Politik

Obama-Herausforderer

Helden der Maisfelder

Die US-Republikaner formieren sich im Schlüsselstaat Iowa fürs Rennen ums Weiße Haus 2012. Doch wer kann es mit dem Wunderwahlkämpfer Barack Obama aufnehmen? Ein kleiner Bruder aus Texas, die twitternde Tea-Party-Ikone, ein alternder Moralapostel? SPIEGEL ONLINE stellt die Anwärter vor.

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Parteiversammlung der Republikaner (2008): Wer wagt sich vor für 2012?

Von , New York
Dienstag, 08.03.2011   14:52 Uhr

Der Mann ist fleißig. Er hat bereits auf Dutzenden Tea-Party-Veranstaltungen gesprochen, hat alle wichtigen Vorwahlstaaten bereist und ist, wie das Magazin "Atlantic" staunt, zur "YouTube-Sensation" geworden. Er ist Dauergast auf Fox News. Er plaudert im Radio, schreibt Kolumnen und twittert. Allein in dieser Woche stehen für Iowa neun Frühstücke, Empfänge und Reden in seinem Terminkalender. "Er macht einen ganz schönen Wirbel", sagt Richard Schwarm, der Ex-Chef der Iowa-Republikaner.

Trotzdem kennen die meisten Amerikaner seinen Namen bis heute nicht. Der emsige Vorwahlkämpfer heißt Herman Cain. Er ist 65 und Geschäftsmann aus Atlanta. Acht Jahre lang war er Vorstandschef der landesweiten Restaurantkette "Godfather's Pizza". Er ist Republikaner und, ach ja, Afro-Amerikaner.

Am Montagabend saß Cain auf der Bühne der modernen Point of Grace Church in Waukee, einem winzigen Weiler westlich von Des Moines, der Hauptstadt von Iowa. Neben ihm saßen lauter Männer mit viel bekannteren Namen. Darunter: Newt Gingrich, Ex-Sprecher des Repräsentantenhauses, Tim Pawlenty, Ex-Gouverneur von Minnesota, und Rick Santorum, Ex-Senator aus Pennsylvania.

Alle haben eines gemeinsam: Jeder will - auch wenn sich bisher nur Gingrich und Cain erklärt haben - Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner für 2012 werden. Also waren sie an diesem bitterkalten Abend auf Einladung der christlichen Faith & Freedom Coalition artig nach Iowa gepilgert, wo in weniger als einem Jahr die ersten Vorwahlen stattfinden, die Caucusse, die schon viele Polit-Schicksale besiegelt haben. Wer nach Washington will, muss zuerst durch Iowas Maisfelder.

"Die Zeit ist gekommen"

Dass Cain dabei eine Chance hat, ist ziemlich unwahrscheinlich. Doch er lässt sich den Spaß nicht nehmen. Er fühle sich "zur Führungsposition genötigt", versicherte er dem Publikum aus mehreren hundert Neugierigen am Montagabend. Als Präsident werde er die USA "von einer Anspruchsgesellschaft zu einer Befähigungsgesellschaft" umwandeln. "Die Zeit ist gekommen", sagte er.

Wessen Zeit gekommen ist, bleibt dahingestellt. Das potentielle Kandidatenfeld der US-Republikaner ist so groß, wie seit langem nicht mehr, doch Favoriten haben sich bisher nicht herauskristallisiert. Zäher und später als sonst machen sie sich auf den Weg über die Dörfer, Gemeindesäle und Hühnchenbuffets der Provinz, als scheuten sie die reale Konfrontation mit dem Altmeister des Wahlkampf-Comebacks, US-Präsident Barack Obama, der 2008 in Iowa zum Star wurde.

Viele von ihnen sind zwar weithin bekannt, halten sich diesmal aber noch bedeckt, nicht zuletzt wegen ihrer politischen Altlasten (Sarah Palin, Mitt Romney, Mike Huckabee, Ron Paul, Gingrich). Andere sind Präsidial-Novizen, die sich bisher entweder wenig profiliert (Mitch Daniels, Jim DeMint) oder durch unerhörte Aussagen von sich reden gemacht haben (Pawlenty, Donald Trump).

"Ich glaube, wir haben eine außerordentliche Wahl zu treffen", sagte Gingrich, der sich vorige Woche als erster der Top-Bewerber vorgewagt hatte, in Iowa. "Wir stehen an einem Scheideweg: Welches Land wollen wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen?"

Kein Zweifel: Das Rennen ist eröffnet.

Kleine Brüder, PR-Wunder, Moralapostel und Tea-Party-Lieblinge: SPIEGEL ONLINE stellt die aussichtsreichsten Anwärter auf die Republikaner-Kandidatur vor - klicken Sie sich in der interaktiven Grafik durch die Aspiranten für den Kampf ums Weiße Haus!

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