Politik

US-Präsident zwischen Pleiten und Skandalen

Der Teflon-Trump

In Hanoi platzt Donald Trumps Friedensgipfel, in Washington wird er von seinem Ex-Anwalt Michael Cohen schwer belastet. Für politische Nachrufe auf den US-Präsidenten ist es trotzdem zu früh.

Foto: AFP
Ein Kommentar von , Washington
Donnerstag, 28.02.2019   20:30 Uhr

Blickt noch jemand durch? In diesem Durcheinander, das sich Präsidentschaft nennt? Donald Trump erlebt wieder einmal düstere Stunden. In Hanoi platzt der Gipfel mit Kim Jong Un, in Washington nennt ihn sein früherer Anwalt Michael Cohen bei seiner stundenlangen Anhörung einen "Betrüger" und "Rassisten". Alle sehen wieder einmal: viel Rauch, Drama, Schlagzeilen. Wie so oft im Trump-Zeitalter stellt sich die entscheidende Frage, was ist wirklich Sache?

Wer sich jetzt schon freut, dem sei gesagt, ob Trump nun als Präsident endgültig gescheitert ist, bald scheitern wird oder im kommenden Jahr abgewählt wird, ist längst nicht ausgemacht. Die Geschichte lehrt, der Mann besteht scheinbar aus Teflon. Alles perlt an ihm ab.

Bislang hat Trump die meisten Skandale und Niederlagen irgendwie überstanden. Er konnte sich immer wieder mit guten Anwälten, skrupellosen Tricks und etwas Glück aus den brenzligsten Situationen befreien.

Es gibt keine Anklage und kein Amtsenthebungsverfahren

Die Leidtragenden waren stets andere: Sein Ex-Anwalt Cohen, der nun ins Gefängnis geht. Die Banken, die Trump Geld geliehen haben und es dann abschreiben mussten. Die Abgeordneten der Republikaner, die bei den letzten Midterm-Wahlen ihre Sitze verloren haben, weil sie von den Wählern für Trumps Politik abgestraft wurden.

Im Video: "Trump ist da völlig blauäugig reingegangen"

Foto: SPIEGEL ONLINE

Es gibt bislang keine Anklage gegen Trump, es gibt kein Amtsenthebungsverfahren, dessen Ausgang ohnehin ungewiss wäre. Und es weiß auch niemand, was Russlandermittler Robert Mueller in seinem Abschlussbericht gegen Trump vorzubringen hat. Vielleicht erhebt er schwere Vorwürfe. Vielleicht kann er Trump aber auch kein Vergehen nachweisen, weil er tatsächlich unschuldig ist. Oder weil der Präsident so erfolgreich darin war, mögliche Spuren zu verwischen.

In anderen Bereichen ist es ähnlich: Dieser Korea-Gipfel in Hanoi ist geplatzt, weil Trump und seine Berater in ihrer Hybris die Lage völlig falsch eingeschätzt haben.

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Trump trifft Kim: Das Gipfel-Fiasko

Doch das bedeutet nicht, dass Trump insgesamt mit seiner Agenda am Ende wäre: Die Wirtschaft läuft. Er hat wie versprochen das Handelsabkommen mit Kanada und Mexiko neu verhandelt. Und er steht möglicherweise kurz vor einem Durchbruch in den Handelsgesprächen mit Peking. Klar, die China-Sache kann auch noch platzen. Sie kann aber auch klappen - und dann wäre Trump plötzlich wieder obenauf.

Trump wird weiter den Unschuldigen mimen

Nur einige Sicherheiten gibt es: Die Affären und Untersuchungen werden nicht weggehen. Dazu hat Trump nachweislich zu viele windige Geschäfte betrieben. Die Demokraten werden ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus bis zum Wahltag im kommenden Jahr nutzen, um weiter gegen ihn zu ermitteln. Trump wird weiter den Unschuldigen mimen und seine Anhänger werden weiter "Lüge" und "Verrat" schreien, weil sie ihm bislang alles durchgehen lassen.

Wenn es Trump tatsächlich gelingt, die kommenden Monate politisch zu überleben, haben im November 2020 allein die amerikanischen Wähler das Wort. Wollen sie dieses Drama, dieses Chaos und den Lärm noch vier weitere Jahre ertragen oder nicht. Eigentlich eine einfache Entscheidung, sollte man meinen.

insgesamt 69 Beiträge
Neandiausdemtal 28.02.2019
1. Falsches Bild
Bitte in Zukunft nur noch das Bild nutzen, wo Hanoi-Donald unter dem großen Onkel Ho steht. Einfach köstlich!
Bitte in Zukunft nur noch das Bild nutzen, wo Hanoi-Donald unter dem großen Onkel Ho steht. Einfach köstlich!
vulcan 28.02.2019
2.
Wieso ist es plötzlich "sein" (Trumps) Friedensgipfel? War Kim nicht auch da? Für den ist das Ding auch geplatzt, nicht?
Wieso ist es plötzlich "sein" (Trumps) Friedensgipfel? War Kim nicht auch da? Für den ist das Ding auch geplatzt, nicht?
saaman 28.02.2019
3. Trump der Wichtigtuer mit großem Versagerpotential
Das was Trump alles daneben geht wäre nicht ganz so tragisch, wenn er nicht eine so wichtigtuerische Klappe hätte. Das hat ein simples, leicht zu durchschauendes Muster. Alles, was er sich großmundig zutraut, alles was er an [...]
Das was Trump alles daneben geht wäre nicht ganz so tragisch, wenn er nicht eine so wichtigtuerische Klappe hätte. Das hat ein simples, leicht zu durchschauendes Muster. Alles, was er sich großmundig zutraut, alles was er an sich lobt, das bewahrheitet sich gegenteilig als das, was er nicht kann. Was er kann ist große Reden schwingen. Dazu hat er sich noch nicht gelobt.
totalausfall 28.02.2019
4. Wäre nicht soo überraschend, wenn Trump wieder gewählt wird.
Ich erinnere nur an Bush Junior. War man sich hier auch einig, dass der unmöglich wieder gewählt werden kann - und er wurde. Letztendlich ist Trump zwar ein Dödel, aber es ist nicht so dass er breitflächig seine Ziele [...]
Ich erinnere nur an Bush Junior. War man sich hier auch einig, dass der unmöglich wieder gewählt werden kann - und er wurde. Letztendlich ist Trump zwar ein Dödel, aber es ist nicht so dass er breitflächig seine Ziele verfehlt.Wenn er nicht so aufreten würde, würde man ihn wohl ganz anders bewerten!
Hörbört 28.02.2019
5. Eigentlich wundert das nicht
...denn wie heißt es so schön: "Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens."
...denn wie heißt es so schön: "Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens."
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