Politik

Afghanistan-Reise

US-Verteidigungsminister Esper will Gespräche mit Taliban wieder aufnehmen

Im September brach der US-Präsident Verhandlungen mit den Taliban überraschend ab. Nun ist Donald Trumps Verteidigungsminister nach Afghanistan gereist. Dabei soll es auch um Friedensverhandlungen gehen.

Lolita C. Balbor/ AP

US-Verteidigungsminister Mark Esper bei seiner Ankunft in Kabul

Sonntag, 20.10.2019   15:16 Uhr

US-Verteidigungsminister Mark Esper ist überraschend nach Afghanistan gereist. Die Washingtoner Regierung bemüht sich derzeit, die Gespräche mit den radikal-islamischen Taliban wieder in Gang zu bringen, nachdem Präsident Donald Trump die Verhandlungen unlängst abrupt abgebrochen hatte.

Ziel sei weiterhin eine Friedensvereinbarung mit den Taliban, sagte Esper vor Journalisten, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Geplant war demnach eine Unterredung mit dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani sowie ein Besuch bei US-Truppen.

Anfang September hatte Trump die Friedensgespräche mit den Taliban beendet. Der US-Präsident begründete die Absage der Gespräche mit dem jüngsten Anschlag in Kabul, bei dem zwölf Menschen getötet wurden, darunter ein US-Soldat (mehr dazu lesen Sie hier).

Truppenverlegung in den Irak

Espers Afghanistan-Besuch kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt: Die USA haben abrupt ihre Truppen aus Nordsyrien abgezogen und damit eine Kettenreaktion ausgelöst (mehr dazu lesen Sie in der SPIEGEL-Titelgeschichte). Die Türkei begann mit ihrer Militäroffensive gegen kurdische Milizen in der Region, die dort, verbündet mit den USA, gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kämpfte.

Nun gibt es unter anderem Befürchtungen, dass dort inhaftierte IS-Kämpfer fliehen könnten. Das würde auch die Sicherheitslage in Europa beeinflussen.

Esper erklärte vor seiner Reise nach Afghanistan, dass nahezu alle aus Syrien abrückenden US-Truppen in den Irak verlegt werden sollen. Im Westen des Landes sollen die rund 1000 Soldaten dann den Feldzug gegen die IS-Terrormiliz fortsetzen. Der Truppenabzug laufe zügig weiter, er werde "Wochen, nicht Tage" dauern, sagte Esper.

Zuletzt war damit gerechnet worden, dass einige der Soldaten, bei denen es sich mehrheitlich um Spezialkräfte handelt, neben dem Irak auch nach Jordanien beziehungsweise zurück in die USA verlegt werden könnten.

mho/Reuters

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