Politik

Kanada

Premier Trudeau entschuldigt sich für Foto mit dunkler Gesichtsbemalung

"Das war rassistisch": Mit deutlichen Worten hat der kanadische Premierminister Justin Trudeau ein Foto aus dem Jahr 2001 kommentiert. Es zeigt ihn mit Turban und dunklem Make-up.

John Morris/ REUTERS

Justin Trudeau: "Ich hätte es besser wissen müssen. Aber das habe ich nicht, und es tut mir sehr leid"

Donnerstag, 19.09.2019   11:32 Uhr

Diese Kontroverse dürfte Justin Trudeau im Wahlkampf vor den vermutlich engen Parlamentswahlen am 21. Oktober ganz und gar ungelegen kommen. Das "Time"-Magazin hat ein Foto des kanadischen Premierministers veröffentlicht. Es stammt aus dem Jahr 2001 und zeigt ihn offenbar auf einem Kostümball. Auf der Aufnahme trägt Trudeau einen Turban und dunkle Gesichtsbemalung.

Der Politiker hat sich nun zu dem Bild geäußert. "Es tut mir zutiefst leid", sagte er am Mittwochabend. "Das hätte ich nicht tun dürfen. Ich habe das damals nicht für rassistisch gehalten. Aber jetzt sehe ich, dass das rassistisch war." Seine Aussage an Bord seines Wahlkampf-Flugzeugs wurde live im Fernsehen übertragen.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme war Trudeau 29 Jahre alt und arbeitete als Lehrer an der West Point Grey Academy in Vancouver. Bei einer Gala am Ende des Schuljahres war er nach eigenen Angaben als Aladdin verkleidet gewesen. "Ich hätte es besser wissen müssen. Aber das habe ich nicht, und es tut mir sehr leid", so der Premier. Zugleich räumte er ein, dass er auch in der Highschool bei einem Talentwettbewerb einmal als jamaikanischer Sänger aufgetreten sei.

Am Donnerstag tauchte dann noch ein von "Global News" verbreitetes Video auf. Darin ist Trudeau ebenfalls mit braunem Make-up zu sehen. Seine Partei bestätigte die Echtheit des Videos und erklärte, es zeige den Premierminister "Anfang der 90er Jahre".

Wie sich die Affäre auf den Urnengang auswirken wird, ist noch offen. Trudeau liegt rund einen Monat vor der Wahl derzeit nahezu gleichauf mit seinem wichtigsten Herausforderer Andrew Scheer.

Festnahme von Polizist wirft Fragen auf

Überschattet wird der Wahlkampf zudem von einer möglichen Spionageaffäre. So wurde zuletzt ein ranghoher Geheimdienstvertreter der Polizei unter dem Verdacht festgenommen worden, hochgeheime Dokumente gestohlen zu haben, deren Weitergabe für die Sicherheit des Landes und seine Verbündeten "verheerende" Folgen haben könnte.

Wie die Zeitung "Globe and Mail" berichtete, wurde der Generaldirektor der Geheimdienst-Koordinierungsstelle der kanadischen Bundespolizei, Cameron Ortis, als mutmaßlicher Spion entlarvt, als er sensible Informationen an das organisierte Verbrechen verkaufen wollte.

jok/Reuters/AP/AFP

insgesamt 25 Beiträge
dasfred 19.09.2019
1. Ganz schlimm und nicht zu entschuldigen
Als hellhäutiger Mann darf er zu einer Mottoparty mit dem Thema Arabian Nights natürlich nur im Kostüm britischen Soldaten oder Kolonialherren auftreten. Hoffentlich greift SPON auch irgendwann mal das Thema Söder auf, der [...]
Als hellhäutiger Mann darf er zu einer Mottoparty mit dem Thema Arabian Nights natürlich nur im Kostüm britischen Soldaten oder Kolonialherren auftreten. Hoffentlich greift SPON auch irgendwann mal das Thema Söder auf, der sich als Marylin Monroe verkleidet hat, um im Fasching die Rolle der Frau zu diskreditieren. Es ging ja hier nun nicht darum, dass er mit dem "blackfacing" Farbige lächerlich machen wollte, sondern das er das Kostüm einer Märchenfigur gewählt hat. Es ist doch Sinn und Zweck von Maskenbällen, in eine Rolle zu schlüpfen.
dondon 19.09.2019
2. Aladdin und ähnliches
Sich als Aladdin zu verkleiden ist rassistisch? Ich muss sofort an bspw. Jesus oder Mose- Darstellungen in alten Kostümfilmen denken. Diese Rollen wurden dann meist von Us- amerikanischen weißen Hollywooddarstellern ausgefüllt. [...]
Sich als Aladdin zu verkleiden ist rassistisch? Ich muss sofort an bspw. Jesus oder Mose- Darstellungen in alten Kostümfilmen denken. Diese Rollen wurden dann meist von Us- amerikanischen weißen Hollywooddarstellern ausgefüllt. Im Nachhinein unglaubwürdig, aber scheinbar nicht rassistisch. Oder an Karl - May - Filme mit angemalten Schauspielern. Also rassistisch. Oder an Kinderkarnevalveranstaltungen mit vielen kleinen Indianern. Alle rassistisch? Oder an der Prinz aus Zamunda, in dem Eddi Murphy u.a. einen weißen Frisör darstellt. Also auch rasisstisch. Der Begriff "rassistisch" wird mir in den letzten Jahren viel zu inflationär benutzt, so dass er immer bedeutungsloser wird. Rassismus bedeutet, einer "Rasse" besondere (positive wie negative) Eigenschaften zuzusprechen und nicht sich wie eine entsprechende Person darzustellen. Ein Mann, der sich wie eine Frau darstellt wäre demnach wohl ein Sexist. Ich sehe hier eine ziemliche Schieflage. Die Welt wächst immer mehr zusammen, aber gewisse, in meinen Augen harmlose, Darstellungen von Unterschiedlichkeit, werden negativ interpretiert. Ich finde wir sollten die Welt wieder etwas positiver betrachten. Wenn wir bald bei allem die Selbstzensur anlegen, kann das auch sehr negative Folgen haben.
fsteinha 19.09.2019
3. Trump im weisen haus, Johnson in downing street
und Kanada beschäftigt sich mit dem Faschingskostüm ihres Premier. Kann mir einer erklären was daran rassistisch ist, wenn ein weiser Mensch sich als schwarzer oder andersherum ein schwarzer sich als weiser verkleidet und [...]
und Kanada beschäftigt sich mit dem Faschingskostüm ihres Premier. Kann mir einer erklären was daran rassistisch ist, wenn ein weiser Mensch sich als schwarzer oder andersherum ein schwarzer sich als weiser verkleidet und dabei Gesichtsfarbe verwendet. Ich fürchte ich bin noch auf den Stand von 2001, als Herr Trudeau diese Verfehlung begannen hat.
homie 19.09.2019
4. Warum rassistisch?
Ich finde Rassismus muss bekämpft werden und verstehe hier was nicht. Othello von bemalten Weißen spielen zu lassen, weil Nicht-Weiße aus Prinzip nicht am Theater spielen dürfen, ist für mich rassistisch. Als Weißer sich [...]
Ich finde Rassismus muss bekämpft werden und verstehe hier was nicht. Othello von bemalten Weißen spielen zu lassen, weil Nicht-Weiße aus Prinzip nicht am Theater spielen dürfen, ist für mich rassistisch. Als Weißer sich für ein Kostüm zu bemalen (im Bericht sieht es nach einer Mottoparty aus) ist für mich nicht rassistisch. Es soll einfach das Kostüm authentischer machen. Zum Astronautenkostüm gehört ein Helm, zu Rotkäppchen ein Weidenkorb, zu einem Sultankostüm dunkle Haut. Wo ist das Problem? Ich bin dankbar für erhellende Argumente.
dippegucker 19.09.2019
5. Mal abgesehen davon, ...
... daß man auf einem Kostümball in der Regel eine Verkleidung wählt, die Wertschätzung für das dargestellte Motiv ausdrückt ("So möchte ich auch sein"), dürfte dann ja unser Karnevalstreiben demnächst nur noch [...]
... daß man auf einem Kostümball in der Regel eine Verkleidung wählt, die Wertschätzung für das dargestellte Motiv ausdrückt ("So möchte ich auch sein"), dürfte dann ja unser Karnevalstreiben demnächst nur noch in Einheitsuniform und -look stattfinden. Streng genommen ist dann alltägliches Haarefärben und Schminken auch schon "rassistisch" ("Ich möchte nicht zu denen gehören die so aussehen wie ich") Daß Herr Trudeau vor solchen Petitessen einknickt, beweist lediglich, daß er an seinem Sessel klebt. Der unsinnige "political correctness" Wahn, der aus den USA zu uns herüberschwappt ist doch in Wahrheit viel rassisstischer durch sein lächerliches Bemühen rassistische Alltagskultur hinter "freundlichen" Umschreibungen zu verstecken. Wieso ist beispielsweise jemand, der eine andere Hautfarbe als die im Land akzeptierte "farblich herausgefordert" ? Damit wird doch erst ein Problem erzeugt, wo die einfache Benennung der Hautfarbe schlicht eine Tatsachenfeststellung ist.
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