Politik

Parlamentswahl in der Schweiz

Grüne legen deutlich zu - Rechtskonservative trotz Verlusten vorn

Jubel bei den Schweizer Grünen: Laut ersten Hochrechnungen können sie bei der Wahl deutliche Stimmzuwächse verzeichnen. Die rechtskonservative SVP ist dennoch stärkste Kraft - verliert aber an Zustimmung.

Peter Schneider/DPA

Wahlplakat der Grünen: Die Ökoparteien legen nach ersten Hochrechnungen bei der Parlamentswahl in der Schweiz zu

Sonntag, 20.10.2019   18:43 Uhr

Die rechtskonservative Schweizerische Volkspartei (SVP) hat bei der Parlamentswahl in der Schweiz einen Dämpfer hinnehmen müssen. Die SVP bleibt zwar stärkste Kraft, erhielt nach der ersten Hochrechnung aber nur 26,3 Prozent der Stimmen - sie verlor damit 3,1 Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2015. Gewinner sind dagegen die beiden Ökoparteien.

Die linksgerichteten Grünen steigerten ihren Stimmenanteil demnach um 5,6 Prozentpunkte auf 12,7 Prozent. Daneben ziehen die Grünliberalen mit einem Plus von drei Prozentpunkten und 7,6 Prozent ins Berner Parlament ein.

Das Ergebnis sei klar geprägt von der Klimadiskussion, sagte Lukas Golder vom Meinungsforschungsinstitut GFS Bern dem Schweizer Fernsehen SRF. 2015 habe die Flüchtlingskrise die Schlagzeilen dominiert. Viele Wähler hatten ihre Stimme damals der einwanderungskritischen SVP gegeben.

Ergebnis mit geringer Auswirkung

Die Verschiebung hatte sich in Meinungsumfragen bereits abgezeichnet. Stimmverluste gab es auch für die zweit- und drittgrößten Parteien des Landes - die Sozialdemokraten und die liberale FDP.

Das Wahlergebnis dürfte auf die Regierung dennoch kaum Auswirkungen haben. Die Schweiz wird seit 60 Jahren praktisch von den gleichen vier größten Parteien regiert. Die Regierungsgeschäfte führt ein siebenköpfiger Bundesrat im Konsens. Die Stärke einer Partei wird im Bundesrat üblicherweise erst nach zwei Wahlen in Folge mit starkem Stimmenzuwachs angepasst.

Die Grünen-Vorsitzende Regula Rytz ließ sich in ersten Interviews nicht darauf ein, ob sie einen grünen Bundesratssitz fordern will. Der Wählerwille müsse sich aber niederschlagen. Sie verlangte einen Klimagipfel mit Parteien und Klima-Forschern, um schnell konkrete Maßnahmen zur Begrenzung der Klimaerwärmung auf den Weg zu bringen.

Neu besetzt wurden die 200 Sitze im Nationalrat und die 46 Sitze im Ständerat. Wahlberechtigt waren knapp 5,4 Millionen Bürger. Die Wahlbeteiligung lag aber zuletzt unter 50 Prozent. Politologen erklären das damit, dass die Schweizer mindestens vier Mal im Jahr bei Volksabstimmungen ihre Meinung sagen können.

mho/dpa/Reuters/AFP

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