Politik

Terror in Afghanistan

Schwere Explosion vor Universität in Kabul

Vor einem Eingang zur Universität von Kabul ist ein großer Sprengsatz detoniert. Es gab sechs Tote und zahlreiche Verletzte. Mehrere Opfer waren offenbar auf dem Weg zu einer Prüfung.

Omar Sobhani/REUTERS

Afghanischer Polizist in der Nähe des Anschlagsortes

Freitag, 19.07.2019   11:51 Uhr

Bei einer Explosion in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind sechs Menschen ums Leben gekommen. Mehr als zwei Dutzend weitere seien verletzt worden, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mit.

Ein Polizeisprecher bestätigte eine Explosion am südlichen Eingang der Kabuler Universität im Westen der Stadt. Dem Fernsehsender ToloNews zufolge, der sich auf Augenzeugen berief, ereignete sich die Explosion, als mehrere Studenten auf dem Weg zu einer Prüfung waren. Zwei Fahrzeuge hätten zudem Feuer gefangen.

Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, habe es wegen des Ruhetags am Freitag zwar wenig Verkehr in der Gegend gegeben. In Gebäuden und Wohnhäusern der Hochschule herrsche im Sommer aber reger Betrieb. Die Kabul University ist nach eigenen Angaben die älteste und größte Universität des zentralasiatischen Landes, an ihr werden Männer und Frauen unterrichtet.

AP

Rauchsäule über Kandahar nach einem Anschlag am Donnerstag

Zunächst reklamierte keine Gruppierung den Angriff für sich. Afghanistan wird aber beinahe täglich von Anschlägen erschüttert.

Am Donnerstag griff ein Taliban-Kommando das Polizeihauptquartier in Kandahar mit einer Autobombe, Sprengsätzen und Schusswaffen an. Mindestens 16 Menschen starben, mehr als 80 wurden verletzt. Auch Gruppen, die sich zur Terrororganisation "Islamischer Staat" bekennen, begehen immer wieder Attentate.

Mehr als 20.000 Zivilisten seit 2014 getötet

Afghanistan ist von Jahrzehnten des Krieges zerrüttet. Seit 2001 führt eine westliche Allianz aus den USA, Deutschland und weiteren Nato-Staaten an der Seite der Zentralregierung Krieg gegen die radikalislamischen Taliban. Die Kabuler Regierung kontrolliert dennoch nur etwa die Hälfte des Staatsgebiets. In den anderen Landesteilen herrschen Warlords und Islamisten.

Allein 2018 starben in Afghanistan 3800 Zivilisten einen gewaltsamen Tod. Fast zwei Drittel dieser Opfer gingen auf Terrorangriffe der Taliban und weiterer bewaffneter Gruppen zurück. Von 2014 bis 2017 waren bereits rund 17.000 unbeteiligte Menschen durch die anhaltenden Konflikte im Land getötet worden, zeigt eine Opferstatistik der Vereinten Nationen.

cht/dpa/AP

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