Politik

Britische Medien zur Brexit-Abstimmung

"Mays Albtraum"

"Demütigung", "dunkelster Moment ihrer Karriere", "tot wie ein Dodo": So beschreiben britische Zeitungen und TV-Sender die Brexit-Niederlage von Theresa May. Ein Überblick.

Mittwoch, 16.01.2019   04:39 Uhr

Das Parlament in London hat Theresa Mays Brexit-Deal abgelehnt - und zwar sehr viel deutlicher als ohnehin angenommen. Die Medien in Großbritannien berichten allesamt in Analysen, Kommentaren, Videos und Karikaturen über die Schlappe der Premierministerin. Ein Überblick.

Vergleichsweise sachlich beschreibt die BBC das Abstimmungsergebnis. Mays Deal sei abgelehnt worden, es handle sich um eine historische Niederlage und um eine schwere Schlappe für May, "die mehr als zwei Jahre lang mit der EU verhandelt hat". BBC-Mitarbeiterin Laura Kuenssberg schreibt in einem Kommentar, dass Mays Deal nicht nur abgelehnt worden sei. Ihr Plan sei zerstört worden - und zwar "von einer Allianz ihrer Kritiker, die sich nicht einmal untereinander einig sind". Selbst die Unterstützer der Premierministerin würden zugeben, dass die Regierung zahlreiche Fehler gemacht habe. "Aber diese breite Uneinigkeit auf allen Seiten ist Mays Albtraum - einer, bei dem es sich nun um einen schlechten Traum ohne Ende handelt."

Es sei ein Tag von "außergewöhnlichem Chaos in Westminster" gewesen, an dem das Unterhaus ein "vernichtendes Urteil" über Mays Brexit-Deal gefällt habe, schreibt der "Guardian" unter dem Titel: "Die Premierministerin erleidet eine historische Niederlage."

Auf der Website von "The Telegraph" heißt es an oberster Stelle: "Demütigung für die Premierministerin." In einem Kommentar zur Abstimmung fragt Autorin Allison Pearson rhetorisch: "Wie zur Hölle sind wir in diese Lage gekommen?" Man brauche besondere Fähigkeiten, um so viele Menschen gegen sich zu vereinen, "aber Theresa May ist es gelungen".

Apropos Vereinen: Tom Peck schreibt in einem Kommentar für "The Independent", dass der Hass auf Theresa Mays Deal letzten Endes immerhin das Land und das Parlament vereint habe. Nun könne niemand mehr sagen, dass das Unterhaus nicht die Meinung des britischen Volkes vertrete. Pecks Kollegin Jane Merrick schreibt in einem weiteren Kommentar für dasselbe Medium, dass May nach ihrer "vernichtenden Brexit-Niederlage" hätte zurücktreten sollen - "sie hat die nationalen Interessen nicht vertreten". Und weiter: "Mays Erbe ist genau die Unruhe und die Ungewissheit, von der sie im Juni 2016 versprochen hatte, das Land zu befreien."

Besonders dramatische Worte wählt wenig überraschend die "Daily Mail", dort steht online und auf der Titelseite der Mittwochszeitung: Theresa May "kämpft um ihr Leben". Der "Daily Mirror" erscheint am Mittwoch mit einer Titelseite, auf der zu einem Foto von May in Großbuchstaben steht: "Kein Deal, keine Hoffnung, keine Ahnung, kein Vertrauen."

"The Sun" titelt online "NO MAY!" - und schreibt dann von einer "vernichtenden Schlappe" der britischen Premierministerin, die darauf schließen lasse, dass May "niemals genügend Unterstützung für ihre Strategie bekommen wird". Es handle sich "um den dunkelsten Moment ihrer Karriere".

Auf der Titelseite wird die "Sun" am Mittwoch eine Zeichnung des flugunfähigen und inzwischen ausgestorbenen Vogels Dodo zeigen, darauf ist das Gesicht Mays montiert. "Mays Brexit-Deal ist so tot wie ein Dodo", heißt es dazu. Kombiniert wird das Ganze noch mit einem Wortspiel aus "Brexit" und dem englischen Wort "extinct" ("ausgestorben"): "Brextinct".

aar

insgesamt 13 Beiträge
christerix 16.01.2019
1. Zu billig gemacht!
Das Parlament hat es sich viel zu billig gemacht. Stümperhaft. Unprofessionell. Klar, sie sind gegen das Papier - ist auch schlecht (halt von nett redenden Politikern gemacht, nicht von Leuten mit Knowhow). Aber wofür sind die [...]
Das Parlament hat es sich viel zu billig gemacht. Stümperhaft. Unprofessionell. Klar, sie sind gegen das Papier - ist auch schlecht (halt von nett redenden Politikern gemacht, nicht von Leuten mit Knowhow). Aber wofür sind die Parlamentarier eigentlich? Klar, für alle erdenklichen EU-Rosinen, am besten alles nutzen dürfen, ohne dafür zahlen zu müssen, weil wir Europäer ja dankbar sein müssten, dass es die Briten gibt. Hätten sie bloß auf die Queen geachtet, die bei der Verlesung der Regierungserklärung mit der Wahl ihrer Garderobe sich eindeutig zur EU positioniert hat. Und wer die Queen kennt, weiß, dass sie Erfahrung, Weisheit und Intelligenz ausmacht. (ber genau das fehlt bei vielen Politikern - auch in der EU. Zu dumm, wenn man lächerliche 52% als "Volkswillen" bezeichnet, lächerlich, undemokratisch (wo fand die Bildung einer objektiven Meinung im Volk statt? Populismus pur - die von sich eingebildeten Briten halt - trumper Nationalismus hat auch vor ihnen nicht Halt gemacht. Wahrscheinlich spekulieren sie auf Nachverhandeln, dass sie doch die Rosinen zurückbekommen. Wenn sie allerdings Recht bekommen, kann man jedem EU-Staat dasselbe raten, dann wäre die EU gescheitert - wegen der EU-Populisten. Dann würde ich nur noch Parteien wählen, die sich eindeutig gegen die EU positionieren, weil man einen solchen Müllhaufen nicht unterstützen darf. Also, was wollen die Briten? DAS wäre der Moment in einer Demokratie, dem Volk reinen Wein einzuschenken und zu sagen: "Wir bekommen den Brexit nicht hin. Das sind die Optionen: ... ... ... - Bitte nur ein Kreuz machen." Was mich bei dem Ganzen aufregt, ist, dass die EU weitaus wichtigere Probleme hat als den Brexit und in diese Halsstarrigkeit schon viel zu viel Steuergelder geflossen sind. Die EU sollte sich endlich um eine Position zu den USA und China bemühen - und um eigene Grundwerte; ansonsten kann sie ja mal etwas Konstruktives tun und über einen EUxit nachdenken - würde vielleicht helfen, zu überlegen, wozu man überhaupt nationalistische Staaten in der EU braucht, deren Regierungen letztlich zeigen, dass sie lieber draußen sein wollen. Die Briten sollten jedenfalls endlich gehen und damit leben, dass sie einen historischen Müll gemacht haben, der ihnen ihre Freiheit und Frieden im Land gekostet hat.
dosmundos 16.01.2019
2.
Auch in den Zeitungen: viel Gemecker, Gejammer und Schadenfreude, aber kein Plan weit und breit, wie es weitergehen soll...
Auch in den Zeitungen: viel Gemecker, Gejammer und Schadenfreude, aber kein Plan weit und breit, wie es weitergehen soll...
dingstabumsta 16.01.2019
3. Der Austritt...
...Englands aus der EU ist kein Albtraum, sondern der Wunsch der Bürger von England...und es wird egeal ob mit Vertragspaket oder nicht so oder so für England Problemmatisch, aber nicht hoffungslos. Wie oft wurde aus einem [...]
...Englands aus der EU ist kein Albtraum, sondern der Wunsch der Bürger von England...und es wird egeal ob mit Vertragspaket oder nicht so oder so für England Problemmatisch, aber nicht hoffungslos. Wie oft wurde aus einem Zusammenbruch ein Neuanfang, welcher sich trotz aller Unkenrufe gut oder besser Entwickelt hat? Dieser Albtraum war mit Ansage, und wird heute mit der Mistrauensfrage das ende von May einläuten! England tut gut daran sich aus der EU in seiner jetzigen Form zu verabschieben, denn für mich persönlich ist die EU sowieso kein haltbares Konstrukt, sondern das Produkt von "Globalisten" und Spekulanten, und ich bin der Meinung, dass auch nur sie davon profitierten. Zudem will ich - wie viele Engländer auch - keinen europäischen Superstaat, das ist für mich nur ein Synonym von Schuldenunion und Verlust der Souveränität, welches nicht nur vielen Engländern nicht gefällt, sondern sich immer mehr in ganz Europa ausbreitet.
mbb209 16.01.2019
4. Mayday Mayday Mayday
GB stürzt ab. Dann eben auf die harte Tour. Ein harter Brexit ohne Deal. Das geneigte Publikum in Europa hat das Theater ohnehin satt. Ein harter Brexit schadet beiden Seiten erheblich, aber er schadet GB erheblich mehr als der [...]
GB stürzt ab. Dann eben auf die harte Tour. Ein harter Brexit ohne Deal. Das geneigte Publikum in Europa hat das Theater ohnehin satt. Ein harter Brexit schadet beiden Seiten erheblich, aber er schadet GB erheblich mehr als der EU. Bleibt zu hoffen, dass die stets zu endlosen Verschleppungen und faulen Kompromissen neigende Politik in Brüssel und Kontinentaleuropa dieses eine Mal hart bleibt und die Extrawurst - Bratstube geschlossen läßt.
karlheinz-hesse 16.01.2019
5. Ach so?
Deutschland hat einen Staaten.-Länderbund mit Finanzausgleich. Die USA ist ein Bundesstaat. Ihrer Meinung darf es keinen Europäischen Bundesstaat geben? Früher bis 1989 hat Bremen und das Saarland an Bayern überwiesen. [...]
Zitat von dingstabumsta...Englands aus der EU ist kein Albtraum, sondern der Wunsch der Bürger von England...und es wird egeal ob mit Vertragspaket oder nicht so oder so für England Problemmatisch, aber nicht hoffungslos. Wie oft wurde aus einem Zusammenbruch ein Neuanfang, welcher sich trotz aller Unkenrufe gut oder besser Entwickelt hat? Dieser Albtraum war mit Ansage, und wird heute mit der Mistrauensfrage das ende von May einläuten! England tut gut daran sich aus der EU in seiner jetzigen Form zu verabschieben, denn für mich persönlich ist die EU sowieso kein haltbares Konstrukt, sondern das Produkt von "Globalisten" und Spekulanten, und ich bin der Meinung, dass auch nur sie davon profitierten. Zudem will ich - wie viele Engländer auch - keinen europäischen Superstaat, das ist für mich nur ein Synonym von Schuldenunion und Verlust der Souveränität, welches nicht nur vielen Engländern nicht gefällt, sondern sich immer mehr in ganz Europa ausbreitet.
Deutschland hat einen Staaten.-Länderbund mit Finanzausgleich. Die USA ist ein Bundesstaat. Ihrer Meinung darf es keinen Europäischen Bundesstaat geben? Früher bis 1989 hat Bremen und das Saarland an Bayern überwiesen. Heute ist es halt umgekehrt, Aber nur so funktioniert Solidarität. Aber das Wort "Solidarität" gibt es bei den Eurogegnern und Volksdeutschen nicht.

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