Politik

Pride-Parade in Polen

Polizei muss Demonstranten vor Homophoben schützen

Neben Beschimpfungen flogen Flaschen und Eier: Homophobe Gegendemonstranten haben eine Pride-Parade im polnischen Lublin angegriffen. Über Verletzte ist nichts bekannt. Mehrere Personen wurden festgenommen.

AFP

Homophobe Gegendemonstranten in Lublin

Sonntag, 29.09.2019   20:26 Uhr

Mit Regenbogenflaggen und Plakaten mit Aufschriften wie "Jesus hat uns Liebe gelehrt" und "Homophobie bedroht polnische Familien" zogen die rund 400 Teilnehmer der zweiten Pride-Parade in Lublin durch die Straßen. "Wir sind normal, ihr seid abartig", schallte es ihnen entgegen. Zur verbalen Gewalt kamen auch tätliche Angriffe: homophobe Gegendemonstranten bewarfen die Parade mit Flaschen und Eiern. Die Polizei ging dazwischen und setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Mehrere Personen wurden festgenommen.

Vorangegangen war ein Rechtsstreit um die Demonstration für mehr Akzeptanz gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT). Erst Anfang der Woche hatte ein Gericht ein von Lublins Bürgermeister Krzysztof Zuk verhängtes Verbot der Veranstaltung gekippt. Zuk hatte Sicherheitsbedenken geltend gemacht. Bereits im Juli hatten Hooligans die Teilnehmer einer Gay-Pride-Parade in Bialystok mit Steinen, Böllern und Flaschen attackiert.

Regierungspartei ist "frei von der LGBT-Ideologie"

Der Umgang mit der LGBT-Community wird in dem traditionell katholischen Land vor der Parlamentswahl am 13. Oktober kontrovers diskutiert. Im Juli untersagte ein Gericht es der nationalkonservativen Zeitschrift "Gazeta Polska", homophobe Aufkleber mit der Aufschrift "Dies ist eine LGBT-freie Zone" zu vertreiben.

Kommunale Vertreter der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) bezeichnen sich regelmäßig als "frei von der LGBT-Ideologie". PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski hat in der Vergangenheit Homosexuellen-Rechte als "Bedrohung" für die traditionelle polnische Familie bezeichnet.

Auch die Kirche nimmt in Polen eine zentrale Rolle im Kampf gegen Homosexuellen-Rechte ein. Der polnische Erzbischof Marek Jedraszewski bezeichnete die LGTB-Bewegung im August als "neue Plage" nach dem Ende der "roten Plage" des Kommunismus. Demonstranten in Warschau und Krakau forderten daraufhin seinen Rücktritt.

löw/AFP/Reuters

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