Politik

Syrienkrieg

Uno scheitert mit Evakuierungsplan für Verletzte in Aleppo

Während der Waffenruhe im syrischen Aleppo sollten kranke und schwer verletzte Menschen aus der Stadt geholt werden, doch das Vorhaben misslang. Nun kritisiert die Uno das Regime und die Rebellen.

AFP

Angriff in Aleppo

Dienstag, 25.10.2016   02:55 Uhr

An den Verhandlungen waren die Vereinten Nationen beteiligt, das Rote Kreuz, der syrische Rote Halbmond und weitere Hilfsorganisationen. Das Ziel: Kranke und Verletzte zur medizinischen Behandlung aus der umkämpften syrischen Stadt Aleppo zu bringen. Doch daraus wurde nichts.

Die Uno macht den Kriegsparteien in Syrien deshalb nun schwere Vorwürfe. Es sei "zutiefst bedauerlich", dass in tagelangen Verhandlungen über ein sicheres Geleit für Krankentransporte kein Ergebnis erzielt werden konnte, sagte der Uno-Koordinator für humanitäre Hilfe, Stephen O'Brien. Er selbst sei frustriert, traurig und wütend. "Wieder einmal haben die politische und militärische Logik in Syrien über die elementare Menschlichkeit gesiegt."

Der Widerstand gegen den Evakuierungsplan sei sowohl von Rebellen- wie auch von Regimeseite gekommen, sagte O'Brien laut Uno-Mitteilung. Das Regime habe sich geweigert, Hilfen für die Kranken und Verletzten in den Rebellenhochburgen im Osten Aleppos zuzulassen. Und die diversen Rebellengruppen hätten Bedingungen aufgestellt, um für die Sicherheit der Krankentransporte zu bürgen.

Am vergangenen Wochenende war eine von Russland und Syrien ausgerufene dreitägige Waffenruhe für Aleppo ausgelaufen - es gab erneut Luftangriffe und heftigen Beschuss durch Artillerie in Aleppo. Die Feuerpause hatte nach Aussage der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen keine nachhaltigen Auswirkungen für die Bevölkerung: Die Lage sei unmenschlich.

Russland und Syrien hatten vor rund einem Monat mit massiven Bombenangriffen auf den Ostteil Aleppos begonnen. Seitdem wurden nach Angaben von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon fast 500 Menschen getötet und rund 2000 verletzt. Mehr als ein Viertel der Todesopfer seien Kinder.

Video zum Syrienkrieg: Aleppo in Zahlen

Foto: SPIEGEL ONLINE/Reuters

Russland kritisiert die Uno

Russland schließt eine erneute Waffenruhe für Aleppo inzwischen aus. Weil sich Rebellengruppen nicht an die dreitägige Feuerpause gehalten hätten, sei die Frage nach einer Neuauflage derzeit nicht relevant, sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow in Moskau.

Der Stellvertreter des russischen Außenministers Sergej Lawrow nannte die Arbeit der Uno "enttäuschend". Russland habe sich in den vergangenen Tagen auch deshalb für eine Waffenruhe eingesetzt, damit Zivilisten aus Ost-Aleppo abtransportiert werden können, sagte Gennadi Gatilow nach Angaben der Agentur Interfax. Geschehen sei aber nichts. "Uns enttäuscht die Unfähigkeit der Uno-Mitglieder, jene Pläne umzusetzen, die sie uns gegenüber angekündigt hatten."

aar/dpa/AFP

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