Tlaibs entschieden.

Die Demokratin wurde als Tochter palästinensischer Einwanderer in Detroit geboren.

Trump attackierte Omar und Tlaib

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte das Einreiseverbot für Omar und Tlaib damit begründet, dass die beiden muslimischen Abgeordneten sich im US-Kongress für Gesetze zum Boykott Israels einsetzten. Ziel ihres Besuches wäre es demnach gewesen, "Israel Schaden zuzufügen". Führende US-Demokraten und palästinensische Vertreter kritisierten die Entscheidung scharf.

Tlaib und Omar gelten als Unterstützerinnen der antiisraelischen Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen). US-Präsident Donald Trump hatte zuvor auf Twitter indirekt an die israelische Regierung appelliert, die beiden Frauen nicht ins Land zu lassen. Es wäre ein Zeichen großer Schwäche, wenn Israel die beiden Kongressabgeordneten einreisen ließe, schrieb er. "Sie hassen Israel und alle Juden" - und es gebe nichts, was die beiden von ihrer Haltung abbringen könne. "Sie sind eine Schande!"

Tlaib schrieb in dem Brief, dass dies möglicherweise die letzte Möglichkeit sei, ihre Großmutter zu besuchen: "Ich werde jegliche Beschränkungen respektieren und werde während meines Besuchs nicht für Boykotte gegen Israel werben." Netanyahu hatte zuvor erklärt, dass Deri einen solchen Antrag auf Familienbesuch unter dieser Bedingung prüfen werde.

Die beiden Abgeordneten sind die ersten Musliminnen im US-Kongress.

asc/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP