Politik

Versuchte Vergewaltigung

Trumps Richter-Kandidat weist Vorwürfe zurück

Eigentlich soll Brett Kavanaugh bald Richter am Supreme Court werden. Doch eine Frau wirft Trumps Kandidat versuchte Vergewaltigung vor. Er will die Anschuldigungen nun widerlegen.

REUTERS

Brett Kavanaugh

Montag, 17.09.2018   16:45 Uhr

Brett Kavanaugh hat die Vorwürfe, er habe während seiner Highschoolzeit versucht, eine Frau zu vergewaltigen, zurückgewiesen. Er werde die Anschuldigungen vor dem Justizausschuss widerlegen, sagte er. Sie seien unwahr.

Der Justizausschuss wollte eigentlich am Donnerstag dieser Woche die Berufung Kavanaughs als Richter des Supreme Court bestätigen. Nach den nun erhobenen Vorwürfen könnte sich die Abstimmung verschieben.

Christina Blasey Ford, eine 51-jährige Professorin an der Palo Alto Universität in Kalifornien, wirft dem Kandidaten von Präsident Donald Trump die versuchte Vergewaltigung vor. Am vergangenen Sonntag veröffentlichte die "Washington Post" Details über die angebliche Tat.

Inzwischen gibt es auch bei den Republikanern erste Bedenken gegen den Kandidaten. Der Trump-kritische Senator Jeff Flake sprach sich gegen den Zeitplan aus. Er könne nicht über Kavanaugh befinden, "wenn wir nicht Fords Seite der Geschichte gehört haben", sagte Flake der "Washington Post". Auch Lindsey Garaham, Senator aus South Carolina, äußerte sich per Twitter ähnlich. Graham ist ebenfalls ein Trump-Kritiker.

Der Druck zeigte offenbar Wirkung: Kellyanne Conway, Beraterin von Trump, kündigte in einem Interview mit "Fox News" an, dass Christina Blasey Ford angehört werde. Sie habe deshalb mit Graham und anderen Senatoren gesprochen. "Diese Frau sollte nicht beleidigt werden, und sie sollte nicht ignoriert werden", wurde Conway zitiert.

Ohne die Stimmen der beiden Senatoren hätten die Republikaner nicht die nötige Stimmenzahl, um Kavanaugh im Justizausschuss zu bestätigen und die Angelegenheit für das endgültige Bestätigungsvotum ins Plenum des Senats zu überweisen. Wegen der republikanischen Mehrheit war eigentlich mit einer reibungslosen Bestätigung des Kandidaten gerechnet worden.

Andere Senatoren schlossen sich der Forderung nach einer Anhörung Fords vor dem Ausschuss an. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein erklärte, die US-Bundespolizei FBI müsse in dem Fall ermitteln, ehe der Nominierungsprozess fortgesetzt werden könne.

Ford hatte berichtet, Kavanaugh habe sie vor dreißig Jahren - als sie beide noch auf der Highschool waren - in betrunkenem Zustand auf ein Bett geworfen. Er habe versucht, ihr die Kleider vom Leib zu reißen. Als sie zu schreien versuchte, habe er ihr den Mund zugehalten. "Ich dachte, er würde mich vielleicht aus Versehen umbringen", sagte sie der "Washington Post".

Die Zeitung zitierte zur Unterstützung von Fords Aussagen aus internen Aufzeichnungen ihres Psychotherapeuten. Im Jahr 2012 hatte Ford demnach in Therapiesitzungen von dem Übergriff berichtet und von einem "Vergewaltigungsversuch" gesprochen. Kavanaughs Name wird in den Unterlagen aber nicht ausdrücklich erwähnt.

Die Nominierung von Kavanaugh war von Beginn an umstritten - Demokraten wollen ihn unbedingt verhindern. Sie werfen Kavanaugh vor, eine Entscheidung des Supreme Court über die Legalität von Schwangerschaftsabbrüchen nicht zu akzeptieren und möglicherweise kippen zu wollen.

Video: Tumulte bei der Anhörung im Senat

Foto: AP

höh/als/AP/Reuters

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