Politik

Mögliche Obama-Herausforderer

Die ratlosen Neun

Barack Obamas Beliebtheit steigt wieder, umso nervöser sichten die Konservativen ihr Lager: Wer kann den Präsidenten im kommenden Jahr herausfordern? Tea-Party-Liebling Sarah Palin halten viele für nur bedingt tauglich. Aber auch andere mögliche Kandidaten überzeugen nicht.

REUTERS
Von , Washington
Freitag, 18.02.2011   05:55 Uhr

Viele US-Wahlkampfstrategen haben einen Spruch parat, der gut für ihr Geschäft ist. Sie sagen, jeder Wahlkampf sei spannend und unvorhersehbar - doch für den unmittelbar bevorstehenden gelte das ganz besonders. Der Spruch nervt. Allerdings könnte er diesmal sogar stimmen, zumindest aus Sicht der Republikaner.

Deren Vorwahl im kommenden Jahr sei "die undurchschaubarste in meinem Leben", sagt David Axelrod, Chefberater von US-Präsident . Niemand könne zurzeit einschätzen, wer 2012 zum republikanischen Präsidentschaftsbewerber gekürt werde.

Denn während Obama auf Demokratenseite als Kandidat gesetzt ist und keine parteiinternen Herausforderer fürchten muss, ist bei den Konservativen das Feld noch weit offen. Ein hochrangiges Treffen der Republikaner-Rechten führte diese Schwäche gerade vor Augen. Die meisten Schlagzeilen beim CPAC, der Conservative Political Action Conference in Washington, erntete Baumogul Donald Trump, der mit einer Präsidentschaftskandidatur liebäugelt. Trump, mehrfach geschieden und ausgesprochen schillernd, hätte keine Chance, doch er unterhielt das konservative Publikum bestens.

Eine Probeabstimmung unter den CPAC-Delegierten wiederum gewann Ron Paul, ein ebenso exzentrischer Kongressabgeordneter aus Texas, der die Kriege in Afghanistan und Irak sofort stoppen möchte und für die Abschaffung der US-Notenbank wirbt.

"Ron Paul hat keine Chance, gewählt zu werden", rief Trump, der auch nicht gewählt werden könnte, prompt beleidigt. Seither liegen die beiden Männer öffentlich im Clinch, die US-Medien berichten genüsslich.

Die Herausforderer fallen vor allem durch ihre Schwächen auf

Präsidentschaftskandidaten, die es ernster meinen, waren zwar ebenfalls beim CPAC-Treffen vertreten. Doch ihren Reden hörte kaum jemand zu - sie sind einfach zu langweilig. Überwiegend durch ihre Schwächen fallen alle übrigen möglichen Herausforderer von Obama auf:

Mitt Romney, schon vor vier Jahren Bewerber und erfolgreicher Geschäftsmann: Er hofft, mit Wirtschaftskompetenz zu punkten. Doch bei der letzten Wahl erschien er vielen als wenig authentisch. Zudem hat Romney einst als Gouverneur im liberalen Massachusetts eine Gesundheitsreform verabschiedet, die der von Obama sehr ähnlich ist. Das nehmen ihm Ultrakonservative bis heute übel.

• Ehemalige Landesväter wie Tim Pawlenty oder Mike Huckabee: Der erste, Ex- Gouverneur von Minnesota, gilt als langweilig und unbekannt. Der zweite gewann 2008 zwar überraschend die Republikaner-Auftaktwahl in Iowa, ist leutselig und als Ex-Baptistenprediger beliebt bei den religiösen Rechten. Doch als Gouverneur von Arkansas begnadigte er einst einen Mann, der später des Mordes an vier Polizisten angeklagt wurde.

• Neue Hoffnungsträger wie Jon Huntsman, derzeit noch Obamas Botschafter in China, oder John Thune, Senator von South Dakota: Huntsman hat gerade seinen Rückzug als Diplomat angekündigt, er verfügt über ein großes Familienvermögen und gilt als pragmatischer Wirtschaftsfachmann. Doch sein Botschafteramt unter Obama dürfte ihn bei Konservativen Punkte kosten. Thune ist telegen und wirkt jugendlich, aber steht bislang kaum für politische Projekte und scheint eine Kandidatur auch nicht ernsthaft zu erwägen.

Newt Gingrich, Anführer der konservativen Revolution im US-Kongress in den neunziger Jahren und damals erbitterter Widersacher von Präsident Bill Clinton: Er gilt als Vordenker der Republikaner, er stilisierte sich zudem geschickt zum Wortführer der Erinnerung an Republikanerikone Ronald Reagan. Zu dessen 100. Geburtstag veröffentlichte Gingrich gerade einen Bildband. Aber vielen erscheint der Professor zu verkopft, er war zudem als Sprecher des Repräsentantenhauses in diverse Skandale verwickelt.

• Und natürlich Sarah Palin: Die ehemalige Vizepräsidentschaftskandidatin könnte auf das größte Medienecho, die meisten Spenden, die treueste Fanbasis zählen, sollte sie in das Republikanerrennen einsteigen. Ihr bleibt daher noch viel Zeit, um sich zu erklären. Gerade hat sie einen Stabschef eingestellt, was Beobachter als Zeichen für eine ernsthafte Kandidatur deuteten. Doch ansonsten unternahm Palin wenig, um eine glaubhafte Bewerberin zu werden - wichtigen Vorwahlstaaten wie Iowa oder New Hampshire stattete sie bislang kaum Besuche ab. In Umfragen liegt sie dort abgeschlagen, viele Konservative zweifeln an ihrer Eignung für das Präsidentenamt.

Tea Party immer selbstbewusster

"Das Republikanerfeld ist noch so schwach", stöhnt der konservative TV-Kommentator Juan Williams. Viele Parteivertreter hoffen auf ein neues Gesicht, "jemand, den wir bislang noch gar nicht auf dem Schirm haben", sagt Bill Kristol, einflussreicher Chef der rechten Intellektuellenfibel "Weekly Standard". Zeit bleibt noch, die konservativen Vorwahlen beginnen diesmal etwas später als vor vier Jahren, frühestens im Februar 2012.

Abzuwarten bleibt auch, wie weit der Einfluss der radikalen Tea-Party-Bewegung reicht. Deren Vertreter präsentieren sich nach ihrem starken Abschneiden bei den Kongresswahlen ausgesprochen selbstbewusst: Als Obama Ende Januar seine Rede zur Lage der Nation hielt, bestand Tea-Party-Ikone Michele Bachmann auf einer eigenen TV-Antwort - und stahl dem offiziellen Republikanersprecher, der ebenfalls Obama antwortete, so die Schau.

Kommendes Jahr könnten die rechten Aktivisten zumindest sicherstellen, dass jeder konservative Kandidat auf ihre Forderungen nach weniger Staat eingehen muss - wenn sie nicht sogar einen eigenen Bewerber ins Präsidenten-Rennen schicken sollten. "Gegen die Tea-Party-Bewegung Kandidat der Republikaner zu werden, wird 2012 schwer", glaubt Experte Kristol.

Doch es bleibt ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Obamas Beliebtheitswerte steigen wieder, obwohl die US-Arbeitslosigkeit ausgesprochen hoch bleibt. Hält dieser Trend an oder belebt sich Amerikas Wirtschaft gar, könnten viele Republikaner-Kandidaten ihren Anlauf aufs Weiße Haus überdenken. Denn Obama, der mit bis zu einer Milliarde Dollar Spendengelder rechnen kann und bei den wichtigen US-Minderheiten populär bleibt, ist ein formidabler Gegner.

Kristols Prognose: "Hat der Präsident weiter Aufwind, dürften aussichtsreiche konservative Kandidaten eher bis 2016 warten."

insgesamt 59 Beiträge
b.oreilly 18.02.2011
1. einer fehlt!
Was sich mir nicht ganz entschliesst ist der Fakt, das John Boehner http://de.wikipedia.org/wiki/John_Boehner auf der Liste fehlt. Abwegig ist eine Kandidatur von Sarah Palin. Darauf hat der einst erfolgreiche Wahlkampfmanager [...]
Was sich mir nicht ganz entschliesst ist der Fakt, das John Boehner http://de.wikipedia.org/wiki/John_Boehner auf der Liste fehlt. Abwegig ist eine Kandidatur von Sarah Palin. Darauf hat der einst erfolgreiche Wahlkampfmanager der Bush-Präsidenten mehrfach hingewiesen. Diesen Fehler werden die Republikaner nicht nocheinmal machen. Von den neun genannten hätte m.E. lediglich Mitt Romney eine Chance. Anbetracht seines Alters(Jahrgang 1947) könnte er eine Kandidatur nicht bis ins Jahr 2016 verschieben. Großes Fragezeichen wäre allerdings der stark angeschlagene Gesundheitszustand von Ann Romney, die die Rolle einer Firstlady wahrscheinlich nicht angemessen ausfüllen könnte. Es wäre also vorstellbar dass John Boehner als Präsident und Mitt Romney als sein Vize kandidieren. Einzig mit dieser Formation hätten die Republikaner eine reelle Chance dem derzeitigen Treiben im Weißen Haus ein Ende zusetzen.
notty 18.02.2011
2. Palin appears pale....
Dass, was Palin bis jetzt an Perfomance gezeigt hat, laesst einem ein bischen die Gaensehaut aufkommen. Sie wuerde, wenn der unwahrscheinliche Umstand eintraete. G.W. Bush noch in seiner "Expertise" weit [...]
Zitat von sysopBarack Obamas Beliebtheit steigt wieder, umso nervöser sichten die Konservativen ihr Lager: Wer kann den Präsidenten im kommenden Jahr herausfordern? Tea-Party-Liebling*Sarah Palin halten viele für nur bedingt tauglich. Aber auch andere mögliche*Kandidaten überzeugen nicht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,746057,00.html
Dass, was Palin bis jetzt an Perfomance gezeigt hat, laesst einem ein bischen die Gaensehaut aufkommen. Sie wuerde, wenn der unwahrscheinliche Umstand eintraete. G.W. Bush noch in seiner "Expertise" weit uebertreffen.... Aber....Amerika ist das land der unbegrenzten.....na ja... Moeglichkeiten. Vielleicht hat sie sogar eine Chance.
Trondesson 18.02.2011
3. -.-
Palin nur "bedingt tauglich"? Schlechter Witz. "UNbedingt UNtauglich" sollte es wohl heißen.
Palin nur "bedingt tauglich"? Schlechter Witz. "UNbedingt UNtauglich" sollte es wohl heißen.
chauker 18.02.2011
4. Ron Paul
...ist die einzige Alternative, sonst wird sich die Politik der USA kaum unterscheiden ob nun die Republikaner oder die Demokratten an die Macht kommen!!! Und ob der "exzentrisch" ist nur weil "...er der die [...]
...ist die einzige Alternative, sonst wird sich die Politik der USA kaum unterscheiden ob nun die Republikaner oder die Demokratten an die Macht kommen!!! Und ob der "exzentrisch" ist nur weil "...er der die Kriege in Afghanistan und Irak sofort stoppen möchte und für die Abschaffung der US-Notenbank wirbt." ??? - Sehr kurzsichtige Sicht der Dinge!! Meiner Meinung nach sind es die ersten vernünftigen Ansätze einer zukunftsorientierten und USA-freundlichen Politik, schade nur dass es erst jetzt kommt!!! Selbst Ron Paul wird jetzt nichts mehr retten können, es ist zu spät, USA ist schon zu tief in dem Morast drin als da noch was zu machen wäre!
elbröwer 18.02.2011
5. Miss Reaktionär
Wie kann man Dummtier Palin, auch nur für bedingt tauglich halten.
Wie kann man Dummtier Palin, auch nur für bedingt tauglich halten.

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