Politik

Trump und der Mueller-Bericht

Freispruch dritter Klasse

Die ganz große Verschwörung wird durch den Bericht von Sonderermittler Robert Mueller nicht enttarnt. Dennoch stellt er dem Präsidenten ein verheerendes Zeugnis aus.

Andrew Harnik/ AP

Donald Trump

Ein Kommentar von
Freitag, 19.04.2019   15:51 Uhr

Jetzt ist also alles in Ordnung? Der Mueller-Bericht ist endlich öffentlich. Trump oder seinem Umfeld konnten keine Straftaten nachgewiesen werden. Auch zu einer Anklage in Sachen Justizbehinderung kommt es nicht. Ist die Sache also ausgestanden? Ist Trump der große Sieger? Und seine Kritiker sind die Verlierer?

Wenn es doch nur so einfach wäre. Die Wahrheit ist leider komplizierter - und unbequemer - für alle Seiten.

Fest steht: Die ganz große Verschwörung wurde hier nicht enttarnt. Aber: Der Mueller-Bericht stellt dem Präsidenten ein verheerendes Zeugnis aus. Für ihn ist der Bericht - wenn überhaupt - nur ein Freispruch dritter Klasse.

Lügen, Manipulationen und miese Tricks

Wer dieses einzigartige Zeitdokument genau studiert, erhält einen Einblick in eine Welt von Lügen, Manipulation und miesen Tricks. In dieser Welt heiligt der Zweck fast jedes Mittel. Es ist Donald Trumps Welt.

Der Präsident und seine Familie werden zwar nicht in Handschellen aus dem Weißen Haus abgeführt, wie manch ein Trump-Gegner schon frohlockte. Aber auch wenn eine Strafverfolgung aus Mangel an Beweisen nicht möglich ist, so liegen doch mindestens Verstöße gegen sämtliche ethischen und moralischen Standards vor, die üblicherweise an einen Präsidenten der Vereinigten Staaten und seine Vertrauten anzulegen wären.

Russische Agenten haben auf Trumps Sieg hingearbeitet, Trump und seine Mitstreiter haben die Hilfe dieser fremden Macht nur zu gern angenommen. Und: Als die Ermittler des FBI die Sache durchleuchten wollten, wurde gelogen, dass sich die Balken biegen. Mögliche Beweismittel wurden vernichtet. Viele Fragen blieben unbeantwortet.

Der Chef selbst hat dann die Ermittlungen in einer Weise torpediert, dass Robert Mueller und die Ermittler ein bemerkenswertes Fazit ihrer Arbeit zogen: Trump wird ausdrücklich nicht vom Vorwurf der Justizbehinderung freigesprochen - stattdessen schieben die Ermittler diese Entscheidung mit allerlei juristischen Begründungen in Richtung Kongress ab.

Amerika ist der Affäre überdrüssig

Die Uhren werden nun wieder zurückgedreht. Die Demokraten werden im Kongress versuchen, die Affäre weiter aufzuklären. Eine Amtsenthebung erscheint dennoch unwahrscheinlich, dazu reichen die Stimmen der Opposition nicht aus. Trump und die Republikaner werden alle Schritte in diese Richtung blockieren.

Amerika ist der Affäre langsam, aber sicher überdrüssig. Der Mueller-Bericht zementiert nur die Spaltung in Trump-Freunde und Trump-Gegner. Wer Trump vorher schon für schuldig hielt, wird dies auch weiterhin so sehen. Und wer ihn für unschuldig hielt, wird seine Meinung nun erst recht nicht mehr ändern.

Die entscheidende Frage ist jetzt, welche der beiden Gruppen bei der nächsten Präsidentenwahl am 3. November 2020 größer ist.

insgesamt 87 Beiträge
claus7447 19.04.2019
1. Für eine Bewertung von Trump...
.... war Mueller's Bericht nicht unbedingt notwendig. Wer bei klarem Verstand war, dem Werte und Anstand noch wichtig waren weiß über Donny's Charaktereigenschaften Bescheid. Dabei versuchen seine Anhänger ihn noch zu [...]
.... war Mueller's Bericht nicht unbedingt notwendig. Wer bei klarem Verstand war, dem Werte und Anstand noch wichtig waren weiß über Donny's Charaktereigenschaften Bescheid. Dabei versuchen seine Anhänger ihn noch zu übertreffen.
holwin 19.04.2019
2. Wechselwähler?
Über Lügen, Versuche Mueller Untersuchung zu verhindern etc. wurde ja schon im Vorfeld vielfach in der Presse berichtet. Der offiziellen Untersuchung Muellers wird nun hoffentlich mehr Glauben geschenkt! Auch in den USA soll es [...]
Über Lügen, Versuche Mueller Untersuchung zu verhindern etc. wurde ja schon im Vorfeld vielfach in der Presse berichtet. Der offiziellen Untersuchung Muellers wird nun hoffentlich mehr Glauben geschenkt! Auch in den USA soll es ja Wechselwähler geben...Wenn schon nicht die Hardcore Trump Fans erreicht werden, so vielleicht doch die Wechselwähler, die ja oft genug das Zünglein an der Waage sind. Ein Präsident der von seinen eigenen Leuten vor sich selbst geschützt werden muß und diese Personen auch noch später entlässt...allein das disqualifiziert Trump als Präsidenten!!
sven2016 19.04.2019
3. Auch Al Capone und seine Bande
konnten für ihre Verbrechen nicht zur Rechenschaft gezogen werden (lediglich einige Helfer gingen ins Gefängnis). Gefasst wurde er durch die Steuervermeidung und ein paar juristische Tricks. Das könnte auch hier noch [...]
konnten für ihre Verbrechen nicht zur Rechenschaft gezogen werden (lediglich einige Helfer gingen ins Gefängnis). Gefasst wurde er durch die Steuervermeidung und ein paar juristische Tricks. Das könnte auch hier noch passieren. Schlimm genug, dass die Rep-Wähler einschließlich der Patrioten und fundamentalen Christen überhaupt nicht interessiert, was für einen üblen Gesellen sie mit Dirty Donald an der Staatsspitze halten. Da sind wohl andere Interessenlagen vorrangig.
spon_7933274 19.04.2019
4.
Fairerweise sollte man sagen, dass nicht nur keine ganz große Verschwörung enttarnt wurde, sondern auch keine ganz kleine Verschwörung. Es wurde überhaupt keine Verschwörung enttarnt. Dass gelogen und betrogen wird, ist [...]
Fairerweise sollte man sagen, dass nicht nur keine ganz große Verschwörung enttarnt wurde, sondern auch keine ganz kleine Verschwörung. Es wurde überhaupt keine Verschwörung enttarnt. Dass gelogen und betrogen wird, ist übrigens in der Politik, nicht erst seit Trump, alllgemein üblich.
ralf12012019 19.04.2019
5. Guter Journalismus sieht anders aus
wieder tappt der Spiegel-"Reporter" ins Fettnäpfchen! Es gibt keinen Freispruch 2. oder 3. Klasse. Das lernt weder Jurastudi im 1. Semester. Die Expertise beim Spiegel lässt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt nach.
wieder tappt der Spiegel-"Reporter" ins Fettnäpfchen! Es gibt keinen Freispruch 2. oder 3. Klasse. Das lernt weder Jurastudi im 1. Semester. Die Expertise beim Spiegel lässt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt nach.

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP