Politik

US-Vorwürfe

Video soll iranischen Angriff auf Tanker beweisen

Die USA machen Iran für die Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman verantwortlich - und veröffentlichen ein Video, das den Vorwurf untermauern soll. Teheran kritisiert derweil die "unbegründeten Behauptungen".

Foto: Courtesy U.S. Military/REUTERS
Freitag, 14.06.2019   09:48 Uhr

Nach dem Angriff auf zwei Tanker im Golf von Oman hat das US-Militär ein Video veröffentlicht, das die iranischen Revolutionsgarden belasten soll: Die Aufnahmen zeigen nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom, wie ein Boot der Iranischen Revolutionsgarden auf einen der beiden angegriffenen Tanker zufährt. Die Menschen an Bord des iranischen Schnellboots seien dabei "beobachtet und aufgenommen" worden, wie sie eine nicht explodierte Mine vom Tanker "Kokuka Courageous" entfernten.

Auf dem Video ist zu erkennen, wie sich Menschen an Bord eines Schnellbootes an der Wand eines Öltankers zu schaffen machen und von dort etwas zu entfernen scheinen. Das Boot fährt danach wieder von dem Tanker weg. Centcom - das Zentralkommando, das die amerikanischen Truppen im Nahen Osten führt - sprach von einem "Haftminenangriff" im Golf von Oman.

Die Revolutionsgarden (IRGC) sind die Eliteeinheit der Streitkräfte in Iran und weitaus wichtiger als die klassische Armee. Die Trump-Regierung hatte sie im April in einem beispiellosen Schritt als ausländische Terrororganisation eingestuft.

Am frühen Donnerstagmorgen waren zwei Frachtschiffe in internationalen Gewässern zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Iran attackiert worden. Es wurde von drei Explosionen an Bord berichtet. Bisher ist noch unklar, womit die Schiffe angegriffen wurden (mehr dazu, was bisher über den Vorfall bekannt ist, erfahren Sie hier).

Schon vor der Veröffentlichung des Videos hatte US-Außenminister Mike Pompeo Teheran beschuldigt, hinter den Angriffen auf die beiden Öltanker zu stecken. "Es ist die Einschätzung der US-Regierung, dass die Islamische Republik Iran verantwortlich für die Angriffe ist, zu denen es heute im Golf von Oman kam", sagte Pompeo in Washington. Es handele sich um eine "nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch Iran". Die Einschätzung basiere unter anderem auf Geheimdienstinformationen, sagte Pompeo.

Iran dementierte daraufhin jegliche Verantwortung für die Angriffe. "Iran weist die haltlose Behauptung der USA mit Bezug auf die Öltanker-Vorfälle vom 13. Juni kategorisch zurück und verurteilt sie auf das Schärfste", hieß es in einer Mitteilung der Vertretung Irans bei den Vereinten Nationen. "Der ökonomische Krieg und Terrorismus der USA gegen das iranische Volk sowie ihre massive Militärpräsenz in der Region sind weiterhin die Hauptursachen für Unsicherheit und Instabilität in der weiteren Persischen Golfregion."

Irans Außenminister Javad Zarif kritisierte, dass die USA sofort Anschuldigungen ohne jegliche Beweise oder Indizien erhoben hätten. Bei Twitter schrieb er, es gehe darum, diplomatische Bemühungen zu sabotieren und den "Wirtschaftsterrorismus gegen Iran" zu verschleiern.

"Es ist unsere Aufgabe, für Sicherheit in der Straße (von Hormus) zu sorgen, und wir haben die Besatzung der angegriffenen Tanker so schnell wie möglich gerettet", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran.

Im Video: Angriff auf zwei europäische Frachtschiffe

Foto: REUTERS/ ISNA

Der US-Einschätzung hatte sich auch Saudi-Arabien angeschlossen. Außenminister Adel al-Jubeir sagte dem Sender CNN, dass sein Land "keinen Anlass" habe, Pompeo zu widersprechen. "Wir stimmen ihm zu."

Der britische Außenminister Jeremy Hunt sagte, man werde zwar eine eigene Überprüfung der Vorfälle vornehmen. Zunächst einmal glaube man aber den Erklärungen des Verbündeten USA. Die Vorfälle seien "sehr besorgniserregend und kommen zu einer Zeit von ohnehin schon großen Anspannungen", sagte Hunt. "Meine Botschaft an Iran ist, dass - wenn sie darin verwickelt sind - es eine äußerst unkluge Eskalation ist, die eine ernste Gefahr für die Aussicht auf Frieden und Stabilität in der Region darstellt."

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Das US-Militär schickte derweil den Zerstörer "USS Mason" in das Gebiet im Golf von Oman. Das Schiff sei auf den Weg dorthin, wo die beiden Tanker angegriffen worden seien, hieß es. Der Zerstörer "USS Bainbridge" stehe zudem in engem Kontakt mit einem der beschädigten Tanker, der "Kokuka Courageous". Man habe zwar kein Interesse an einer Einbindung in einen neuen Konflikt im Nahen Osten. Das Militär sei aber bereit, US-Interessen zu verteidigen, etwa das der freien Schifffahrt.

Es ist der zweite Angriff auf Handelsschiffe in der Region binnen wenigen Wochen: Am 12. Mai hatten drei Tanker und ein weiteres Schiff im Golf von Oman Havarien gemeldet. Bislang hat sich niemand zu den Anschlägen bekannt. Die Taten fallen in eine Zeit größter Spannungen zwischen Iran auf der einen sowie den USA und den arabischen Golfstaaten auf der anderen Seite.

Der japanische Betreiber der "Kokuka Courageous" wies jedoch Berichte zurück, wonach das Schiff mit einem Torpedo angegriffen worden sein soll. Die Besatzungsmitglieder hätten noch vor der Explosion "fliegende Objekte" gesehen, sagte der Präsident der Firma Kokuka Sangyo bei einer Pressekonferenz in Tokio.

Die Besatzung ist mittlerweile auf die "Kokuka Courageous" zurückgekehrt. Nun soll das Schiff, das von der deutschen Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) betrieben wird, in den Hafen Khor Fakkan in den Vereinigten Arabischen Emiraten geschleppt werden. Es bestehe keine Gefahr des Sinkens, auch Ladung verliere die "Kokuka Courageous" nicht, erklärte BMS.

aar/kev/cht/dpa/Reuters

insgesamt 426 Beiträge
ellenbetti 14.06.2019
1. Wenn der Iran es nicht war
aber die Aktion den Iran beschuldigen soll, muss es jemand sein der von dem Schaden, den Iran nun hat, profitiert. So hält man einen drohenden Krieg am köcheln. Das Gleich war auch im Irak zu beobachten. Wenn alles in Richtung [...]
aber die Aktion den Iran beschuldigen soll, muss es jemand sein der von dem Schaden, den Iran nun hat, profitiert. So hält man einen drohenden Krieg am köcheln. Das Gleich war auch im Irak zu beobachten. Wenn alles in Richtung Iran zeigt und Trump sofort sagt wer es war, sind Zweifel angebracht.
wokri 14.06.2019
2. Es ist schon
verwunderlich das die USA so schnell Iran als Schuldigen ausmachen? Mir kommt es ein wenig so vor als würde hier ein Grund für einen en Krieg gesucht. Das es ausgerechnet Norwegen und Deutschland trifft ist schon merkwürdig. [...]
verwunderlich das die USA so schnell Iran als Schuldigen ausmachen? Mir kommt es ein wenig so vor als würde hier ein Grund für einen en Krieg gesucht. Das es ausgerechnet Norwegen und Deutschland trifft ist schon merkwürdig. Die Frage sei erlaubt, wer hat am meisten davon. Ja richtig die USA.
nongsri 14.06.2019
3. Erinnerung
Diese Vorfaelle erinnern sehr an die Provokationen der USA im Golf von Tonkin im Jahr 1964! Hat man keinen Grund fuer einen Krieg, schafft man sich einen.
Diese Vorfaelle erinnern sehr an die Provokationen der USA im Golf von Tonkin im Jahr 1964! Hat man keinen Grund fuer einen Krieg, schafft man sich einen.
thinking_about 14.06.2019
4. Da es sich
nach offiziellen Angaben bei der Munition um Haftminen, die per Magnete an den Schiffskörper angebracht werden, handeln soll, müßte man doch nur feststellen, in welchem Hafen die Schiffe zuvor anlegten, oder schwimmen diese [...]
nach offiziellen Angaben bei der Munition um Haftminen, die per Magnete an den Schiffskörper angebracht werden, handeln soll, müßte man doch nur feststellen, in welchem Hafen die Schiffe zuvor anlegten, oder schwimmen diese Minen einfach im Meer herum und haften sich zufälligerweise an einen Schiffskörper an? Dann müßte die ganze Gegend vermint worden sein und hätte sicherlich bei dem Verkehr dort mehr als zwei Schiffe treffen müssen. Es scheint also eher eine gezielte Aktion gewesen zu sein.
mabuse786 14.06.2019
5. Tanzender Trump mit den Saudis
Kann es sein, dass dies von Anfang der Regierungszeit von Trump, mit den Saudis so geplant war? Wo fährt Trump nach seine Inauguration zuerst hin? Nach Saudi Arabien, ein 'lupenrein' demokratisches Regime, dass Frauen [...]
Kann es sein, dass dies von Anfang der Regierungszeit von Trump, mit den Saudis so geplant war? Wo fährt Trump nach seine Inauguration zuerst hin? Nach Saudi Arabien, ein 'lupenrein' demokratisches Regime, dass Frauen unterdrückt und unliebsame Journalisten ermorden lässt. Dann unterstützt der Iran im Jemen noch unliebsame Rebellen, die sich gegen Saudi-Arabien stellen. Ich frage mich, warum macht Trump das? Buddies die amerikanische Rüstungsgüter kaufen? Nicht, dass ich ein Freund des Regimes in Iran bin aber das Zündeln dort, halte ich für höchst gefährlich. Einen Krieg will man da bestimmt nicht, trotz nur - wahrscheinlich - großer Klappe des US-Präsidenten. Und dann spielt da noch ein Israelischer Präsident mit hinein, der sich ja plötzlich mit Saudi-Arabien bestens versteht. Fragen über Fragen und viele Fragezeichen.

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