Politik

Polizeigewalt in Simbabwe

Populäre Komikerin offenbar entführt und gefoltert

Sie kritisierte Polizeigewalt in Simbabwe, nun wurde sie wohl Opfer einer brutalen Attacke: Die populäre Komikerin Samantha Kureya erzählt, maskierte Männer hätten sie gekidnappt und misshandelt.

Tsvanfirayi Mukwazhi/ AP

Komikerin Kureya in ihrem Krankenhausbett

Von und Kennedy Nyavaya
Samstag, 24.08.2019   11:09 Uhr

Es steht so schlecht wie lange nicht um Simbabwes Wirtschaft und um die Versorgung der Menschen in dem südostafrikanischen Staat: Internationale Hilfsorganisationen warnen bereits vor einer Hungersnot in einigen Landesteilen. Die letzte Inflationsrate lag im Juni bei 170 Prozent, jetzt werden keine offiziellen Zahlen mehr angegeben. Im Juli soll die Teuerung laut Schätzungen bei 230 Prozent gelegen haben.

Leere Regale, explodierende Preise, lange Schlangen an Zapfsäulen - das kennen die Simbabwer noch gut aus der Zeit unter Diktator Robert Mugabe und der Hyperinflation während seines Regimes. Jetzt erleben sie all das erneut.

Proteste gegen diese Zustände sind in Simbabwe so normal wie deren brutale Niederschlagung. Als die Staatspartei Zanu-PF den greisen Mugabe 2017 gemeinsam mit dem Militär stürzte, keimte kurz Hoffnung auf. Nun aber ist klar: Der neue Staatschef Emmerson Mnangagwa ist nicht viel besser als sein Vorgänger.

Weil es keine wirklich unabhängigen Medien mehr gibt, behelfen sich viele Simbabwer mit Satire, die zumeist im Internet auf populären Kanälen verbreitet wird. Es ist der Versuch, der allgegenwärtigen Polizeigewalt, der wirtschaftlichen Misere und den Härten des Alltags in der Diktatur mit Humor zu begegnen.

In den Abwasserkanal gedrückt und entkleidet

Nun aber hat es den Anschein, als hätte sich Mnangagwas Regierung dazu entschlossen, jene Komiker, die ihre Politik auf diese Weise vorführen, mundtot zu machen: Samantha Kureya, eine von zwei Hauptdarstellerinnen der erfolgreichen und beliebten YouTube-Comedy "Bustop TV", sagt, sie sei am Mittwochabend überfallen worden. Mehrere maskierte Männer hätten sie, nur mit Nachthemd und Unterwäsche bekleidet, aus dem Bett und aus ihrem Haus gezerrt.

Samantha Kureya/ Facebook

Satirikerin Kureya (l.) in einem Sketch über Polizeigewalt, wenige Tage vor dem Zwischenfall

An einem unbekannten Ort fingen die Männer dann an, sie zu foltern, sagte Kureya in einem Video-Interview aus dem Krankenhaus. Sie habe sich in einen Abwasserkanal setzen müssen. "Dann schlugen sie mich mit Nilpferdpeitschen und befahlen mir, mich hinzulegen. Sie traten mich und befahlen mir, mich zu wälzen. Dann befahlen sie mir, mein Oberteil und meine Unterwäsche auszuziehen. Ich gehorchte, aber warf die Kleidungsstücke auf sie. Dafür haben sie mich dann erneut geschlagen."

Kurz nachdem der Entführungsfall bekannt geworden war, brachte sich Kureyas Kollegin, die Komikerin Sharon Chideu, Künstlername Magi, in Sicherheit - offenbar gerade noch rechtzeitig: Verwandte hätten ihr erzählt, auch bei ihr zu Hause seien Bewaffnete nachts eingedrungen und hätten nach ihr gesucht.

Ein Minister suggeriert, die Entführung könnte erfunden sein

Die Regierung kommentierte die mutmaßliche Entführung Kureyas mit einer Verschwörungstheorie: Da es Maskierte waren, die die Komikerin verschleppten, könnte es sich auch um eine verdeckte Aktion ("black ops") von Regierungsgegnern gehandelt haben, um die Bevölkerung aufzustacheln. Das erklärte Simbabwes Informations- und Medienminister Nick Mangwana auf Twitter.

Dann schrieb er noch, eine Schauspielerin sei schließlich jemand, der eine Rolle spiele. Auf die Nachfrage, ob er Kureya damit unterstellen wolle, sie habe sich die Entführung ausgedacht, antwortete Mangwana, er habe lediglich eine Definition aus dem Wörterbuch verschickt.

In einem Videoclip, der wenige Tage vor ihrer angeblichen Entführung veröffentlicht wurde, hatte Gonyeti erneut gewaltsame Übergriffe der Polizei kritisiert. Am 16. August waren Demonstranten, die gegen Nahrungsmittelknappheit protestiert hatten, brutal zusammengeknüppelt worden.

Zinyange Auntony/ AFP

Polizisten in der Innenstadt von Harare am 16. August, davor eine offenbar bewusstlos geschlagene Frau

In dem Sketch spielte Gonyeti eine Vermieterin, die ihrem Mieter, einem Polizisten, vorwirft, er habe eine alte Frau geschlagen und ihr auf den Kopf getreten. Der Polizist erklärt, er verteidige den gesellschaftlichen Frieden und tue nur seine Pflicht. Daraufhin wirft die Vermieterin ihn raus.

Im Februar war das Team von "Bustop TV" mit dem Gesetz in Konflikt geraten: Kureya und Chideu waren damals in einem Sketch mit Polizeiuniformen aufgetreten. Dafür nahm sie die Polizei kurzzeitig fest, beide mussten je 20 US-Dollar Strafe zahlen. Damals erklärte Medienminister Mangwana zu der Bestrafung, das Tragen von Uniformen werde oft von Kriminellen für Verbrechen genutzt. Und ergänzte: "Die Regierung unterstützt Kreativität und Kunst."

Die Komikerinnen zeigen sich nicht eingeschüchtert. Ihren Twitteraccount @bustoptv überschrieben sie nach der Attacke mit: #struckbutnotdestroyed. Sinngemäß: getroffen, aber nicht zerstört.

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