Politik

Krieg in Syrien

Russland und Iran erobern Aleppo - für Assad

Das Assad-Regime und seine Verbündeten stehen vor dem größten militärischen Erfolg seit Jahren: der vollständigen Eroberung von Aleppo. Den Preis dafür zahlt die Zivilbevölkerung.

Foto: DPA/ SANA
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Montag, 28.11.2016   15:38 Uhr

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Den Truppen von Diktator Baschar al-Assad ist ein Durchbruch gelungen - im wahrsten Sinne des Wortes. Von zwei Seiten haben syrische Regierungssoldaten im Verbund mit libanesischen und iranischen Milizionären eine Schneise durch den von Aufständischen kontrollierten Ostteil Aleppos geschlagen. Nur wenige Stunden später übernahmen die Einheiten des Regimes die Kontrolle über den gesamten Nordteil von Ost-Aleppo. Insgesamt haben die Aufständischen binnen weniger Tage mehr als ein Drittel des von ihnen beherrschten Gebiets in der Stadt verloren.

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Frontverlauf in Aleppo

Das syrische Staatsfernsehen verbreitet Triumphbilder aus dem Kampfgebiet. Die eroberten Viertel scheinen auf den Aufnahmen der Assad-Medien menschenleer. Tausende Zivilisten sind in den vergangenen 48 Stunden aus dem Gebiet geflüchtet. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass 3200 Zivilisten in einem Auffanglager der syrischen Regierung eingetroffen seien.

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Syrienkrieg: Vormarsch in Ost-Aleppo

Rund 10.000 Menschen flüchteten sich in das kurdische Viertel Scheich Maksud. Die dort herrschende YPG-Miliz ist zwar mit dem Assad-Regime verbündet, trotzdem hoffen die Flüchtlinge, dort vor dem Zugriff der Regierung vorerst sicher zu sein. Besonders Männer müssen fürchten, als Terroristen gebrandmarkt und verschleppt zu werden. Viele Syrer, die in den vergangen Jahren aus Rebellengebieten flüchteten und sich den Regierungstruppen stellten, sind seither verschwunden.

USA und EU lassen Putin freie Hand

Tausende Menschen flüchteten zudem in die von der Opposition gehaltenen südlichen Viertel von Ost-Aleppo. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Gebiete erobert werden: Die Rebellen dort sind seit Monaten vom Nachschub abgeschnitten, Nahrungsmittel gehen zur Neige, pausenlos fliegen syrische und russische Luftwaffe Angriffe auf das Gebiet. Die Uno schätzt, dass rund 8000 bewaffnete Aufständische in Ost-Aleppo ausharren, etwa 900 von ihnen gehören zur sogenannten Eroberungsfront Syriens, einer Terrorgruppe, die sich im Juli von al-Qaida losgesagt hatte. Insgesamt sollen sich noch rund 250.000 Menschen in Ost-Aleppo aufhalten.

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Syrienkrieg: Vormarsch in Ost-Aleppo

Mit dem Fall der Stadt würden die Aufständischen ihre wichtigste Bastion in Syrien verlieren. Eine solche Niederlage käme zu einer Zeit, in der sich die geopolitische Lage ohnehin zu ihren Ungunsten verändert hat: Die USA und Europa haben Russland in Syrien freie Hand gelassen. Das Aushungern von einer Million Menschen in belagerten Städten, Luftangriffe auf Krankenhäuser und Schulen, der Einsatz von Giftgas - nichts davon hat für Wladimir Putin oder Baschar al-Assad Konsequenzen.

Die Rebellen kontrollieren nur noch ländliche Gebiete

In knapp acht Wochen wird zudem Donald Trump US-Präsident. Seine Äußerungen und die seiner wichtigsten Berater zum Syrienkrieg sind höchst widersprüchlich, allerdings haben sie erkennen lassen, dass sie Assad eher als Partner denn als Feind sehen. Für die syrische Opposition sind das keine guten Aussichten.

Das Regime beherrscht damit wohl künftig wieder die fünf größten Städte des Landes: Damaskus, Hama, Homs, Latakia und Aleppo. Wichtigste Bastion der Opposition ist künftig die Provinz Idlib. Das Gebiet im Nordosten Syriens wird fast vollständig von einem islamistischen Rebellenbündnis kontrolliert. Dessen wichtigste Unterstützer sind Saudi-Arabien und Katar. Mit Trumps Amtsantritt dürfte der Einfluss der Golfstaaten auf die Aufständischen in Syrien weiter wachsen, weil die Rebellen von den USA dann keine Unterstützung mehr erwarten können.

Russland und Iran halten Assad an der Macht

Fortan sind es vor allem ländliche Teile Syriens in der Peripherie, die von der Opposition beherrscht werden: Neben der Provinz Idlib etwa die Gebiete in der südsyrischen Provinz Dara und einige Vororte von Damaskus. Sobald Assad die vollständige Kontrolle über Aleppo zurückerlangt hat, kann der Diktator seine Truppen gegen die anderen Rebellengebiete einsetzen. Gegenüber den Aufständischen hat er zwei große Vorteile: Russische und syrische Luftwaffe können mit ihren Hubschraubern und Kampfjets aus der Luft angreifen. Und ihm steht ein schier unerschöpflicher Nachschub an schiitischen Söldnern aus dem Libanon, dem Irak und Iran zur Verfügung. Einen solchen Krieg können die Rebellen nicht gewinnen.

Diese massive militärische Unterstützung aus dem Ausland hält Assad an der Macht. Sie verhindert aber zugleich eine Lösung der politischen Ursachen des Konflikts. Weil ihn Russland und Iran bedingungslos unterstützen, ignoriert der Diktator die Forderung des Westens nach Waffenstillstandsverhandlungen.

Die Folge: Assad kann weiter über Syrien herrschen. Den Preis zahlt die Bevölkerung: Fast eine halbe Million Menschen sind seit 2011 getötet worden, zwölf Millionen sind innerhalb und außerhalb des Landes auf der Flucht. Solange der Diktator herrscht, werden sie nicht zurückkehren.


Zusammengefasst: Die Rebellen in Ost-Aleppo haben innerhalb weniger Tage mehr als ein Drittel ihres Gebietes verloren. Der Fall der Stadt ist nur eine Frage der Zeit. Das Assad-Regime verdankt diesen militärischen Erfolg russischen Bomben sowie libanesischen, iranischen und irakischen Milizionären. Mit ihrer Hilfe festigt Assad seine Macht, auf Kosten der syrischen Bevölkerung.

insgesamt 179 Beiträge
tart 28.11.2016
1. der Zivilbevölkerung geht es unter den Rebellen bzw IS auch nicht besser
aus meiner Sicht nat. nicht die beste Lösung...aber wenigsten eine Lösung.
aus meiner Sicht nat. nicht die beste Lösung...aber wenigsten eine Lösung.
sl2016 28.11.2016
2. Gute Nachrichten
Hoffentlich kehrt Syrien absehbar wieder zur Normalität zurück. Der islmaische Radikalismus muss besiegt werden. Dann können die Menschen wieder in ihre Heimat zurückkehren.
Hoffentlich kehrt Syrien absehbar wieder zur Normalität zurück. Der islmaische Radikalismus muss besiegt werden. Dann können die Menschen wieder in ihre Heimat zurückkehren.
naklar261 28.11.2016
3. gute sache
je schneller Asad diese ganzen religioesen Fanatiker vertreiben kann umso besser.
je schneller Asad diese ganzen religioesen Fanatiker vertreiben kann umso besser.
LUNAWELLE 28.11.2016
4. Immerhin
werden die sogenannten Rebellen hier auch mal als "Terrorgrupoe" bezeichnet. Vielleicht sollte man ja grundsätzlich auch bei den Rebellen die Bezeichnung "sogenannte" voranstellen, so wie bei "sogenannter [...]
werden die sogenannten Rebellen hier auch mal als "Terrorgrupoe" bezeichnet. Vielleicht sollte man ja grundsätzlich auch bei den Rebellen die Bezeichnung "sogenannte" voranstellen, so wie bei "sogenannter Islamischer Staat"
f-rust 28.11.2016
5. viel zu lange
haben die USA u.a. der Welt vormachen wollen, es gäbe "gute Rebellen" und "böse" ... das sollte aber nur in Syrien gelten, nicht in der Ukraine, gell. Es waren doch die "guten 'Rebellen' (aka [...]
haben die USA u.a. der Welt vormachen wollen, es gäbe "gute Rebellen" und "böse" ... das sollte aber nur in Syrien gelten, nicht in der Ukraine, gell. Es waren doch die "guten 'Rebellen' (aka Terroristen)" welche die Zivilbevölkerung als Geisel genommen hatten ... na ja, neutrale Berichterstattung in einem Systemmedium zu erwarten ist wohl zu viel verlangt ... erst seit Eingreifen von RU geht es mit IS etc etc bergab - aber wir unterstützen die Geldgeber Saudi A. und die Strippenzieher USA weiter???
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