Politik

Regierungskrise in Österreich

Böhmermann, immer wieder Böhmermann

"Kann sein, dass morgen Österreich brennt", sagte Jan Böhmermann am Donnerstag in einem YouTube-Video. Was wusste der Satiriker über die Strache-Affäre?

Sven Hoppe/ DPA

Jan Böhmermann: Was wollte er mit seinen Anspielungen sagen?

Samstag, 18.05.2019   15:50 Uhr

Die Ibiza-Affäre um die FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus hat Österreichs Regierung in eine tiefe Krise gestürzt. Ein Name taucht dabei immer wieder auf: Jan Böhmermann. Auch Strache selbst erwähnte den Satiriker in seinem Rücktrittsstatement.

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Böhmermann hatte bereits im April bei der Verleihung des österreichischen TV-Preises Romy in einer Videobotschaft Andeutungen zu dem Skandalvideo gemacht. Den Preis könne er nicht persönlich abholen, weil er "gerade ziemlich zugekokst und Red-Bull-betankt mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchen-Villa auf Ibiza rumhänge", hatte Böhmermann gesagt. Er verhandele gerade, wie er die "Kronen Zeitung" übernehmen könne, dürfe darüber aber nicht reden.

Der Auftritt hatte ihm scharfe Kritik in österreichischen Medien eingebracht. Er würdige die österreichische Regierung herab, hieß es damals. Was wusste Böhmermann von dem Treffen zwischen den FPÖ-Politikern und der vermeintlichen Oligarchen-Nichte auf Ibiza? Was wollte er mit seinen Anspielungen sagen?

Video war Böhmermann schon vor Wochen bekannt

Unklar ist, wie viele Menschen im April die Tragweite dessen kannten, worauf sich Böhmermann bezog.

Die Umstände der Zusammenkunft in Ibiza waren vermutlich einer Reihe von Leuten bekannt, bevor SPIEGEL und "Süddeutsche Zeitung" nun darüber berichteten. Auch Jan Böhmermann hat das heikle Video bereits vor Wochen gekannt, wie sein Manager Peter Burtz jetzt bestätigte.

Burtz dementiert jedoch die Behauptung, dass die Aufnahmen Böhmermann angeboten worden seien. Und da sie ihm nicht angeboten worden seien, habe er sie auch nicht abgelehnt. Woher Böhmermann die Aufnahmen kannte, wisse er nicht, sagte Burtz.

Einen weiteren möglichen Hinweis auf das Strache-Video lieferte Böhmermann am Donnerstag. In einem seine Sendung flankierenden YouTube-Video sagt er zum Ende: "Kann sein, dass morgen Österreich brennt."

Sehen Sie hier kommentierte Ausschnitte aus dem Video:

Foto: DER SPIEGEL

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Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, Böhmermann habe einen weiteren Hinweis auf das Strache-Video in seiner Sendung "Neo Magazin Royal" geliefert. Tatsächlich tat der Moderator dies in einem YouTube-Video. Wir haben die Stelle entsprechend präzisiert.

jus/dpa

insgesamt 167 Beiträge
bretone 18.05.2019
1. Ist egal, woher ...
... Böhmermann das Video kennt. Fakt ist, dass dies braune Theater damit hoffentlich endlich bald der Vergangenheit angehört. Und wenn dies in Resteuropa und anderswo auch passieren würde, hätten wir alle eine Sorge weniger. [...]
... Böhmermann das Video kennt. Fakt ist, dass dies braune Theater damit hoffentlich endlich bald der Vergangenheit angehört. Und wenn dies in Resteuropa und anderswo auch passieren würde, hätten wir alle eine Sorge weniger. Jedenfalls ist der Video-Coup großartig!
kaiser-k 18.05.2019
2. Zwei & Zwei zusammengezählt
B. wurde das Video "nicht angeboten", sagt der Manager. Ja nu woher mag es dann wohl stammen? Ernsthaft? Ulkig, wie man hier um den naheliegenden Verdacht herumeiert und sich nicht traut ihn auszusprechen: Böhmermann [...]
B. wurde das Video "nicht angeboten", sagt der Manager. Ja nu woher mag es dann wohl stammen? Ernsthaft? Ulkig, wie man hier um den naheliegenden Verdacht herumeiert und sich nicht traut ihn auszusprechen: Böhmermann selbst ist die Quelle für den Scoop. Wäre nicht einmal überraschend.
ingenieur-aus-überzeugung 18.05.2019
3. Gut, dass es Menschen wie JB gibt.
Haben wir eine andere Chance unsere Freiheit zu verteidigen, als unerschrockene Journalisten wie JB und viele andere zu Unterstützen? Nein, den die Beschränktheit der Neider würde uns sonst noch schneller in das Verderben durch [...]
Haben wir eine andere Chance unsere Freiheit zu verteidigen, als unerschrockene Journalisten wie JB und viele andere zu Unterstützen? Nein, den die Beschränktheit der Neider würde uns sonst noch schneller in das Verderben durch die Rechten, Despoten und Populisten führen. Mir graut vor der Zukunft wenn Orban und Konsorten Ihre Ideen durchbringen. Sollte JB der Initiator des Videos sein, ich würde in in Gold giessen und in allen Hauptstädten Europas aufstellen. Ich fürchte jedoch auch, er müsste dann ab jetzt um sein Leben fürchten.
lspring 18.05.2019
4. Da kommt noch was
Das Video wird uns noch lange Zeit beschäftigten. Häppchen für Häppchen. Strache macht ja selbst bei seiner öffentlich übertragenen Rücktrittserklärung Andeutungen über "schmutzige" Äusserungen, die er im Video [...]
Das Video wird uns noch lange Zeit beschäftigten. Häppchen für Häppchen. Strache macht ja selbst bei seiner öffentlich übertragenen Rücktrittserklärung Andeutungen über "schmutzige" Äusserungen, die er im Video über Sebastian Kurz gemacht habe. Diese Äusserungen von Strache sind in den bisher aufgetauchten Videos nicht sichtbar. Aber sie kommen noch. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
kaypee 18.05.2019
5. So ist's nun mal,
... wenn die Politiker nichts mehr auf die Reihe kriegen, korrupter & machtgieriger werden und das Volk sich von denen einlullen lässt, sind Satiriker, kunstschaffende und ähnliche, die Instanzen, die einem den Weg weisen.
... wenn die Politiker nichts mehr auf die Reihe kriegen, korrupter & machtgieriger werden und das Volk sich von denen einlullen lässt, sind Satiriker, kunstschaffende und ähnliche, die Instanzen, die einem den Weg weisen.

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