Politik

Nach Verschwörungstheorien über Schulstreiks

Flämische Umweltpolitikerin tritt zurück

Der Geheimdienst habe sie informiert, die Schulstreiks für eine andere Klimapolitik seien eine Verschwörung gegen sie. Das behauptete Flanderns Umweltministerin Schauvliege. Auch nach dem Rücktritt weicht sie davon nicht ganz ab.

DPA

Joke Schauvliege

Dienstag, 05.02.2019   23:59 Uhr

Die flämische Umweltministerin, Joke Schauvliege, erklärte ihren Rücktritt, nachdem sie zugeben musste, dass sie in der Öffentlichkeit etwas Abwegiges behauptet hatte. "Ich habe etwas gesagt, was nicht korrekt ist", gab sie zu. Es handle sich allerdings nicht um eine Lüge, sondern ein unbestätigtes Gerücht.

Schauvliege hatte vor wenigen Tagen den Jugendlichen, die in diesen Tagen zu Tausenden für eine bessere Klimapolitik demonstrieren, vorgeworfen, sie hätten sich gegen sie verschworen. Unter dem Motto #FridaysForFuture setzen sich Jugendliche weltweit seit Wochen für Klimaschutz ein. Ihr Vorbild ist die 16 Jahre alte Schwedin Greta Thunberg, die seit Monaten jeden Freitag die Schule schwänzt, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren.

Wenig Schlaf und soziale Netzwerke seien Schuld

Schauvliege hatte zunächst gesagt, sie habe Informationen vom belgischen Geheimdienst erhalten, dass dahinter eine ominöse Macht stehe. "Ich kann Ihnen garantieren, dass ich nicht nur Geister sehe, sondern dass doch mehr dahinter steckt als nur eine spontane Solidaritätsaktion für unser Klima."

Nun musste sie zugeben, dass sie so einen Hinweis aus den Sicherheitsbehörden nicht erhalten hatte. Aber erst nach einem Gespräch mit ihrem Parteivorsitzenden kündigte sie auch ihren Rückzug aus der Politik an.

Die Opposition warf der Ministerin vor, es sei unfassbar, dass sie diese Behauptung allein für ihre persönlichen Zwecke erfunden und damit sehr viel Vertrauen in der Bevölkerung zerstört habe.

In einer emotionalen Pressekonferenz blieb sie teils bei ihrer Darstellung und sprach von einem System, dass sich gegen sie verschworen habe. "In der vergangenen Woche wurde ich mit Tausenden Mails und SMS überschüttet, Tag und Nacht. Ich konnte keine normale Kommunikation mehr führen", sagte sie. Die heftigen Äußerungen in den sozialen Medien und zu wenig Schlaf hätten sie zu der Überreaktionen getrieben.

Seit den vergangenen zwei Monaten demonstrieren Zehntausende für eine andere Klimapolitik in Belgien und zielten mit ihrer Kritik auch auf Schauvliege ab, deren Maßnahmen sie für unzureichend halten. Am Donnerstag sollen es neue Streiks von Schülern geben.

tin/AP

insgesamt 8 Beiträge
binibona 06.02.2019
1. Respekt
Wann landen die Außerirdischen? Oder war es Herr Gauland, der sie zu nachtschlafender Zeit geweckt hat?
Wann landen die Außerirdischen? Oder war es Herr Gauland, der sie zu nachtschlafender Zeit geweckt hat?
barklug 06.02.2019
2. Scheiß Demokratie!
Da verschwören sich Bürger gegen Politiker, die ihre Interessen nicht vertreten ! Das muss man sich mal vorstellen!
Da verschwören sich Bürger gegen Politiker, die ihre Interessen nicht vertreten ! Das muss man sich mal vorstellen!
NightToOblivion 06.02.2019
3.
Wohl eher ein Opfer des eigenen Gewissens.
Wohl eher ein Opfer des eigenen Gewissens.
trulala 06.02.2019
4. Wurde zeit
Nachdem 35.000 Schüler in Brüssel gegen die belgische Klimapolitik demonstriert haben, war ihr Kommentar: "Ich bin stolz, dass soviele Jugendliche meine Politik unterstützen." Was muss man dann noch mehr sagen?
Nachdem 35.000 Schüler in Brüssel gegen die belgische Klimapolitik demonstriert haben, war ihr Kommentar: "Ich bin stolz, dass soviele Jugendliche meine Politik unterstützen." Was muss man dann noch mehr sagen?
orage 06.02.2019
5. Klimapolitik
Gewissenlos und so dumm, dass es schon weh tut. Wenigstens ist sie zurück getreten, und dabei muss es bleiben..
Gewissenlos und so dumm, dass es schon weh tut. Wenigstens ist sie zurück getreten, und dabei muss es bleiben..

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