Politik

Amtliches Endergebnis in Österreich

ÖVP siegt mit 37,5 Prozent der Stimmen

Die Ibiza-Affäre hat in Österreich zu vorgezogenen Neuwahlen geführt. Fast eine Woche nach der Abstimmung liegt nun das offizielle Endergebnis vor: Klarer Sieger ist die ÖVP mit Ex-Kanzler Sebastian Kurz.

Matthias Schrader/DPA

Sebastian Kurz: Er wird wohl wieder Kanzler, in welcher Koalition ist noch offen

Freitag, 04.10.2019   08:37 Uhr

Am vergangenen Sonntag hat Österreich eine neue Regierung gewählt. Dem offiziellen Endergebnis zufolge hat die konservative ÖVP von Ex-Kanzler Sebastian Kurz dabei 37,5 Prozent der Stimmen erhalten. Das war ein Plus von 6 Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl 2017, wie das Innenministerium in Wien mitteilte.

Die SPÖ verlor demnach bei der Wahl am vergangenen Sonntag 5,7 Punkte und fiel auf einen historischen Tiefstand von 21,2 Prozent der Stimmen, die FPÖ sackte nach der Ibiza-Affäre auf 16,2 Prozent (minus 10 Prozentpunkte) ab.

Noch vor zwei Jahren scheiterten die Grünen an der Vier-Prozent-Hürde. Nun legte die Partei deutlich zu. Sie holten laut offiziellem Endergebnis 13,9 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 75,59 Prozent, wie das Ministerium mitteilte. Die Neos holten demnach 8,1 Prozent der Stimmen.

Abweisende Signale vom früheren Bündnispartner

Es wird erwartet, dass Bundespräsident Alexander Van der Bellen nun ÖVP-Chef Kurz mit der Regierungsbildung beauftragen wird. Für welchen Partner sich die ÖVP entscheidet, ist offen. Ein neues Bündnis mit der FPÖ ist unwahrscheinlich.

Zwar hatte Kurz nach den Nationalratswahlen angekündigt, er wolle auf alle Parteien zugehen. Sein früherer Koalitionspartner sendete jedoch abweisende Signale. Der FPÖ-Vorsitzende Norbert Hofer sagte, aufgrund des Wahldebakels sehe er seine Partei nicht unbedingt in einer Regierung.

Das Bündnis der beiden Parteien war im Mai an der Ibiza-Affäre zerbrochen. Ausgelöst wurde der Skandal durch die Veröffentlichung verdeckt aufgenommener Videos. Diese zeigten, dass der damalige FPÖ-Chef und Vizekanzler Österreichs, Heinz-Christian Strache, einer angeblichen russischen Oligarchin für ihre mögliche Hilfe im Wahlkampf öffentliche Aufträge in Aussicht stellte. Die Veröffentlichung der Videos führte Österreich in eine Regierungskrise und war ein Hauptgrund für den Bruch der Koalition zwischen ÖVP und FPÖ und für die vorgezogenen Neuwahlen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war von insgesamt 958.071 ausgezählten Stimmen die Rede. Wir haben die Stelle korrigiert.

asc/dpa

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