Politik

Münchner Sicherheitskonferenz

Trumps Bauchrednerpuppe

Seinen Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz nutzt US-Vizepräsident Mike Pence, seinem Boss Donald Trump zu huldigen - und den Europäern Anweisungen zu erteilen.

Foto: DPA
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Samstag, 16.02.2019   18:35 Uhr

Vielleicht hätte es an der einen oder anderen Stelle Beifall gegeben. Vielleicht ein kurzes, freundliches Klatschen, um dem Redner da vorne am weißen Pult zu zeigen, dass er dazugehört. Dass er ein Verbündeter ist, ein Partner. Aber die Europäer können nicht klatschen. Wie sollen sie einem Mann zujubeln, der scheinbar in jedem Satz Donald Trump lobt?

Mike Pence hat es in seinen zwei Jahren als US-Vizepräsident in dieser Disziplin zu großer Meisterschaft gebracht. Niemand huldigt seinem Boss so hingebungsvoll wie der Mann aus Indiana. In München, im großen Saal des Bayerischen Hofs, hört sich das so an: Donald Trump ist ein "Champion der Freiheit", unter seiner Führung ist Amerika "so stark wie noch nie", die Wirtschaft boomt, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Aktienkurse gehen durch die Decke, und "Amerika ist wieder der Anführer der freien Welt".

"Unter Donald Trumps Führung sind die Militärausgaben der Nato dramatisch gestiegen", liest Pence mit unbewegtem Gesicht vom Teleprompter, und im Publikum sitzen mindestens zwei Dutzend Teilnehmer, die dabei waren, als ein bekannter US-Diplomat am Rande der Konferenz darüber klagte, dass er das Wort "Alliierter" in der amerikanischen Hauptstadt schon lange nicht mehr gehört habe. "Es macht mich krank, wie in Washington über die Verbündeten geredet wird", sagt ein hoher amerikanischer Offizier.

Dass die transatlantische Partnerschaft in ihrer schwersten Krise seit sieben Jahrzehnten steckt, ist in München Allgemeingut. Noch nie schien der Atlantik so breit zu sein wie in diesen Tagen. Bei einem der Abendempfänge streiten sich altgediente Außenpolitiker, ob die Nato noch stark genug sei, zwei weitere Trump-Jahre zu überleben. Sechs weitere Jahre hingegen, da ist sich die Runde einig, werde sie auf keinen Fall überstehen.

Amerika führt nicht, es zieht sich zurück

Und so ist es eine merkwürdige Parallelwelt, die Pence in seiner Rede beschreibt. Mit der Wirklichkeit hat sie wenig zu tun. Amerika führt nicht, es zieht sich zurück. In das Vakuum, das Trumps erratische "America-First-Politik" hinterlässt, stoßen andere vor. China, Russland aber auch Iran. Und die USA führen nicht, sie erteilen Anweisungen.

Auch Pence nutzt seinen Auftritt in München zur Befehlsausgabe. Deutschland und andere europäische Nato-Staaten müssten endlich das Zwei-Prozent-Ausgabenziel des Bündnisses erfüllen: "Die Wahrheit ist: Viele unserer Verbündeten müssen noch mehr tun." Bei der umstrittenen Gaspipeline Nordstream 2 droht er den Deutschen unverhohlen mit dem Ende der Bündnissolidarität, wenn sie nicht endlich spuren. "Wir können nicht die Verteidigung des Westens sicherstellen", ruft er in den Saal, "wenn unsere Verbündeten sich vom Osten abhängig machen."

Am härtesten aber wird seine Rhetorik, als Pence den Iran attackiert. Das "mörderische, revolutionäre Regime" sei der größte Sponsor des weltweiten Terrorismus, wirft er Teheran vor. Zusammen mit seiner Frau habe er gerade Auschwitz besucht. Es gebe eine Lehre, die er aus der Vergangenheit ziehe: "Wenn ein autoritäres Regime Antisemitismus propagiert, muss man es beim Wort nehmen." Deshalb sei es nun endlich an der Zeit, "dass die Europäer sich aus dem Atom-Abkommen zurückziehen" und aufhörten, die US-Sanktionen gegen Teheran zu unterlaufen.

Wer mit Auschwitz argumentiert, lässt keinen Verhandlungsspielraum. Die Europäer im Saal quittieren die Anweisungen des Trump-Vizes mit versteinerten Gesichtern. Ihnen ist klar, was Pence unter amerikanischer Führung versteht - einer erteilt Befehle, und die anderen gehorchen. Es ist nicht ihre Vorstellung einer Partnerschaft.

Die übliche Fragerunde entfällt bei Pence. Kaum hat der Vizepräsident seine Rede vom Teleprompter fertig abgelesen, verlässt er den Saal. Keine Zeit für lästige Diskussionen.

insgesamt 195 Beiträge
walter.klein 16.02.2019
1.
Herr Pence hat mit dem US Botschafter Grendall in Deutschland eines gemeinsam. Beide haben nicht kapiert, dass Deutschland weder ein Befehlsempfänger, noch ein Land ist, welches Amerkanischen Erpressungen und Drohungen hinnimmt. [...]
Herr Pence hat mit dem US Botschafter Grendall in Deutschland eines gemeinsam. Beide haben nicht kapiert, dass Deutschland weder ein Befehlsempfänger, noch ein Land ist, welches Amerkanischen Erpressungen und Drohungen hinnimmt. die bisherige Freundschaft mit den USA ist seit Trump nicht mehr vorhanden. Wer seine Verbündeten so brüskiert wie dies die USA derzeit machen, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die Amis eines Tages allein dastehen.
don_spon 16.02.2019
2. Etwas hart formuliert
aber der Sache nach richtig. Trump hat sich ja mittlerweile mit willfährigen Schleimern umgeben. Bleibt nur zu hoffen, dass DT bald abgewählt wird. Die Republikaner sind ja offenbar rückratlos und machen den [...]
aber der Sache nach richtig. Trump hat sich ja mittlerweile mit willfährigen Schleimern umgeben. Bleibt nur zu hoffen, dass DT bald abgewählt wird. Die Republikaner sind ja offenbar rückratlos und machen den offensichtlichsten Unfug den DT verzapft. Zuletzt den Notstand für eine Mauer die nichts bringt. Leute wie Pence sorgen dafür das die Amis nicht nur in der Arabischen Welt verhasst sind sondern auch im Rest der Welt. Mit einer herablassenden Art hat sich noch niemand Freunde gemacht. Das alles wg. eines Mannes der auf dem Stand eines 14 jährigen Pubertiers ist. Immer noch und immer wieder unfassbar.
sven2016 16.02.2019
3. Herr Pence war schon als Gouverneur
eine üble Gestalt aus dem intellektfreien Teil des Freedom Caucus, einschließlich seiner extremen Antipathien gegen Alle, die von seiner schrägen Norm abweichen. Folgte dann als überzeugter und öffentlicher Christ dem [...]
eine üble Gestalt aus dem intellektfreien Teil des Freedom Caucus, einschließlich seiner extremen Antipathien gegen Alle, die von seiner schrägen Norm abweichen. Folgte dann als überzeugter und öffentlicher Christ dem Kandidaten, der einen Dreck auf Anstand, Moral und Nächstenliebe gibt. Seit der Wahl ist er meist Geistererscheinung bei den Trumpauftritten, es sei denn, man schreibt ihm Trumptecte auf. Dann liest er sie vor und wirkt dabei völlig unbeteiligt. Eine irre Gestal ohne jedes politische Rückgrat und völlig frei von jeder Empathie.
egonv 16.02.2019
4.
Ich bin gespannt wie Trump sich in der Rezession hält. Außerdem wird interessant, wie seine Präsidentschaft rückwirkend gesehen wird. Alle Staaten sollten die Zusammenarbeit mit den USA auf das absolute Minimum zurückfahren, [...]
Ich bin gespannt wie Trump sich in der Rezession hält. Außerdem wird interessant, wie seine Präsidentschaft rückwirkend gesehen wird. Alle Staaten sollten die Zusammenarbeit mit den USA auf das absolute Minimum zurückfahren, sie evtl. zu solchen Konferenzen nicht mehr einladen oder zumindest nur auf bestimmte Politiker beschränken. Pelosi könnte als Speaker die USA vertreten bei offiziellen Anlässen. Alles was wichtig ist und was Folgen hat, wie Erhöhung der Verteidigungsausgaben muss auf die Zeit des nächsten Präsidenten verschoben werden.
bananaropa 16.02.2019
5. ... it takes two to tango
sagt das Sprichwort. Nämlich einen, der meint, Befehle erteilen zu können und einen, der sie annimmt. Wenn Deutschland den Auftrag, zwei Prozent des Bruttounlandsprodukts für Rüstung aufzuwenden, einfach mal so umsetzt (wo ist [...]
sagt das Sprichwort. Nämlich einen, der meint, Befehle erteilen zu können und einen, der sie annimmt. Wenn Deutschland den Auftrag, zwei Prozent des Bruttounlandsprodukts für Rüstung aufzuwenden, einfach mal so umsetzt (wo ist eigentlich die Diskussion über die "Gegenfinazierung" wie bei der Hartz IV-Erhöhung?), dann sind wir nicht mehr als der Erfüllungsgehilfe Trumpscher America-First-Politik. Wann wird eigentlich mal der amerikanische Botschafter einbestellt, um einige Dinge gerade zu rücken? Ich vermute, da traut sich keine*r...
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