Politik

Massaker in Orlando

Drei tödliche Stunden

Schwer bewaffnet betrat Omar Mateen das Pulse in Orlando. Drei Stunden dauerte das Töten in dem Schwulenklub. Eine Chronologie der Ereignisse.

DPA/ Univision Florida Central
Montag, 13.06.2016   19:13 Uhr

Der Ablauf des Anschlags von Orlando wird immer klarer. Aus Berichten der Polizei in Florida und von US-Medien lässt sich nachvollziehen, was in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Schwulenklub Pulse geschah. Die Nachrichtenagentur AFP hat eine zeitliche Übersicht erstellt:

Kurz vor 2 Uhr: Der Attentäter Omar Mateen ist von seinem rund 180 Kilometer entfernten Wohnort Fort Pierce angereist und stellt seinen Wagen auf dem Parkplatz des Pulse ab. Er ist mit einem Sturmgewehr des Typs AR-15, einer Handfeuerwaffe und großen Mengen Munition bewaffnet.

Kurz nach 2 Uhr: Mateen eröffnet in dem Lokal, in dem gerade eine Latino-Nacht gefeiert wird, das Feuer. Nach den ersten Schüssen verlässt er den Klub. Draußen kommt es zu einem Feuergefecht mit einem Polizisten, der außerhalb seines Dienstes als Sicherheitsmann im Pulse arbeitet. Der Täter stürzt in das Innere des Klubs zurück.

Zahlreichen Menschen gelingt derweil die Flucht auf die Straße. Andere verstecken sich in den Toiletten, von wo aus sie per Anruf oder SMS um Hilfe rufen. Bald treffen weitere Polizisten zur Verstärkung ein. Sie stürmen in das Innere des Klubs und liefern sich eine Schießerei mit dem Täter. Mateen flüchtet in eine Toilette, wo er vier oder fünf Menschen als Geiseln nimmt.

Gegen 3 Uhr: Erst jetzt veröffentlicht das Pulse eine Warnung auf seiner Facebookseite: Jeder solle den Klub verlassen und "immer weiterlaufen". Ein Sondereinsatzkommando der Polizei und ein gepanzertes Fahrzeug sind inzwischen vor dem Klub angekommen. Mateen ruft die Notrufnummer 911 an und bezeichnet sich als Gefolgsmann der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

Zwischen etwa 3 und 5 Uhr: Unterhändler der Polizei telefonieren mit dem Täter. Mateen spricht nach Angaben der Polizei davon, dass er eine Sprengstoffweste trage und überall in dem Klub Sprengstoff platziert sei. Die Polizei fürchtet um das Leben der Geiseln und beschließt deshalb, sie mit Gewalt zu befreien.

Gegen 5 Uhr: Durch eine "kontrollierte Sprengung" will die Polizei ein Loch in der Wand zu einem WC öffnen, das gegenüber jenem liegt, wo Mateen mit seinen Geiseln verschanzt ist. In dieser zweiten Toilette haben sich 15 Menschen versteckt, die in telefonischem Kontakt zur Polizei standen. Doch die Sprengung misslingt. Stattdessen setzt das Kommando nun das gepanzerte Fahrzeug ein, um die Mauer auf etwa einem Meter Breite einzureißen.

Der Täter stürmt durch das Loch ins Freie und schießt auf die Polizisten. In dem Feuergefecht wird er getötet. Eine Kugel des Täters trifft einen Polizisten am Kopf, doch dank seines Helms kommt der Beamte mit dem Leben davon. Etwa 30 Menschen werden bei dem Einsatz aus dem Nachtklub befreit. 49 Menschen und der Täter sind tot, mehr als 50 verletzt.

Videoanalyse: "Die Solidarität funktioniert"

Foto: SPIEGEL ONLINE

als/AFP

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP