Politik

Pakistan

Attentäter greifen Impfhelfer an - mehrere Tote

Im Nordwesten Pakistans sind mehr als zehn Menschen bei einem Bombenanschlag ums Leben kommen. Das Attentat galt Aktivisten, die Kinder in der Region gegen das gefährliche Poliovirus impfen wollten. Islamisten versuchen immer wieder, die Bemühungen zu unterbinden.

Samstag, 01.03.2014   12:24 Uhr

Peschawar - Pakistan ist eines der wenigen Länder auf der Welt, in der die Kinderlähmung noch nicht ausgerottet ist. Medizinisches Personal, das Kinder gegen das Poliovirus immunisieren will, wird jedoch immer wieder zur Zielscheibe von Islamisten. Der Vorwurf: Die Impfkampagnen dienten in Wirklichkeit der Spionage, und der Impfstoff mache Jungen unfruchtbar.

Am Samstag sind bei einem Bombenanschlag auf Impfhelfer mehr als zehn Menschen gestorben. Bei den Opfern handele es sich um elf pakistanische Paramilitärs und ein Kind, erklärte ein hochrangiger Behördenvertreter, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Nach Angaben der Agentur AP kamen elf Menschen ums Leben, zwölf wurden verletzt.

Die Sicherheitskräfte begleiteten einen Konvoi von Aktivisten, die in der Region Impfungen gegen das Poliovirus anbieten wollten. Bei der Detonation von insgesamt drei Bomben seien auch zwei Fahrzeuge des medizinischen Teams beschädigt worden. Bislang ist nicht bekannt, wer den Anschlag verübt hat.

Das Attentat ereignete sich etwa 30 Kilometer südwestlich von Peshawar, der Hauptstadt der unruhigen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa. Sie grenzt an die halbautonomen Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan, die als Hochburg des Terrornetzwerks al-Qaida und anderer islamistischer Gruppen wie der Taliban gelten.

Kinderlähmung gilt seit Mitte der fünfziger Jahre als weitgehend besiegt. Vor allem in Pakistan, Afghanistan und Nigeria kommt es jedoch immer wieder zu Ausbrüchen der hochansteckenden Krankheit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden im vergangenen Jahr 91 Polio-Fälle in Pakistan registriert. In Pakistan lehnen Tausende Eltern die Impfung ihrer Kinder ab.

Verschärft wurde das Misstrauen auch durch eine vom US-Geheimdienst initiierte Impfkampagne gegen Hepatitis im März 2011 in Abbottabad. Der Einsatz in der nordpakistanischen Garnisonsstadt sollte dazu dienen, DNA-Proben von der Familie des Qaida-Chefs Osama Bin Laden zu bekommen, der dort vermutet wurde. Die Proben bestätigten den Verdacht, am 2. Mai 2011 tötete ein US-Sonderkommando Bin Laden.

wbr/AFP/AP

Verwandte Themen

Impfprogramm

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP