Politik

MH17-Abschuss

Niederlande kritisieren Übergabe von prorussischem Kommandanten

298 Menschen starben beim Abschuss des Passagierflugs MH17. Als Schlüsselzeuge gilt ein ehemaliger Kommandeur einer prorussischen Einheit. Er wurde nun nach Russland ausgeflogen - sehr zum Missfallen der Niederlande.

Sergei Supinsky/ AFP

Wladimir Zemach (bei einer Anhörung in Kiew am 5. September): Niederlande waren gegen Übergabe

Sonntag, 08.09.2019   15:07 Uhr

Nach einem Gefangenenaustausch zwischen der Ukraine und Russland haben es die Niederlande sehr bedauert, dass ein ehemaliger Kommandeur einer prorussischen Luftabwehreinheit freigelassen und nach Moskau ausgeflogen wurde.

Wladimir Zemach könne eine wesentliche Rolle bei den internationalen Ermittlungen zum Abschuss der Passagiermaschine MH17 spielen, teilte das niederländische Außenministerium dem Parlament in Den Haag am Samstagabend mit.

"Die Regierung hatte die entsprechenden ukrainischen Behörden gedrängt, Herrn Zemach nicht am Gefangenaustausch zu beteiligen", heißt es in dem Brief. Auf Druck aus Den Haag hätten die Ermittler den Mann noch vor der Übergabe an Russland verhören können. Einzelheiten zu der Aussage wurden nicht mitgeteilt.

Gleb Garanich/ REUTERS

Russische Maschine (links) vor dem Gefangenenaustausch auf dem Kiewer Flughafen Boryspil

Die Boeing der Malaysia Airlines war 2014 über umkämpftem Gebiet der Ostukraine von einer russischen Buk-Rakete abgeschossen worden. Alle 298 Menschen an Bord wurden getötet. Die meisten Opfer waren Niederländer.

Wladimir Zemach soll damals das Kommando über die Luftabwehr gehabt haben und beim Abtransport des Buk-Geschützes beteiligt gewesen sein. Eine ukrainische Spezialeinheit hatte ihn im Juni im Donbass gekidnappt und nach Kiew gebracht, wo er in Haft saß.

Lesen Sie hier eine Analyse zum Thema: Selenskyjs Austausch hat seinen Preis

sen/dpa

insgesamt 15 Beiträge
Emderfriese 08.09.2019
1. Schuld
"...Auf Druck aus Den Haag hätten die Ermittler den Mann noch vor der Übergabe an Russland verhören können. Einzelheiten zu der Aussage wurden nicht mitgeteilt..." Wenn man den Mann verhört hat, werden die Experten [...]
"...Auf Druck aus Den Haag hätten die Ermittler den Mann noch vor der Übergabe an Russland verhören können. Einzelheiten zu der Aussage wurden nicht mitgeteilt..." Wenn man den Mann verhört hat, werden die Experten sicherlich auch wissen, was er zu sagen hatte. Für den anstehenden Prozess würden doch zunächst diese Aussagen reichen: Hat er sich schuldig bekannt im Sinne der Vorwürfe oder nicht?
juba39 08.09.2019
2. Blinder Aktivismus...
...oder Panik pur. Jetzt gehen die Holländer schon dazu über, vor lauter Panik rechtliche Standards über den Haufen zu werfen. Das wäre nämlich ein Novum in der Rechtsgeschichte, daß für ZEUGEN auslieferungsgesuche gestellt [...]
...oder Panik pur. Jetzt gehen die Holländer schon dazu über, vor lauter Panik rechtliche Standards über den Haufen zu werfen. Das wäre nämlich ein Novum in der Rechtsgeschichte, daß für ZEUGEN auslieferungsgesuche gestellt werden. Wollen die Ermittler etwa einen Zeugen inhaftieren? Wie wärs dann mal mit Waterbording? Schon der Umgang mit den neuen Erkenntnissen aus Deutschland, Holland und Malaysia offenbarten doch schon die Kopflosigkeit. Da ermitteln malaysische Audiophorensiker, daß die ukranischen Tonaufnahmen, die uns doch bis zum Erbrechen vorgespielt wurden, gefälscht/gecuttert sind. Da gibt es russische Zeugen, neuen Dokument, evtl geheime Sat-Aufnahmen der USA. Und die Besitzer dieser Belege wollen die, nicht offenlegen, aber unter Zeugnis von Journalisten an die Ermittler übergeben. Die das jedoch verweigern. Beim Umgang mit den "Ermittlungsergebnissen" von Bellingcat zeigte man nicht so viel Zurückhaltung. Überhaupt, aus juristischer Sicht, und das weiß das Ermittlerteam auch, sind die "Beweise" von Bellingcat zwar medial toll brauchbar, vor einem unabhängigem Gericht allerdings wertlos. Da es sich ja bei dieser Truppe weder um ein staatliches Ermittlungsorgan, noch einen Auftragnehmer der offiziellen Ermittler handelt. Was dem Ermittlerteam allerdings die Beine weghauen kann, sind die offensichtlichen Verweigerungen, rechtsstaatlich ein MUSS, auch entlastende Beweise zu berücksichtigen. Und das tun sie eben nicht. Wer noch ein Indiz dafür braucht. Weltweit halten sich alle Haftpflichtversicherer der Opferangehörigen merkwürdig zurück. Und das wäre bei einer klareren Beweislage ganz anders. Man hat den Eindrück, mit einem Ergebnis "Verkettung unglücklicher Umstände", wären viele mehr als zufrieden.
bran_winterfell 08.09.2019
3. #1
Interessante Frage, dass wird man wohl erst Jahre später erfahren, wenn überhaupt. Grundlegend ändern würde sich aber dadurch nichts, wer bis jetzt treudoof die russischen Erklärungen zu MH17 (und Skripal, grünen Männchen [...]
Interessante Frage, dass wird man wohl erst Jahre später erfahren, wenn überhaupt. Grundlegend ändern würde sich aber dadurch nichts, wer bis jetzt treudoof die russischen Erklärungen zu MH17 (und Skripal, grünen Männchen und Co) glaubt, für den wäre ein Geständnis nur eine weitere false flag Aktion der bösen USAsralischen Weltverschwörung - einzig ein 'ja, wie waren es' von Putin wurde da als Beweis akzeptiert werden. Ist aber schon komisch, warum die Russen ausgerechnet auf diesen Mann soviel Wert gelegt haben...
Duzend 08.09.2019
4. Was ist mit Josef Resch?
Die Frage ist doch: Welchen Unterschied macht es, ob Josef Resch alles, was er zu dem Fall MH17 an Indizien zusammengetragen hat, selbst im Rahmen einer gerichtlichen Untersuchung vortragen darf oder ob er das Material einfach nur [...]
Die Frage ist doch: Welchen Unterschied macht es, ob Josef Resch alles, was er zu dem Fall MH17 an Indizien zusammengetragen hat, selbst im Rahmen einer gerichtlichen Untersuchung vortragen darf oder ob er das Material einfach nur einsenden soll? Das kann sich jeder selbst beantworten. Fakt ist, dasss ihm bis heute nur letztere Variante angeboten wird. Wen oder was fürchtet diese Kommission? Der Fall ist längst nicht nach den Gesichtspunkten maximal ergebnisoffener Wahrheitsfindung geklärt. Deshalb finde ich es auch irgendwie blöd, wenn jetzt in der Presse schon wieder verurteilt wird. Der Job der Presse wäre es, auf Aufklärung zu dringen, Ungereimtheiten zu benennen.
-william- 08.09.2019
5. zu Kommentar Nr. 1
Genau, der hat sicherlich alles ganz detailliert geschildert und sich schuldig bekannt. Au man.... Wenn man weiß, dass man in der nächsten halben Stunde nach Hause fliegt und da nichts mehr zu befürchten hat, dann überlegen [...]
Genau, der hat sicherlich alles ganz detailliert geschildert und sich schuldig bekannt. Au man.... Wenn man weiß, dass man in der nächsten halben Stunde nach Hause fliegt und da nichts mehr zu befürchten hat, dann überlegen Sie sich bitte was Sie gesagt hätten.

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