Politik

Machtdemonstration

Russland fliegt Großmanöver über Ostsee

Es ist eine neue Machtdemonstration Russlands: Ein Dutzend russische Bomber sind zwei Tage hintereinander über der Ostsee gesichtet worden. Die europäische Flugsicherung untersucht mehrere Beinahezusammenstöße von Militärmaschinen mit Passagierflugzeugen.

REUTERS

Manöver: Eine russische Tupolew Tu-95 (r.) wird in der Luft aufgetankt (Archivbild)

Dienstag, 09.12.2014   02:12 Uhr

Schon seit Wochen registriert die Nato zahlreiche russische Langstreckenbomber und Kampfjets über der Nord- und Ostsee, doch dieses Manöver dürfte einen neuen Rekord aufstellen: Zwei Dutzend russische Bomber und Transportmaschinen sind am Wochenende über der Ostsee gesichtet worden. Das meldet der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf das US-Militär.

"Es war ein großes Aufgebot", sagte Pentagonsprecher Steven Warren dem Fernsehsender. Flugzeuge der Nato und der schwedischen und finnischen Luftwaffe hätten die russischen Kampfverbände überwacht. Ein Dutzend russische Maschinen seien am Samstag und ein weiteres Dutzend am Sonntag gezählt worden.

Das Magazin "Bloomberg Businessweek" berichtet von 28 russischen Flugzeugen, darunter vom Typ Tupolew Tu-95 und Tu-22, die sich am Wochenende dem Luftraum Litauens genähert hätten. Die Armee des Landes sei in Alarmbereitschaft versetzt worden.

"Die Flüge tragen nicht dazu bei, Spannungen abzubauen, aber sie lösen bei der Nato auch keinen Alarm aus", sagte Pentagonsprecher John Kirby. Der Nato-Luftraum sei bei den russischen Aktionen nicht verletzt worden.

Kein Funkkontakt möglich

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) kündigte unterdessen an, mehrere Beinahezusammenstöße zwischen Kampfjets und Passagiermaschinen zu untersuchen. Die Europäische Kommission habe die Behörde eingeschaltet, nachdem mehrere EU-Mitgliedsländer Vorfälle gemeldet hatten, bei denen Militärmaschinen zivilen Flugzeugen nahe kamen und es nicht möglich war, zu ihnen Funkkontakt herzustellen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Die Nato hatte erst vor kurzem kritisiert, die russischen Streitkräfte hätten bei ihren Manövern teilweise ihre Transponder abgeschaltet. Diese übermitteln als automatischer Signalgeber den Fluglotsen wichtige Angaben zu einem Flugzeug, wie etwa die Kennung oder den Typ. Die russischen Piloten hätten zudem weder Flugpläne übermittelt noch Funkkontakt mit der zivilen Flugsicherung gehalten. Dieses Verhalten stelle ein potenzielles Risiko für die zivile Luftfahrt dar.

"Das ist eine ernste Angelegenheit", sagte Easa-Chef Patrick Ky. Man werde alles tun, um die Vorfälle aufzuklären. Details zu den betroffenen Flügen nannte er nicht. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen der EU-Kommission im März übergeben werden.

Nach Nato-Angaben hat das westliche Bündnis in diesem Jahr mehr als hundertmal russische Flugzeuge im europäischen Luftraum entdeckt, dreimal so viele wie im vergangenen Jahr.

vet/Reuters

insgesamt 58 Beiträge
karl-der-gaul 09.12.2014
1.
Jede solcher Putin Aktionen müssen mit ökonomischen Drosseln geantwortet werden.
Jede solcher Putin Aktionen müssen mit ökonomischen Drosseln geantwortet werden.
stedaros 09.12.2014
2. wo ist die deutsche Flugabwehr?
Im Fliegerhorst, und dort bleibt sie auch. Putin hat bestimmt nicht dieAbsicht anzugreifen. Aber er zeigt, was ihm für ein armseliger Haufen Dilletanten gegenüber stehen würde.
Im Fliegerhorst, und dort bleibt sie auch. Putin hat bestimmt nicht dieAbsicht anzugreifen. Aber er zeigt, was ihm für ein armseliger Haufen Dilletanten gegenüber stehen würde.
teacher20 09.12.2014
3. Gelassen bleiben
Man sollte gelassen bleiben und Putin seine präpotenten Spielchen spielen lassen. Wenn er es nicht übertreibt und den Luftraum von NATO-Staaten verletzt, sollte man ihn gewähren lassen. Wenn es denn seinem seelischen [...]
Man sollte gelassen bleiben und Putin seine präpotenten Spielchen spielen lassen. Wenn er es nicht übertreibt und den Luftraum von NATO-Staaten verletzt, sollte man ihn gewähren lassen. Wenn es denn seinem seelischen Gleichgewicht nützt und er sich ernst genommen fühlt. Zudem halten solche Einflüge die NATO-Luftverteidigung in Übung (quasi als Sparringspartner) ohne Alarmismus auszulösen und tun denjenigen Realpolitikern einen Gefallen, die für eine starke Verteidigung eintreten. Schließlich kann man bei aller Lächerlichkeit des russischen Vorgehens doch nicht die Augen davor verschließen.
Gela2006 09.12.2014
4. Das dass kein Funkkontakt möglich ist,...
...weiß mittlerweile fast jeder - aber man lässt die Russen gewähren, wie es ihnen gerade passt. Kommt es zur Katastrophe, wird wieder einmal jede Schuld bestritten und hunderte Menschen abgeschrieben wie Vieh. Diese Ignoranz [...]
...weiß mittlerweile fast jeder - aber man lässt die Russen gewähren, wie es ihnen gerade passt. Kommt es zur Katastrophe, wird wieder einmal jede Schuld bestritten und hunderte Menschen abgeschrieben wie Vieh. Diese Ignoranz ist unerträglich. Idioten Sterben niemals aus.
KrystinaSchneider 09.12.2014
5. Auf dem Foto stimmen die Typbezeichnungen nicht
Links das ist eine IL-78M "Midas" (die Tankerversion), rechts die gute Tu-95 "Bear". Wenn die NATO genau so arbeitet (wovon auszugehen ist), dann gute Nacht. ;)
Links das ist eine IL-78M "Midas" (die Tankerversion), rechts die gute Tu-95 "Bear". Wenn die NATO genau so arbeitet (wovon auszugehen ist), dann gute Nacht. ;)
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