Politik

Krieg in Syrien

"Keinerlei Entschuldigungen für diese abscheulichen Taten"

Hunderte Luftangriffe, Tausende Granateneinschläge: Das syrische Regime geht erneut mit aller Härte gegen die Rebellen im Osten Aleppos vor. Die USA und die Uno reagieren mit harscher Kritik.

AFP

Ein Mitarbeiter der Weißhelme trägt einen Verletzten in Aleppo

Samstag, 19.11.2016   19:36 Uhr

Die Großoffensive des syrischen Regimes auf den von Rebellen gehaltenen Ostteil von Aleppo sorgt international für Wut und Empörung. Allein am Samstag kamen bei den Bombardements nach Angaben von Aktivisten mindestens 27 Menschen ums Leben. Zudem wurden mehrere Krankenhäuser getroffen, die einzige Kinderklinik musste nach Angaben der Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen wegen der Beschädigungen ihren Betrieb einstellen.

Das sorgt für deutliche Kritik aus Washington: "Es gibt keinerlei Entschuldigungen für diese abscheulichen Taten", erklärte die Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice. Die USA würden die schrecklichen Angriffe gegen medizinische Einrichtungen und humanitäre Helfer scharf verurteilen. "Das syrische Regime und seine Verbündeten, vor allem Russland, sind verantwortlich für die aktuellen und langfristigen Konsequenzen dieser Taten."

Seit etwa vier Tagen fliegt die syrische Armee zusammen mit dem verbündeten Russland wieder Luftangriffe auf die Rebellenhochburg. "Russland hat mit einer groß angelegten Operation gegen Terroristen in den Provinzen Idlib und Homs begonnen", sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Dienstag.

Zuletzt sei das Omar Bin Abdul Asis Krankenhaus im Ostteil der belagerten Stadt von einer Reihe von Bombardements des syrischen Regimes und seiner Verbündeten getroffen und zerstört worden. Das teilte die Union of Syrian Medical Organizations mit.

Auch die Vereinten Nationen äußerten sich erschüttert über das Ausmaß der Militäraktion. Die Uno seien "entsetzt" über die jüngste Gewalteskalation in Syrien, erklärten der Uno-Hilfskoordinator in Syrien, Ali al-Saatari, und der Regionalkoordinator Kevin Kennedy.

Die syrischen Weißhelme sprachen ihrerseits von einem "katastrophalen Tag mit einem beispiellosen Bombardement mit allen Waffenarten". Ihre Freiwilligen hätten mehr als 2000 Artilleriegranaten einschlagen hören und 250 Luftangriffe gezählt, berichteten die Weißhelme, die in diesem Jahr für ihren Einsatz für die zivilen Opfer des Bürgerkriegs mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurden.

Aleppo gilt als wichtigstes Schlachtfeld zwischen Regierungstruppen und Rebellen in Syrien. Im Osten der Stadt sollen sich bis zu 300.000 Zivilisten aufhalten. Für sie wird die Lage immer bedrohlicher: Bereits vergangene Woche warnte der Chef der Uno-Hilfsmission für Syrien, Jan Egeland, vor einer Hungersnot.

vks/dpa/AFP

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