Politik

Annäherung zwischen Jordanien und Katar

Königliches Risiko

Katar und Jordanien tauschen wieder Botschafter miteinander aus. Die Entscheidung ist riskant: Jordanien ist von Saudi-Arabien und den Golfemiraten abhängig, die Katar blockieren. Von ihrer Reaktion hängt nun viel ab.

Yousef Allan/ Jordanian Royal Palace/ AFP

Jordaniens König Abdullah II.

Von und
Montag, 15.07.2019   16:09 Uhr

Katar macht einen weiteren Schritt hinaus aus der Isolation. Zwei Jahre nachdem Jordanien seine diplomatischen Beziehungen zum Emirat herunterstufte, haben die Staaten ihr Verhältnis wieder normalisiert. Beide Regierungen schicken nun wieder Botschafter nach Amman beziehungsweise Doha.

Jordanien geht mit dieser Entscheidung ein Risiko ein. Das Haschemitische Königreich ist enger Verbündeter von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Die Verbundenheit geht sogar so weit, dass die Golfmonarchien Jordanien eingeladen haben, dem Golfkooperationsrat (GCC) beizutreten. Doch mit der Annäherung an Katar läuft der jordanische König Abdullah II. nun Gefahr, Saudi-Arabien und die VAE vor den Kopf zu stoßen. Er setzt die milliardenschweren Finanzhilfen aus beiden Staaten aufs Spiel, auf die Jordaniens angeschlagene Wirtschaft angewiesen ist. Sollte sich das Land destabilisieren, könnte das weitreichende Folgen für die gesamte Region haben.

Wie der Name schon sagt, ist die Mitgliedschaft im GCC eigentlich den arabischen Anrainern des Persischen Golfs vorbehalten. Die Herrscherhäuser in Riad und Abu Dhabi wollen den Staatenbund aber mittelfristig in ein Bündnis von Monarchien verwandeln, die für eine Fortsetzung des Status quo eintreten. Deshalb hat der GCC Jordanien und Marokko die Mitgliedschaft angeboten.

Der GCC-Plan: Geld für Gehorsam

AFP

Jordaniens König Abdullah II. (Mitte) bei einer gemeinsamen Truppenübung mit dem Emirat Abu Dhabi

Die Anbindung an den GCC ist für Jordanien enorm wichtig, politisch, wirtschaftlich und militärisch. Noch Ende Juni hielten etwa Abu Dhabi und Jordanien eine gemeinsame Militärübung in dem Emirat ab. Und im vergangenen Jahr bekam Jordanien die Zusage für rund zweieinhalb Milliarden Dollar Finanzhilfen - auf Beschluss von Mohammed bin Salman ("MbS") von Saudi-Arabien, Kronprinz Mohammed bin Zayed ("MbZ") von Abu Dhabi sowie des Emirs von Kuwait.

Mit der ersten Anzahlung in Höhe von einer Milliarde Dollar versuchte König Abdullah, in seinem Land die Proteste gegen die anhaltenden Sparmaßnahmen der jordanischen Regierung einzudämmen. Mit der nun verkündeten Wiederannäherung an Katars Herrscher Tamim Bin Hamad Al Thani, den Erzfeind von MbS und MbZ, schert Jordanien aus der seit Sommer 2017 verhängten politischen und wirtschaftlichen Blockade der Golfstaaten gegen Katar aus. Der Schritt dürfte daher in Riad und Abu Dhabi für Ärger sorgen.

Jordanien in Sorge um die heiligen Stätten in Jerusalem

Neben der diplomatischen Offensive des Königs gibt es gegenwärtig aber noch weitere Probleme in den bilateralen Beziehungen zwischen den drei Herrscherhäusern:

König Abdullah gilt als umsichtiger und besonnener Staatsmann - anders als seine Verbündeten MbS und MbZ. Wie sie reagieren werden, ist offen. Sollten sie ihre Zahlungen an Jordanien zurückfahren, könnte das die Wirtschaft Jordaniens in Turbulenzen stürzen. Das wiederum wäre nicht in Israels Interesse. Der jüdische Staat setzt darauf, dass sein östliches Nachbarland trotz der syrischen Flüchtlinge und grassierender Arbeitslosigkeit stabil bleibt.

Katar kauft sich aus der Krise

Katar hatte die Wiederannäherung von langer Hand vorbereitet. Im Juni 2018 stellte Scheich Tamim der Regierung in Amman ein Hilfspaket in Höhe von 500 Millionen US-Dollar bereit. Außerdem gab das Emirat 10.000 Jordaniern die Möglichkeit, als Gastarbeiter nach Katar zu kommen. Im vergangenen Monat stockte Doha dann auch noch seine Finanzhilfen für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge in Jordanien auf.

Einmal mehr zeigt sich nun, dass es Katar mehr und mehr gelingt, sich mit seinen Petrodollars aus der Isolation freizukaufen. So empfing in der vergangenen Woche US-Präsident Donald Trump Emir Tamim in Washington und lobte Katar als wertvollen Verbündeten. Dabei verwies er auch auf den Einfluss des Emirats auf die US-Wirtschaft. Zehntausende Jobs in den Vereinigten Staaten hängen inzwischen indirekt von Investitionen aus dem kleinen Golfstaat ab.

Für Katar ist Wirtschaftspolitik immer auch Außenpolitik.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Jordanien hätte im Sommer 2017 seine diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Richtig ist, dass die Regierung in Amman die Beziehungen nach Doha damals auf Geschäftsträgerebene herunterstufte.

insgesamt 3 Beiträge
jubeiha 15.07.2019
1.
"Einmal mehr zeigt sich nun, dass es Katar mehr und mehr gelingt, sich mit seinen Petrodollars aus der Isolation freizukaufen." Das ist schon etwas einseitig dargestellt, oder? Insbesondere Saudi Arabien und Kuwait [...]
"Einmal mehr zeigt sich nun, dass es Katar mehr und mehr gelingt, sich mit seinen Petrodollars aus der Isolation freizukaufen." Das ist schon etwas einseitig dargestellt, oder? Insbesondere Saudi Arabien und Kuwait benutzen ihre Petro Dollar ebenfalls schon lange massiv fuer Einfluss in der Region und auf Grund des Oels und der Petro Dollar (und unserer Abhaengigkeit von denselben) schaut man in Saudi Arabien bei manchen Menschenrechtsverletzungen etc. einfach nicht so genau hin wie anderswo...
Layer_8 15.07.2019
2.
Oder er wird wieder "rechtmäßiger" Beschützer von Mekka und Medina, so wie es seine Vorfahren 1000 Jahre lang waren. Mit den heutzutage ziemlich moderaten Hashemiten könnte sich auch eine gänzlich neue Ordnung [...]
Oder er wird wieder "rechtmäßiger" Beschützer von Mekka und Medina, so wie es seine Vorfahren 1000 Jahre lang waren. Mit den heutzutage ziemlich moderaten Hashemiten könnte sich auch eine gänzlich neue Ordnung in der gesamten Gegend etablieren. Falls internationaler Mut da wäre, den Saudis endgültig jegliche Unterstützung zu entziehen. Vielleicht langfristig auch richtig aufgeklärte Staaten.
satissa 15.07.2019
3. Abgestimmt
Natürlich ist sein Vorgehen nicht nur mit MBS abgestimmt, er ist wahrscheinlich sogar von ihm beauftragt worden.
Natürlich ist sein Vorgehen nicht nur mit MBS abgestimmt, er ist wahrscheinlich sogar von ihm beauftragt worden.

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