Politik

Kandidatur für 2012

Eine Milliarde Dollar soll Obamas Wiederwahl sichern

Nun ist es offiziell: Barack Obama wird 2012 um seine Wiederwahl kämpfen. Damit ist auch das Rennen um die Spendengelder eröffnet - sein Team strebt die Rekordsumme von rund einer Milliarde Dollar an. Doch Begeisterung wie im letzten Wahlkampf kommt bislang nicht auf.

AFP
Von , Washington
Montag, 04.04.2011   18:33 Uhr

Wer noch einmal Präsident werden will, der steht offenbar früh auf. Um 6.28 Uhr morgens meldet sich Barack Obama per E-Mail bei seinen Anhängern, über 13 Millionen Adressen hat er noch aus seinem letzten Wahlkampf im Jahr 2008 gespeichert. "Heute machen wir den Start unserer 2012-Kampagne offiziell", schreibt Obama. "Auch wenn ich mich auf den Job konzentriere, für den ich gewählt wurde, und der Wahlkampf noch rund ein Jahr lang nicht wirklich anlaufen wird, müssen wir jetzt die Grundlage bereiten."

Seine Web-Seite war da schon überarbeitet, ein kurzes Video ist darauf zu sehen, in dem Obama selbst gar nicht auftaucht - dafür aber viele einfache Bürger, die meisten wohnhaft in Bundesstaaten, die bei der letzten Wahl heftig umkämpft waren. Eine Frau namens Gladys aus Nevada sagt in die Kamera: "Wir überlassen nichts dem Zufall. Wir müssen diese Wahl gewinnen." Der Titel des Videos: "It begins with us", es beginnt mit uns.

Überraschend kommt die Ankündigung der Kandidatur wahrlich nicht, sie galt als eines der "am schlechtesten gehüteten Geheimnisse Washingtons", wie die Internetseite Politico schrieb. Denn zwar hatte Obama mitten in den Auseinandersetzungen um seine Gesundheitsreform und nach anderen Rückschläge schon mal damit kokettiert, er diene lieber nur eine Amtszeit und erreiche dafür wirklich etwas. Doch dass er noch einmal antreten würde, daran ließen seine Berater stets keinen Zweifel. Schließlich ist der Präsident so gut wie unumstritten in seiner Partei, in der sich kein Herausforderer vorwagen wird, trotz des Frusts des linken Flügels über seine Amtsführung.

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Kandidatenkarussell der Republikaner: Obamas mögliche Gegner
Obamas Wahlkampfmaschinerie wird trotzdem nichts dem Zufall überlassen, das zeigt die frühe Massen-E-Mail. Der Wahlkampf 2008 galt als der bestorganisierte aller Zeiten, diesmal soll alles sogar noch effektiver ablaufen. Millionen "Gespräche" zwischen Unterstützern wolle man ermöglichen, um alte Freunde zu binden und neue zu gewinnen, heißt es in Obamas E-Mail - und alle vorzubereiten auf den "Kampf kommendes Jahr".

David Plouffe, Obamas kühler Chefstratege im letzten Wahlkampf, residiert bereits in einem Büro nahe dem Oval Office im Weißen Haus. Rund 750 Millionen Dollar hat Obama 2008 zusammengetragen, mehr als jeder Kandidat vor ihm. Er betont gerne, das Geld sei vor allem von Kleinspendern gekommen, doch so ganz stimmt das natürlich nicht. Nur rund ein Drittel der Zuwendungen stammten von Spendern, die weniger als 200 Dollar gaben. Auch "Change"-Kandidat Obama vertraute stark auf das Großkapital, vor allem an der Wall Street und in Hollywood.

Diese Quellen sollen nun wieder angezapft werden, daher der frühe Kandidatenstart. Der Präsident wird in den kommenden Wochen Spendenveranstaltungen in Chicago und an der Westküste absolvieren. Bis zu 35.800 Dollar soll ein Abendessen mit dem Präsidenten kosten - pro Person.

Obamas Blick in eine Zukunft ohne Obama

Doch Experten halten die Ziele für durchaus ambitioniert. Schließlich hat Obama seine Großspender nicht sonderlich umsorgt, er hat sie beispielsweise selten ins Weiße Haus eingeladen. Außerdem fühlen sich ausgerechnet viele Wall-Street-Banker durch die Aufarbeitung der Finanzkrise zu Sündenböcken degradiert, sie werden nun wohl zögerlicher Schecks schreiben.

Gleichzeitig maulen wohlhabende Linke, Obama habe das umstrittene Gefangenenlager Guantanamo noch nicht geschlossen und sei den Republikanern beim Klimaschutz und in der Steuerpolitik zu sehr entgegengekommen. Auch sie dürften weniger motiviert sein.

"Dem Wahlkampf 2012 fehlen eine Reihe von Faktoren, die 2008 wichtig waren: ein unverbrauchter Kandidat, der der erste schwarze Präsident aller Zeiten werden konnte, polarisierende Gegner wie Hillary Clinton oder Sarah Palin - und die Entschlossenheit der Demokraten, die republikanische Herrschaft im Weißen Haus zu beenden", schreibt die "Washington Post".

Vielleicht auch deswegen schaut der Kandidat Obama zum Schluss seiner E-Mail schon in eine Zukunft ohne Obama. "Dies wird mein letzter Wahlkampf als Kandidat sein", schreibt er. Aber das Anliegen, echten Wandel für Amerika zu schaffen, überdauere ihn, schon darum sollen seine Anhänger nun wieder alles geben. "Es ging nie nur um eine Person", schreibt der Präsident - um den sich doch noch im letzten Wahlkampf alles drehte.

insgesamt 108 Beiträge
xzz 04.04.2011
1. titelbefreit
Auf seinen Slogan bin ich gespannt. Mit 'yes we can' wird er ja wohl kaum wieder antreten können.
Auf seinen Slogan bin ich gespannt. Mit 'yes we can' wird er ja wohl kaum wieder antreten können.
heuwender 04.04.2011
2. xx
bei der Merkel kommt auch keine Begeisterung auf,jedenfalls nicht bei einem normalen Bundesbürger der für 5 Cent Hirn hat.
Zitat von sysopNun ist es offiziell: Barack Obama wird 2012 um seine Wiederwahl kämpfen. Damit ist auch das Rennen um die Spendengelder eröffnet - sein Team strebt die Rekordsumme von rund einer Milliarde Dollar an. Doch Begeisterung wie im letzten Wahlkampf kommt bislang nicht auf. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754983,00.html
bei der Merkel kommt auch keine Begeisterung auf,jedenfalls nicht bei einem normalen Bundesbürger der für 5 Cent Hirn hat.
gewgaw 04.04.2011
3. ....
8 Jahre GWB v. 4 Jahre Obama - die Geschichte wird zeigen, welcher Präsident schlimmer für die USA war. Keinesfalls glaube ich an eine Wiederwahl Obamas, zu groß ist die Enttäuschung seiner Anhänger. Welche seiner Ziele hat [...]
8 Jahre GWB v. 4 Jahre Obama - die Geschichte wird zeigen, welcher Präsident schlimmer für die USA war. Keinesfalls glaube ich an eine Wiederwahl Obamas, zu groß ist die Enttäuschung seiner Anhänger. Welche seiner Ziele hat er zum Wohle seines Landes erreicht?
dr.épernay-boiler 04.04.2011
4. Wo soetwas notwendig ist...
...schint mir das System zumindest am Anfang vom Ende angekommen zu sein. Pekuniäre Quantität zerstört hier jede inhaltliche Qualität.
...schint mir das System zumindest am Anfang vom Ende angekommen zu sein. Pekuniäre Quantität zerstört hier jede inhaltliche Qualität.
Golden Age 04.04.2011
5. Viel Geld, Hohe Abschreckung
Diese Milliarde ist sündhaft viel Geld, aber es wirkt abschreckend auf die republikanischen Bewerber. Obamas Wiederwahl dürfte aus mehreren Gründen stattfinden. 1.) Bis 2012 wird sich Amerikas Wirtschaft genug erholt haben um [...]
Diese Milliarde ist sündhaft viel Geld, aber es wirkt abschreckend auf die republikanischen Bewerber. Obamas Wiederwahl dürfte aus mehreren Gründen stattfinden. 1.) Bis 2012 wird sich Amerikas Wirtschaft genug erholt haben um Obamas Politik rückwirkend zu bestätigen. 2.) Die Republikaner schicken das schwächste Feld ins Rennen seit 1996 (Bob Dole) mit schrillen Celebrity-Kandidaten (Trump, Bachmann, Palin) und recycleten Alt-Stars (Gingrich, Romney), die nicht mehr zu vermitteln sind. 3.) Die Tea Party bzw. republikanische Partei verspielt gerade ihr politisches Kapital und macht sich bei Independents sehr unbeliebt. Anstatt sich um die Heilung der Wirtschaft zu kümmern, fordert sie vor allem Massenentlassungen von öffentlichen Angestellten. Besonders die Abschaffung von Gewerkschaften kommt schlecht an, während Superreiche mit niedrigen Steuern belohnt werden. 4.) Obama hat es mit seiner Arizona Rede zuletzt geschafft wieder auf einer emotionalen Ebene mit vielen Amerikanern zu kommunizieren. Die Rede hat die Zustimmung nachhaltig gestärkt.

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