Politik

Dschihadistengruppe in Syrien

Nusra-Front sagt sich von al-Qaida los

Seit Jahren ist die Nusra-Front ein kampfstarker Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida. Nun hat sich die Islamistengruppe abgespalten - offenbar aus taktischen Gründen.

AFP

Nusra-Führer Abu Mohammed al-Golani

Donnerstag, 28.07.2016   22:41 Uhr

Die islamistische Nusra-Front in Syrien hat sich offiziell vom Terrornetzwerk al-Qaida losgesagt. Die Gruppe benennt sich zudem um. Der neue Name lautet Dschabha Fatah al-Scham ("Siegesfront Syriens"), wie ihr Anführer Abu Mohammed al-Golani in einer Videonachricht bekannt gab. Ziel sei die Bildung einer neuen Front und die Vereinigung verschiedener Dschihadistengruppen.

Die Nusra-Front ("Unterstützer-Front") gehört in Syrien zu den stärksten Milizen - vor allem in der Provinz Idlib. Obwohl ideologisch eng mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verwandt, sind beide Gruppen miteinander verfeindet. Andere, gemäßigtere Rebellengruppen, wie etwa die Freie Syrische Armee (FSA), kooperieren im Kampf gegen die Regierungstruppen.

"Wir danken den Anführern von al-Qaida dafür, dass sie die Notwendigkeit verstanden haben, die Verbindungen abzubrechen (...), die darauf abzielen, die syrische Revolution zu verteidigen", sagte Golani in dem Video. Scheich Ahmed Hasan Abu al-Chair aus der Qaida-Führung hatte kurz zuvor in einer Audiobotschaft gesagt, die Nusra-Führung müsse "die notwendigen Schritte" unternehmen, um die Anhänger des islamischen Kampfes in Syrien zu "schützen".

Nusra-Front will Militäroffensive von USA und Russland entgehen

Im Internet wurde schon seit Tagen über einen Bruch zwischen al-Qaida und seinem Regionalableger in Syrien spekuliert. Hintergrund ist der jüngst erfolgte Zusammenschluss der USA und Russlands im Kampf gegen die radikalen Dschihadistenorganisationen. Washington und Moskau hatten sich Mitte Juli darauf verständigt, in Syrien gemeinsam gegen die IS-Miliz und die Nusra-Front vorzugehen. Durch die Loslösung von al-Qaida will die Islamistengruppe offenbar einer kombinierten Militäroffensive entgehen.

Die USA haben die Nusra-Front im Mai 2014 formal als terroristische Organisation eingestuft. Der Sprecher des Außenministeriums, John Kirby, sagte, daran werde sich nichts ändern. "Wir haben keinen Anlass zu glauben, dass ihre Ziele oder ihr Handeln sich verändert haben." Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, zeigte sich ebenfalls skeptisch.

Die Nusra-Front verfügt nach Einschätzung von Experten über 5000 bis 10.000 Kämpfer. Dabei legt die Gruppe wenig Wert auf exklusive Territorialhoheit, oft kämpft sie mit anderen Gruppen zusammen.

kry/dpa/AFP

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