Politik

Drohende Katastrophe in Sambia

"Die fürchterlichste Dürre, an die sich Menschen erinnern können"

Kaum eine Region leidet so sehr unter den Folgen des Klimawandels wie das südliche Sambia. In dem afrikanischen Land macht sich eine Dürre breit. Bauern warnen vor einer Hungerkatastrophe.

Bartholomäus Grill/ DER SPIEGEL

Emmanuel Hantobolo: Der Boden seines Ackers ist staubtrocken

Von , Kanchomba
Montag, 16.09.2019   17:26 Uhr

Emmanuel Hantobolo steht auf dem kahlen Acker hinter seinem Gehöft und schaut resigniert auf die Maisstrünke, die auf dem harten, staubtrockenen Boden herumliegen. "Die letzte Ernte war eine Katastrophe", sagt der Kleinbauer. "Der Mais wird normalerweise zweieinhalb Meter hoch, aber diesmal reichten mir die höchsten Pflanzen nur bis zu Hüfte, die meisten waren verdorrt."

Hantobolo hat nur eine Schubkarre voll geerntet. "Ein einzige Schubkarre, lächerlich!" sagt er. Die paar Kilo sind zu wenig, um seine große Familie zu ernähren.

Der drahtige 52-jährige Mann bewirtschaftet acht Hektar, die er von seinem Vater 1984 geerbt hat. Anfangs lief es ganz gut, er hat vier Kühe, zwei Bullen, eine kleine Ziegenherde und Hühner; er baut Mais, Sojabohnen, Erdnüsse und Gemüse an. Doch dann kam dieses verfluchte Jahr 1995, in dem kaum noch Regen fiel, erinnert er sich.

"Die fürchterlichste Dürre, an die sich die Menschen erinnern können"

Am Ende der letzten Saison sollte es noch viel schlimmer kommen. Hantobolo säte vergangenen November aus, aber übers Jahr fielen nur noch ein paar Tropfen vom Himmel, alle Pflanzen starben ab. "Wir erleben hier die fürchterlichste Dürre, an die sich die Menschen erinnern können."

Emmanuel Hantobolo lebt in Kanchomba, einer armen, unterentwickelten Streusiedlung im Süden Sambias. Exakte meteorologische Daten über die Region erhält man von der Außenstelle des Agrarministeriums in der achtzig Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Choma. "Im Jahresmittel messen wir 800 bis 1000 Millimeter Niederschläge, in dieser Saison, von November bis April, waren es 327 Millimeter", rechnet Zandonda Tembo, 38, vor.

Der Beamte trägt ein Pepita-Sakko mit schwarzem Samtkragen, er ist zuständig für die regionale Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, aber es gibt nicht mehr viel zu vermarkten. "Vor zehn Jahren haben wir rund 60.000 Tonnen Mais produziert, 2019 sind es noch mickrige 5000 Tonnen."

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Dass seit nunmehr sechs, sieben Jahren die Regenfälle stetig zurückgehen, führt Tembo auf den Klimawandel zurück. Er glaubt, dass die jüngsten Wetterphänomene durch den Wirbelsturm Idai verursacht worden seien, die Ausläufer des Zyklons hätten die Feuchtfronten über Sambia einfach weggeblasen.

Das Ministerium versucht mit der Unterstützung internationaler Hilfsorganisationen, die Subsistenzbauern auf die veränderte Lage einzustellen und ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken. Sie lernen organischen Landbau, nachhaltige Bodenbearbeitung und Düngung, die Vermarktung ihrer Produkte durch E-Commerce. Sie werden beraten beim Bau von zusätzlichen Staudämmen und können sogar Versicherungen gegen Ernteausfälle abschließen. "Aber die Anpassung geht zu langsam, und es fehlt uns an den notwendigen Mitteln", sagt Tembo.

Das ganze Land schreit nach Wasser

Die Temperaturen in der Savanne sind jetzt, im Südwinter, erträglich. Das Problem ist die flächendeckende Trockenheit. Der Busch wirkt regelrecht ausgebleicht, die dürren Blätter rascheln wie Pergament, kein Grün weit und breit. Die meisten Bäche und Flüsse sind ausgetrocknet, auch der Pegel des riesigen Kariba-Stausees an der Grenze zum Nachbarland Simbabwe ist um drei Meter abgesunken. Das ganze Land schreit nach Wasser.

Im gesamten südlichen Afrika ist die Lage mittlerweile kritisch, denn der Subkontinent liegt in einer weitgehend ariden oder semi-ariden Zone, die besonders anfällig ist. Malawi, Sambia, Namibia, Simbabwe, Botsuana und Südafrika spüren die Folgen des Klimawandels immer stärker: größere Hitze, geringere Niederschläge, längere Dürreperioden.

Bündnis Entwicklung Hilft

Der Subkontinent befinde sich an der vordersten Front des globalen Klimawandels, stellt eine Studie des südafrikanischen Umweltministeriums fest.

Auf den Weiden im Süden Sambias stehen nur noch strohartige Gräser, die Rinder sind abgemagert, weil sie kaum noch Futter finden. Deshalb ziehen viele Viehzüchter mit ihren Herden in die wenigen Gegenden, die nicht so stark von der Dürre betroffen sind. Durch die unkontrollierte Wanderung breiten sich Viehseuchen aus.

Die weltweit höchste Entwaldungsrate pro Kopf

Die meisten Kleinfarmer in Kanchomba hätten noch nie vom Klimawandel gehört, sagt Emmanuel Hantobolo. Auch für ihn ist das nur ein abstrakter Begriff, er glaubt, dass die Krise vor allem hausgemachte Ursachen hat: das zunehmende Fällen der Bäume, um Brennholz zu gewinnen und die Brandrodungen, um neue Wirtschaftsflächen zu erschließen. Dadurch beschleunigt sich die Erosion. Wenn die ohnehin nährstoffarmen Böden ausgelaugt sind und nichts mehr hergeben, ist die Herstellung von Holzkohle eine alternative Einkommensquelle. Sambia hat die weltweit höchste Entwaldungsrate pro Kopf - ein Raubbau, der die Auswirkungen des Klimawandels verschärft.

Hantobolo steht vor seinem Kornspeicher, einem korbartigen Behälter auf Stelzen, darüber ein spitzkegeliges Reetdach. Der Speicher ist leer, die Not zwang seine Großfamilie, sogar das Saatgut aufzubrauchen. Er hat zehn Kinder, auf einem Holzgestell trocknen ein Dutzend Blechteller, aus dem sie jeden Tag Nshima essen, Maisbrei, das Grundnahrungsmittel in Sambia. Hantobolo hat ein paar Ziegen verkauft, aber das brachte nicht viel, weil derzeit alle Farmer ihr Vieh verkaufen und die Preise eingebrochen sind. Gleichzeitig wird durch die Ernteausfälle das Maismehl immer teurer: ein Sack mit 25 Kilogramm ist von 45 auf 115 Kwacha gestiegen, von umgerechnet drei auf acht Euro.

Die seit vier Jahren anhaltende Dürre treibt die Kleinbauern immer tiefer in die Armut, und wenn es in der kommenden Saison wieder zu wenig regnen sollte, droht eine Hungersnot. "Dann werden die Menschen sterben", sagt Emmanuel Hantobolo, "und es gibt nichts, was wir dagegen tun können. Wir können nur hoffen, dass uns der liebe Gott hilft."

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insgesamt 63 Beiträge
vulcan 16.09.2019
1. Klimawandel
Ist es nicht vielleicht ein wenig gewagt, diese Dürrekatastrophe sogleich dem 'Klimawandel' anzulasten? Das ist nicht die erste Katastrophe dieser Art in Afrika.
Ist es nicht vielleicht ein wenig gewagt, diese Dürrekatastrophe sogleich dem 'Klimawandel' anzulasten? Das ist nicht die erste Katastrophe dieser Art in Afrika.
Freidenker10 16.09.2019
2.
Dann sollten die internationalen Hilfslieferungen an die Bauern verteilt werden damit diese sie dann verkaufen können, sonst ruinieren die Hilfslieferungen am Ende noch die Bauern weil sie ihre Produkte nicht mehr zu Marktpreisen [...]
Dann sollten die internationalen Hilfslieferungen an die Bauern verteilt werden damit diese sie dann verkaufen können, sonst ruinieren die Hilfslieferungen am Ende noch die Bauern weil sie ihre Produkte nicht mehr zu Marktpreisen los werden, dann würde ein Wetterereignis zu einem Dauerzustand werden.
ned divine 16.09.2019
3. Wissenschaftlich weder fundiert noch belegt
Niemand kann sagen, ob es vor 200 oder 300 Jahren schon ähnlich extreme Dürreperioden gegeben hat. Wie kann man immer einfach so lapidar einfach nur den Klimawandel vorschieben. Klima ist keine feste berechenbare Größe, das [...]
Niemand kann sagen, ob es vor 200 oder 300 Jahren schon ähnlich extreme Dürreperioden gegeben hat. Wie kann man immer einfach so lapidar einfach nur den Klimawandel vorschieben. Klima ist keine feste berechenbare Größe, das Klima hat sich schon seit Mio Jahren gewandelt. Aber im Moment ist es ja gerade hip und schick, alles auf Ökokatastrophen zu reduzieren und den Klimawandel zu schieben. Und bitte auch ja alles verbieten was irgendwie in Verbindung mit C02-Ausstoß gebracht werden könnte. Bitte nicht mehr atmen, am besten..... Nichts desto trotz, es ist schlimm für die Menschen in Sambia, aber denen ist mit diesen Milchmädchen-Weisheiten in keinster Weise geholfen..... Das ist in ungefähr so wie "Kräht der hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist"
hanfried.maier 16.09.2019
4. Bevölkerungswachstum: 2,91% pro Jahr, Durchschnittsalter: 16,8
46% sind unter 15 Jahre und 65% unter 25! Einer solchen Bevölkerungsentwicklung würde selbst das Schlaraffenland überfordern. youth dependency ratio: 87.1 Selbstverantwortung sieht anders aus! Was erwartet man unter [...]
46% sind unter 15 Jahre und 65% unter 25! Einer solchen Bevölkerungsentwicklung würde selbst das Schlaraffenland überfordern. youth dependency ratio: 87.1 Selbstverantwortung sieht anders aus! Was erwartet man unter solchen Bedingungen?
Ienz 16.09.2019
5. Namibia
Ähnliches kann ich aus Namibia berichten. Arme Menschen, arme Tiere, arme Pflanzen. Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. Aber bestimmt finden sich (auch hier im Forum) wieder genügend Leute, die den Zusammenhang mit [...]
Ähnliches kann ich aus Namibia berichten. Arme Menschen, arme Tiere, arme Pflanzen. Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. Aber bestimmt finden sich (auch hier im Forum) wieder genügend Leute, die den Zusammenhang mit menschengemachten Emissionen abstreiten oder kleinreden.

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