Politik

Pakistan und China

Auf gute Nachbarschaft

China lädt zu einem Gipfeltreffen nach Peking - es geht um das globale Infrastrukturprojekt "Neue Seidenstraße". Mit dabei: Pakistan. Das Land ist ein wichtiger Verbündeter - und braucht dringend Hilfe.

Thomas Peter/ AP

Xi Jinping (r) und Pakistans Premier Imran Khan bei einem gemeinsamen Treffen in Peking

Von
Donnerstag, 25.04.2019   18:35 Uhr

Es ist eine illustre Runde, die sich da einfindet in Peking am Wochenende: Chinas Präsident Xi Jinping hat eingeladen zum Forum Seidenstraße, knapp 40 Staats- und Regierungschefs werden dabei sein, darunter Russlands Präsident Wladimir Putin und Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hingegen zählen nicht zu den Gästen. Die meisten kommen ohnehin aus Asien und Afrika. China will sein weltweites Investitionsprogramm und vor allem die "Neue Seidenstraße", also seine globale Anbindung per Straße, Schiene und Seeweg an Dutzende Länder gemeinsam mit ihnen vorantreiben.

Ehrengast bei dieser Großkonferenz aber ist Pakistans Premierminister Imran Khan. Pakistan hat sich in den zurückliegenden Jahren zu einem der wichtigsten Partner Chinas entwickelt - und ist zudem selbst in einer wirtschaftlich und politisch so schwierigen Lage, dass es auf China angewiesen ist.

China erkauft sich Zugang zum Indischen Ozean

Khan, ehemaliger Cricket-Nationalspieler und erst seit August 2018 Regierungschef von Pakistan, ist bereits zum zweiten Mal Gast in China: Zuletzt besuchte er das mächtige Nachbarland im November.

Die Regierungen beider Staaten sprechen von einer "All-Wetter-Freundschaft", die nichts erschüttern könne. Für Peking haben gute Beziehungen zu Pakistan gleich zwei Vorteile:

Der "China-Pakistan Economic Corridor", kurz: CPEC, ein im Sommer 2013 ins Leben gerufenes Kooperationsprogramm, gilt deshalb als "Flaggschiffprojekt" des chinesischen "Belt and Road"-Projekts. Allein in Pakistan hat China in den zurückliegenden Jahren mehr als 40 Milliarden Euro investiert. Ein Großteil floss dabei in den Ausbau des Karakorum Highway, die höchste Schnellstraße der Welt, sowie in den Bau des Hafens von Gwadar.

Asim Hafeez/ Bloomberg/ Getty Images

Hafen von Gwadar

"China investiert aber auch in Bildung, Gesundheit und Tourismus in Pakistan", sagt Fazal ur-Rehman, China-Experte an der Universität Sargodha. "Man spürt, dass China ein echtes Interesse daran hat, dass Pakistan sich entwickelt und es den Menschen hier besser geht."

Immer mehr Chinesen - vor allem Ingenieure, Bauarbeiter und Handwerke - leben in Pakistan. Die Zahl der chinesischen Restaurants und der Geschäfte, die chinesische Lebensmittel anbieten, hat in pakistanischen Städten deutlich zugenommen. Gelegentlich führt das zu Konflikten.

So ist Alkohol in Pakistan nur mit Sondergenehmigung erlaubt, was dazu führt, dass chinesische Restaurants mit Alkoholausschank oft in unscheinbaren Privathäusern betrieben werden.

Zwei Länder, ein gemeinsamer Gegner - Indien

Für Pakistan ist das chinesische Interesse derzeit überlebenswichtig: Das Land hat enorme wirtschaftliche Probleme, ist massiv verschuldet und braucht dringend Geld. In der Vergangenheit half immer wieder der Internationale Währungsfonds (IWF), was aber die strukturellen Probleme Pakistans nicht beseitigt hat. Die Liste ist lang:

Regierungschef Khan lehnte daher zunächst einen weiteren IWF-Kredit ab, aber in der Not musste er dann doch darauf zurückgreifen. Zudem halfen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie China mit Milliardenkrediten.

Die Militärs in Islamabad und Peking arbeiten eng zusammen

China ist für Pakistan zudem Schutzmacht, wenn es um den gemeinsamen Feind Indien geht. Pakistan ist 1947 aus der Teilung des indischen Subkontinents entstanden, als die britische Kolonialmacht die Region verließ.

Seither stehen sich Pakistan und Indien in Feindschaft gegenüber, beide Länder sind Atommächte. Zuletzt kam es im Februar zu einem militärischen Schlagabtausch. Da die USA nach und nach als strategischer Verbündeter Pakistans weggefallen sind, benötigte Islamabad einen neuen Partner. Den hat man in China gefunden.

In den vergangenen zehn Jahren hat Pakistan sich zu einem der größten Käufer von chinesischen Waffen entwickelt. "Die Beziehungen zwischen den Militärs sind stark und so etwas wie das Rückgrat der pakistanisch-chinesischen Beziehungen", sagt Wissenschaftler ur-Rehman.

Pakistan hält sich mit Kritik an China zurück

Kulturell, religiös, politisch könnten die Nachbarn China und Pakistan indes unterschiedlicher kaum sein. Die Partnerschaft ist daher mehr von Pragmatismus geprägt denn von Zuneigung. Es sind die gemeinsamen Interessen, die das Bündnis belastbar machen - zum Teil so sehr, dass es bemerkenswerte Züge annimmt:

Das Thema sei "von westlichen Medien überbewertet", zudem handele es sich um "Kampf gegen den Terror" beziehungsweise um "Modernisierung der Gesellschaft", sagt dazu ein Beamter im Außenministerium in Islamabad.

Im März befragte die "Financial Times" Khan über seine Haltung zu den willkürlichen Festnahmen von Uiguren in China. Khan spreche doch häufig über die schwierige Situation der Muslime in der Welt, was also habe er zur Lage der Muslime in China zu sagen? Khan antwortete: "Ehrlich gesagt, weiß ich nicht viel darüber."

insgesamt 6 Beiträge
hausfeen 25.04.2019
1. Schiffshäfen, Flughäfen, Eisenbahnverbindungen ...
Die Ökonomen Chinas sind schon sehr intelligent. Jetzt müssen sie nur noch das Problem der Umspurung auf russische Gleise lösen. Dann beherrschen sie nicht nur die Warenproduktion, sondern auch die Verkehrswege dafür-
Die Ökonomen Chinas sind schon sehr intelligent. Jetzt müssen sie nur noch das Problem der Umspurung auf russische Gleise lösen. Dann beherrschen sie nicht nur die Warenproduktion, sondern auch die Verkehrswege dafür-
kopfball123 25.04.2019
2. Na da haben sich ja zwei gefunden.
Tolles Paar und sie haben wirklich viel gemeinsam. Der einzige Unterschied ist dass China Geld hat und Pakistan nicht. Ansonsten in Sachen Menschenrechte, Pluralismus und Freiheit ziemlich ähnlich, wobei das reiche China eher [...]
Tolles Paar und sie haben wirklich viel gemeinsam. Der einzige Unterschied ist dass China Geld hat und Pakistan nicht. Ansonsten in Sachen Menschenrechte, Pluralismus und Freiheit ziemlich ähnlich, wobei das reiche China eher sogar noch schlimmer ist.
Atheist_Crusader 25.04.2019
3.
In China sind die Menschenrechtsverletzung zentral organisiert. In Pakistan liegen sie eher daran, dass man den örtlichen Reaktionären und ihren rückständigen Traditionen nicht entschlossen begegnet. Beides ist [...]
Zitat von kopfball123Tolles Paar und sie haben wirklich viel gemeinsam. Der einzige Unterschied ist dass China Geld hat und Pakistan nicht. Ansonsten in Sachen Menschenrechte, Pluralismus und Freiheit ziemlich ähnlich, wobei das reiche China eher sogar noch schlimmer ist.
In China sind die Menschenrechtsverletzung zentral organisiert. In Pakistan liegen sie eher daran, dass man den örtlichen Reaktionären und ihren rückständigen Traditionen nicht entschlossen begegnet. Beides ist bedenklich, aber China könnte sein Problem theoretisch in relativ kurzer Zeit beheben. Würde Pakistan dasselbe versuchen, könnte es froh sein wenn es das als Nation überlebt.
fortelkas 25.04.2019
4. So etwas nennt man Politik, die
....den Namen verdient. Schritt für Schritt baut China seinen weltweiten Einfluss auf und aus, politisch und wirtschaftlich, geduldig klug und durchdacht. Und der größte politische Dilettant, der je im Weißen Haus Präsident [...]
....den Namen verdient. Schritt für Schritt baut China seinen weltweiten Einfluss auf und aus, politisch und wirtschaftlich, geduldig klug und durchdacht. Und der größte politische Dilettant, der je im Weißen Haus Präsident war, der meint, mit Twitter regieren zu können, sein Beratungspersonal im Monatskakt austauscht, merkt es nicht, will es auch nicht merken. Und ich meine, dass China mehr und mehr Einfluss in der politischen Welt bekommt, das ist auch richtig so! Die politische Dominanz der USA ist vorbei, sie war schon vor Trump vorbei, und auch das ist richtig so! Spätestens seit dem Vietnam-Krieg, in dem der US-Imperialismus seine längst fällige Niederlage erlitt, musste das jedermann klar sein. Die US-Politik hat noch eine Chance: Die Abkehr von der Politik der Drohungen, der Sanktionen, ich glaube, ich kann mir die Liste der Staaten ersparen, die das zur Zeit trifft. Ich fürchte nur: Die derzeitige Administration in den USA begreift das einfach nicht. Und ein letzter Satz: Die derzeitige Politik Chinas und auch Russlands begrüße ich ausdrücklich, da geht es nämlich nicht um Konfrontation, sondern um Ausgleich bei gleichzeitiger Wahrung der eigenen Interessen. Erwin Fortelka
jana45 26.04.2019
5. Lage der Uighuren
Ob es sich dabei um Internierungslager handelt oder wie China sagt um Schulen, ob es wirklich über eine Million sind, ob Folter systematisch erfolgt oder es sich um Einzelfälle handelt, ob es gegen die Religion geht oder nur [...]
Ob es sich dabei um Internierungslager handelt oder wie China sagt um Schulen, ob es wirklich über eine Million sind, ob Folter systematisch erfolgt oder es sich um Einzelfälle handelt, ob es gegen die Religion geht oder nur gegen salafistischen Extremismus - darüber gibt es keine gesicherten Informationen. Viele negative Behauptungen werden von zweifelhaften Organisationen wie dem uighurischen Weltkongress, türkischen Faschisten oder der Falungongpresse verbreitet und die chinesische Propaganda auf der anderen Seite ist auch nicht glaubhaft. Unabhängige Informationen oder zB. investiger Journalismus des Spiegels oder genaue Zahlen, die Meinung moderater Uighuren, die in Xinjiang leben, usw. gibt es nicht. Jedoch werden gerne Stereotype über China verbreitet und wiederholt - was wahr ist, bleibt nebulös.

Mehr im Internet

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP