Politik

Militär meldet Umsturzversuch im Sudan

Putsch oder Propaganda?

Aufruhr im Sudan: Nach den blutigen Protesten standen Armee und zivile Kräfte kurz vor einem Deal zur Bildung einer Übergangsregierung. Nun soll es einen Putsch gegeben haben. Was steckt dahinter?

Mohamed Nureldin Abdallah/REUTERS

Revolutionäre Street-Art in Khartum, Juli 2019

Von und
Freitag, 12.07.2019   18:51 Uhr

Die Eilmeldung kam am späten Donnerstagabend: Im sudanesischen Staatsfernsehen verkündete Jamal Omar Ibrahim, Leiter des Sicherheitskomitees des militärischen Übergangsrats (TMC), man habe einen "Putschversuch" vereitelt. 16 mutmaßlich Verantwortliche seien festgenommen worden, der Umsturz abgewendet.

Seit die Armeeführung im April Diktator Umar al-Bashir im April nach knapp drei Jahrzehnten als Diktator abgesetzt hat, regiert das Militär in der Hauptstadt Khartum. Vorausgegangen waren monatelange Massenproteste im ganzen Land, die sich an gestiegenen Lebensmittelpreisen entzündet hatten, aber bald in einer Freiheits- und Demokratiebewegung mündeten.

Viele Proteste, noch mehr Tote - und keine Einigung

Seitdem ringen zivile Aktivisten mit den Militärmachthabern, von denen nahezu alle zur alten Garde Bashirs gehören, um eine Übergabe der Macht:

Die beiden Konfliktparteien hatten einen Deal ausgearbeitet. Dessen Entwurf umfasst zwei Kernpunkte:

Die Militärherrschaft wäre nach der Umsetzung des Deals faktisch zu Ende. Die Menschen feierten den Durchbruch auf den Straßen Khartums überschwänglich.

Mohamed Nureldin Abdallah/REUTERS

Jubel über das baldige Ende der Militärherrschaft am 5. Juli: Zu früh gefreut?

Doch bevor die Einigung unterschrieben wurde, erklärte die Armee nun, es habe einen Putsch vereitelt. Noch sind die Hintergründe offen. Klar ist nur: Im Militärrat tobt seit Monaten ein Machtkampf zwischen Abdel Fattah Burhan, Chef der Übergangsregierung, und seinem Vize Mohamed Hamdan Dagalo, genannt Hemedti.

Dieser führt die besonders brutale Eliteeinheit RSF an, die in der Darfur-Region einen Völkermord begangen und das Massaker vor dem Armeehauptquartier in Khartum Anfang Juni verübt hatte. Möglicherweise ist dieser Machtkampf am Donnerstag eskaliert.

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Revolte im Sudan: "Nein zu den Warlords, nein zum Militärregime"

Anhänger der Opposition gehen hingegen von einer Finte der Militärregierung aus. Sie vermuten, diese wolle weiter an der Macht bleiben. "Es gibt bisher keine Beweise für einen Putsch, nur eine Presseerklärung und die Propaganda des Militärrats", sagte Eiman Seifeldin, Oppositionelle und Gründerin der Menschenrechtsorganisation International Crimes Monitor, im Rahmen einer Sudan-Konferenz in Berlin.

Am Samstag soll der Deal unterschrieben werden

"Es ist nicht das erste Mal, dass die Armee einen Putschversuch meldet und es wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Immer wenn eine Einigung mit der Opposition kurz bevorsteht, kommt angeblich ein Putschversuch." Seifeldin sieht darin den Versuch des Militärs, ein Klima der Angst und Unsicherheit zu erzeugen. "Sie wollen das Bild vermitteln, dass der Sudan ohne eine Militärregierung in Chaos versinkt."

Ursprünglich war der Donnerstag als Tag der Unterzeichnung vorgesehen, dann kam der angebliche Putschversuch. Nun hat der Sudan-Vermittler der Afrikanischen Union, Mohamed Al-Hacen Lebatt, öffentlich versichert, am Samstag werde die Einigung unterschrieben.

Kommt es so, wäre das ein Durchbruch. Doch nach Monaten des Kampfes, zahlreichen Rückschlägen und vielen Toten wird die Opposition diesmal erst feiern, wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist.

insgesamt 1 Beitrag
steinhai 13.07.2019
1. Die Rolle des wirklichen Drahtziehers...
In den Medien wird kaum darüber berichtet wer dort wirklich die Fäden zu ziehen versucht. Das ist SaudiArabien und die Emirate. Das selbe Spiel auch in Lybien, wo die Saudis der Strippenzieher von General Haftar sind. Aber nicht [...]
In den Medien wird kaum darüber berichtet wer dort wirklich die Fäden zu ziehen versucht. Das ist SaudiArabien und die Emirate. Das selbe Spiel auch in Lybien, wo die Saudis der Strippenzieher von General Haftar sind. Aber nicht nur die Saudis. Frankreich steht auch hinter Haftar. Dort ist nun quasi ein Krieg zwischen den Natopartnern ausgebrochen. Frankreich gegen die von Deutschland und England unterstützte Regierung in Tripolis. Die Rolle der USA sind dabei auch nicht zu unterschätzen. Im Sudan stehen die Saudis hinter der Armee. Sie waren es auch die auf Zivilisten schossen und zahlreiche um brachten. Davon existieren Videos und Unterlagen die es beweisen. Die Saudis destabilisieren die ganze Region. In Ägypten waren sie ja auch erfolgreich. Der Präsident Sissi ist eine Marionette der Saudis. Die Saudis halfen bei der Beseitigung des Demokratisch gewählten Mursis. Im Jemen hatten die Saudis zumindest vorgehabt um Hadi erneut an die Macht zu bringen, der eben auch eine Marionette der Saudis ist. Das gelang zum Glück bis heute nicht weil Iran nicht zugelassen hat das auch Jemen ein Saudischer Satelliten Staat wird. Genau diese Saudis sind am lautesten wenn es um Anklagen gegen Iran geht. Iran hat kein Blut an den Händen im Gegensatz zu den Saudis und stehen immer auf Seiten der Unterdrückten Völker, auch wenn das im Westen komplett anders gesehen wird. Aber wenn man sich wirklich mit diesen Ländern beschäftigt merkt man schnell, welche Länder die wirkliche Achse des Bösen sind. Iran gehört nicht dazu.

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