Politik

Kaschmir-Konflikt

Mehrere Tote bei Schusswechseln zwischen Indien und Pakistan

Der Streit zwischen Indien und Pakistan um die Region Kaschmir droht erneut zu eskalieren. Nun sind bei Gefechten mindestens vier Zivilisten getötet worden - und auf pakistanischer Seite offenbar auch Soldaten unter den Opfern.

REUTERS

Anti-Kriegs-Demonstrationen im indischen Srinagar

Samstag, 02.03.2019   13:36 Uhr

Inmitten der neuen Spannungen zwischen Indien und Pakistan sind bei Feuergefechten im Grenzgebiet Kaschmirs mindestens vier Zivilisten getötet und elf weitere verletzt worden. Im indischen Teil der Konfliktregion seien eine 24 Jahre alte Frau und ihre beiden Kinder ums Leben gekommen, teilte ein Sprecher der indischen Polizei mit. Der Vater sei schwer verletzt worden. Durch pakistanischen Beschuss habe es zudem sieben weitere Verletzte auf indischer Seite gegeben, hieß es in Medienberichten.

Im pakistanischen Teil Kaschmirs seien ein Junge getötet und drei weitere Menschen verletzt worden, teilten pakistanische Sicherheitskräfte mit. Laut dem pakistanischen Militär wurden zudem zwei Soldaten bei Scharmützeln mit Indien getötet.

Die Armeen der verfeindeten Nachbarländer hatten seit Freitag immer wieder an verschiedenen Stellen über die De-facto-Grenze zwischen den von beiden Staaten jeweils kontrollierten Teilen Kaschmirs geschossen.

Die Spannungen zwischen den beiden Atommächten hatten sich in den vergangenen Tagen zugespitzt. Nachdem Indiens Luftwaffe in der Nacht zum Dienstag zum ersten Mal seit 1971 einen Angriff auf pakistanischem Gebiet geflogen hatte, schoss Pakistan nach eigenen Angaben am Mittwoch zwei indische Kampfflugzeuge ab. Ein indischer Pilot, der gefangen genommenen worden war, wurde am Freitag freigelassen und den indischen Behörden an einem Grenzübergang übergeben.

REUTERS

Jubel nach der Freilassung des indischen Piloten

Seit der Unabhängigkeit des früheren Britisch-Indien und seiner Trennung in Indien und Pakistan im Jahr 1947 beanspruchen beide Länder Kaschmir für sich - sie kontrollieren jeweils einen Teil. Die heutigen Atommächte führten bereits zwei Kriege um das Himalaya-Tal.

Zuletzt standen beide Staaten 2008 kurz vor einem bewaffneten Konflikt: Damals überfielen zehn junge Männer die indischen Millionenmetropole Mumbai und terrorisierten sie zwei Tage lang, am Ende waren 174 Menschen tot. Es stellte sich heraus, dass die Männer allesamt Pakistaner waren, ebenso die Drahtzieher. Erst nach internationaler Vermittlung konnte ein Vergeltungsschlag verhindert werden (Lesen Sie hier mehr zu dem Konflikt).

Der Konflikt ist in diesen Tagen besonders brisant, weil in Indien im Mai Wahlen anstehen. Der hindunationalistische Präsident, Narendra Modi, steht unter Druck und muss gegenüber dem Erzfeind Pakistan Härte beweisen.

bam/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP