Politik

US-Wahlkampf

Diesmal will Joe Biden alles richtig machen

Der frühere US-Vizepräsident erwischt einen guten Start in den Wahlkampf: Bei einem Auftritt in Pennsylvania wird deutlich, mit welcher Strategie Joe Biden gegen Donald Trump gewinnen will.

Jonathan Ernst/ REUTERS
Aus Pittsburgh berichtet
Dienstag, 30.04.2019   10:25 Uhr

Da ist er. Plötzlich tritt Joe Biden aus der Kulisse auf die Bühne, er zieht die blaue Anzugjacke aus und krempelt die Ärmel hoch. Der Mann, den Amerika schon fast vergessen hatte, ist zurück.

Pittsburgh, Pennsylvania: Zum ersten Mal präsentiert sich Biden als frischgebackener Bewerber um die US-Präsidentschaft einem größeren Publikum. Es ist ein Heimspiel. Im Haus der örtlichen Gewerkschaft jubeln ihm 400 Männer und Frauen zu.

Es sind Feuerwehrleute, Krankenschwestern, Angestellte der Stadt, Lehrer. Sie rufen: "We want Joe" - "Wir wollen Joe". Biden lacht und winkt. Dann sagt er, was er immer zuerst sagt, wenn er vor Menschen spricht: "Hallo, ich bin Joe Biden."

Bescheidenheit, Bodenständigkeit, Gelassenheit, das sind Joe Bidens Markenzeichen. Biden, der Ehrliche, der Kumpel von nebenan - so kennen ihn die meisten Amerikaner aus seiner Zeit als Vizepräsident unter Barack Obama. Nun will Biden Präsident werden, er will Donald Trump aus dem Weißen Haus vertreiben und sein Ruf als netter Kümmerer soll ihm dabei helfen.

Viele glauben, dass Biden von den gut 20 Männern und Frauen, die sich aktuell bei den Demokraten um die Präsidentschaft bewerben, die besten Chancen hat. Aber ist das wirklich so?

Mehr zum Thema

In Pittsburgh wird jedenfalls deutlich: Biden ist voll bei der Sache. Er ist immer noch ein guter Redner. Er kann einen Saal mitreißen. Er ist für seine 76 Jahre erstaunlich fit, und er beherrscht die Abteilung Attacke.

Immer wieder greift er Donald Trump an. "Wir brauchen einen Präsidenten, der für das ganze Land arbeitet, nicht nur für seine Basis", sagt er. "Wir wollen Wahrheit, keine Lügen. Wir wollen Einigkeit, keine Spaltung." Die Menschen im Saal rufen laut: "USA, USA, USA."

Fotostrecke

Joe Biden: Der Herausforderer

Zwei Mal schon hat Biden versucht, Präsident zu werden. Beide Male gingen seine Bewerbungen schief. Nun, im dritten Anlauf, will er alles besser machen. Und tatsächlich scheint er einen guten Start zu erwischen, zumindest bisher.

Biden hat in den Stunden nach Bekanntgabe seiner Bewerbung bereits 6,3 Millionen Dollar an Spendengeldern eingesammelt, mehr als die Konkurrenz. Die neuesten Umfragen sehen ihn weiterhin vor den anderen Bewerbern. Und er heuert erfahrene Mitarbeiter für den Wahlkampf an, eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Kampagne. Gerade konnte er den früheren Pressesprecher seines Konkurrenten Bernie Sanders für sich gewinnen.

Video: Joe Biden kündigt US-Präsidentschaftskandidatur an

Foto: JOSEPH PREZIOSO/ AFP

In Pittsburgh werden die drei zentralen Säulen von Bidens Strategie erkennbar:

Biden setzt offenkundig darauf, dass er vor allem im alten industriellen Norden und Osten der USA punkten kann. Hier verloren die Demokraten mit der Kandidatin Hillary Clinton 2016 wichtige Hochburgen an Donald Trump - allen voran Pennsylvania. Für die Partei war das ein Schock. Das soll mit Biden nicht passieren. "Wenn ich Donald Trump schlagen werde, dann hier", ruft er in Pittsburgh in den Saal.

Reicht das alles? Bis zur Präsidentenwahl am 3. November 2020 ist es noch ein weiter Weg. Zunächst muss sich Biden bei den Vorwahlen gegen das Feld der demokratischen Konkurrenten durchsetzen. Viele treten dabei mit ähnlichen Versprechungen an wie er. Und sie sind dabei oft jünger, wirken frischer, unverbrauchter.

Und dann ist da natürlich Donald Trump. Wie üblich versucht der, auch diesen Gegner lächerlich zu machen, indem er ihm einen Spitznamen anheftet. Via Twitter nennt Trump Biden "Sleepy Joe": schläfriger Joe.

So richtig souverän wirkt Trump dabei allerdings nicht. Der Präsident meldet sich inzwischen regelmäßig zu Biden zu Wort. Üblicherweise ist dies ein sicheres Indiz dafür, dass er einen Konkurrenten ernst nimmt.

insgesamt 129 Beiträge
nite_fly 30.04.2019
1. naja, wie zur Hölle....
Kann ich für Joe Biden's Wahlkampf spenden??? Das sollte alle Menschen auf diesem Planeten interessieren! Denn alles ist besser, als Donald Trump! Joe Biden ist zwar ein sehr alter Mann, aber ein echter Politiker! Donald Trump [...]
Kann ich für Joe Biden's Wahlkampf spenden??? Das sollte alle Menschen auf diesem Planeten interessieren! Denn alles ist besser, als Donald Trump! Joe Biden ist zwar ein sehr alter Mann, aber ein echter Politiker! Donald Trump ist dagegen nur ein ungebildeter, selbstverliebter, und ungehobelter Krach-Macher, der sicherlich mal als ein ultimativer Fehlgriff in die amerikanische Geschichte eingehen wird! Auch wenn Biden sicherlich schon ein sehr rüstiges Alter erreicht hat, hat er doch von der internationalen Politik sehr viel mehr Ahnung, als dieser frisierte Pudel, der nur solche Sätze, wie "Make Amerika Great Again", "A Very Good Deal", und sonstiges Geschwalle, das nur seine Misserfolge dem allgemeinen Volk als Erfolge verkaufen zu versucht... Ich kann nur hoffen dass Amerikas Bevölkerung nicht so gnadenlos dumm ist, wie es manchmal anmutet! Dieser Pudel schafft Amerika auf der Weltbühne gerade ab! Alle wichtige Themen unserer Zeit negiert der aus seiner unternehmerischen Sicht! Der hat den Amerikanern nur aufgezeigt, wie Geld die Welt regiert! Doch welche Leute wollen sich denn nun wirklich von Trumps Geld regieren lassen???
family1 30.04.2019
2. John Kerry
Der fruehere Aussenminister John Kerry ist meiner Meinung nach viel kompetenter fuer diesen Job. Schade dass er nicht kandidiert.
Der fruehere Aussenminister John Kerry ist meiner Meinung nach viel kompetenter fuer diesen Job. Schade dass er nicht kandidiert.
nofreemen 30.04.2019
3. richtige Strategie mit falschem Mann
Joe wirkt irgendwie als laufe er mit Windeln herum. Ein grosses Baby. Erfahren, eloquent, immer ein Lächeln auf den Lippen kommt er auf Stelzen daher (hohe Absätze). Ob das reicht? Wohl kaum. Alle guten Dinge sind drei, sagt [...]
Joe wirkt irgendwie als laufe er mit Windeln herum. Ein grosses Baby. Erfahren, eloquent, immer ein Lächeln auf den Lippen kommt er auf Stelzen daher (hohe Absätze). Ob das reicht? Wohl kaum. Alle guten Dinge sind drei, sagt man. Sein grösster Gegner ist nicht er selbst. Nein, diesesmal ist es "mounty" Trump. Warum?: Wie bereits im Bericht erwähnt; er nimmt ihn ernst. das heißt er macht ihn flach. Leider, denn er ist der falsche Mann*, zur falschen Zeit am falschrn Ott. Trump weiß das.
ArnKling 30.04.2019
4. Den früheren Pressesprecher?
Ist das nicht Symone Sanders? Das ist eine Frau. Ich verstehe gar nicht, wieso Joe Biden hier bereits (trotz "er muss sich erst noch durchsetzen") schon wie der Herausforderer von Trump dargestellt wird. Biden ist [...]
Ist das nicht Symone Sanders? Das ist eine Frau. Ich verstehe gar nicht, wieso Joe Biden hier bereits (trotz "er muss sich erst noch durchsetzen") schon wie der Herausforderer von Trump dargestellt wird. Biden ist sowas wie Hillary 2.0 . "no matter who vote blue" ist meiner Meinung nach das Schlimmste, was die Demokraten sich haben einfallen lassen. Ich setze meine Karten lieber auf Bernie Sanders.
modemhamster 30.04.2019
5. Und schon wieder setzt
Deutschland auf das falsche Pferd. Wie beim letzten Mal wollen die Menschen jemanden wie Bernie Sanders. Das einzige, was Biden besser machen kann, ist Sanders vozeitig so kalt zu stellen, dass kein Hahn danach kräht. Trotzdem [...]
Deutschland auf das falsche Pferd. Wie beim letzten Mal wollen die Menschen jemanden wie Bernie Sanders. Das einzige, was Biden besser machen kann, ist Sanders vozeitig so kalt zu stellen, dass kein Hahn danach kräht. Trotzdem haben wir dann wieder 4 Jahre Trump an der Backe.

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP