Politik

Katar versus Emirate

Kampf am Horn von Afrika

Zwei der reichsten Staaten der Welt ringen um Einfluss in Somalia: Für Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate ist das Krisenland wegen seiner Lage strategisch wichtig. Dafür greifen sie zu rabiaten Methoden.

Mohamed Abdiwahab/ AFP

Somalische Küstenwache vor Bosaso: An Land duellieren sich Katar und die VAE

Von und
Sonntag, 28.07.2019   07:19 Uhr

Der Mann, der am Montagmorgen in Mogadischu mit seinem Auto auf einer zentralen Straße zum Flughafen der somalischen Hauptstadt anhielt, wollte nicht Rast machen. Er hatte ein Ziel: den Tod. Der Selbstmordattentäter der Terrormiliz al-Shabaab zündete seine Bombe an einem Checkpoint, mindestens 17 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt.

Am Mittwoch sprengte sich in Mogadischu eine Frau in die Luft. Sie tötete sieben Menschen und verletzte sechs weitere - darunter den Bürgermeister der Hauptstadt.

Die Terrorserie unterstreicht: Das Land am Horn von Afrika kommt nicht zur Ruhe, eine richtige Regierung gibt es seit Ausbruch des Bürgerkriegs Anfang der Neunzigerjahre nicht. Korrupte Warlords und brutale Islamisten kämpfen stattdessen um die Macht in Somalia, das wegen seiner strategischen Küstenlage zunehmend auch in den Fokus der Welt- und Regionalmächte geraten ist.

Terror in Puntland - wer steckt dahinter?

Unter anderem tragen zwei der reichsten Staaten der Welt, die rivalisierenden Herrscherhäuser aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ihren Konflikt in Somalia aus. Ein Schauplatz ist die quasi autonome Region Puntland, deren Herrscher sich von der Hauptstadt Mogadischu losgesagt haben.

In Puntland liegt die Hafenstadt Bosaso, deren Hafen von einer Firma aus den Emiraten geführt wird. Katar ist das Engagement der Konkurrenz dort ein Dorn im Auge. Aus diesem Grund sollen militante Islamisten im Auftrag aus Katar Bombenanschläge und Schusswaffenangriffe in der Stadt verübt haben. Das berichtet die "New York Times". Das Blatt beruft sich auf ein abgehörtes Telefonat zwischen einem katarischen Geschäftsmann mit besten Kontakten zum Herrscherhaus und dem Botschafter des Emirats in Somalia.

Mit der Gewalt sollen "die Dubai-Leute von dort vertrieben werden", habe der Geschäftsmann Khalifa Kayed al-Muhannadi in dem Telefonat gesagt. "Lass sie die Emiratis vertreiben, damit sie ihre Verträge nicht verlängern. Ich werde die Verträge nach Doha bringen."

Für Katar ist die Affäre peinlich: Die Regierung betont, dass Muhannadi nicht im Namen des Landes spreche oder handele. Doha mische sich nicht in die inneren Angelegenheiten Somalias ein. Stattdessen würden die VAE in Somalia eine Außenpolitik betreiben, um das Land zu "manipulieren und kontrollieren".

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Die Hafenstadt Bosaso liegt am Golf von Aden, einem geopolitischen Knotenpunkt, der durch den Indischen Ozean mit dem Persischen Golf verbunden ist. Beide Golf-Gewässer haben strategische Meerengen:

Somalia, der gescheiterte Staat, liegt somit in Premiumlage. Auch die mit Katar eng zusammenarbeitende Türkei hat das erkannt. Die größte Botschaft des Landes befindet sich deshalb auch nicht in den Weltstädten Washington, Peking oder Moskau - sondern in Mogadischu.

AP

Recep Tayyip Erdogan spricht mit somalischen Kindern bei einem Besuch in der Hauptstadt (Archiv)

Die Regierung von Recep Tayyip Erdogan baut gegenwärtig auch einen Militärstützpunkt in Somalia auf. In den Nachbarländern ist man da schon weiter. Nach Frankreich, Japan und den USA hat auch China in Dschibuti eine Militärbasis errichtet, in Eritrea sind die Soldaten der VAE vertreten, und bis zum jüngsten Putsch im Sudan war Katar dabei, sich dort als Macht zu etablieren.

AP/ Xinhua

Ein chinesisches Kriegsschiff im Hafen von Zhanjian legt ab - das Ziel: Dschibuti.

In Somalia stehen sich damit die Allianzen gegenüber, die derzeit auch in Libyen um Macht und Einfluss konkurrieren:

Und wie in fast allen Konflikten in der Region, mischt auch Iran mit. Das Regime in Teheran, das vergleichsweise gute Kontakte zu Katar unterhält, erhebt Anspruch auf den Schutz des Schifffahrtsverkehrs durch das "Tor der Tränen", wie Bab al-Mandeb auf Deutsch heißt. Präsident Hassan Rohani erklärte am Mittwoch, die Islamische Republik sei der Beschützer der Meerenge gewesen - und werde das auch bleiben.

Ohne es offen auszusprechen, bezog sich der Regierungschef dabei auf die mit Iran verbündeten Huthi-Milizen im Jemen, die noch immer weite Teile der Küste zum Roten Meer kontrollieren. Die unausgesprochene Drohung: Im Falle einer Eskalation könnten Irans Verbündete auch Handelsschiffe am Bab al-Mandeb ins Visier nehmen.

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